Wir können den Abschnitt über die chinesische Küche nicht verlassen, ohne noch einer schrecklichen Unsitte zu gedenken, die vordem in China verbreitet gewesen sein muß, aber in gewisser Form bis in die jüngsten Tage hinein noch ihr Dasein gefristet hat, nämlich das Verzehren von Menschenfleisch. Besonders wird sie auf den Schlachtfeldern geübt, den Beweis hierfür haben wir in verschiedenen der letzten Kriege erhalten. Die Soldaten rissen den Schwerverwundeten Herz und Leber aus dem Körper und verzehrten sie, oder, wenn solche im Übermaß vorhanden waren, so daß sie sie nicht auf einmal aufessen konnten, trockneten sie dieselben für später in der Sonne. Der Chinese hält nämlich diese Eingeweide, im besonderen die Leber, für den Sitz des Mutes und glaubt dadurch, daß er sie verzehrt, diesen auf den eigenen Körper zu übertragen. Vor kurzem wurde noch berichtet, daß ein Ehepaar seine Schwiegermutter, weil sie angeblich den Tod ihres Enkelkindes verschuldet hatte, tötete, das Herz aus dem Leibe riß und den übrigen Körper in Stücke zerschnitt, die dann gekocht und unter die Leute als Nahrungsmittel verkauft wurden. Zu Zeiten großer Hungersnöte ist es allgemeiner Brauch, Menschenfleisch nicht nur heimlich, sondern auch öffentlich zum Verkauf aufzubieten. — Pietätvolle Kinder lassen sich als Kräftigungsmittel für ihre Eltern Fleisch aus Arm und Bein schneiden. Damit berühren wir das Kapitel über chinesische Medizin.

Phot. Archibald Little.

Abb. 484. Chinesische Fischer mit Kormoranen an ihrer Bootspitze,

die zur Jagd auf Fische abgerichtet sind.

Die Vorstellungen der chinesischen Ärzte über die einzelnen Organe des Körpers sind nur mangelhafte und ganz schiefe. Aus Sektionen können sie sich keinen Rat holen, da für einen Chinesen der Gedanke entsetzlich ist, als Verstümmelter das Totenreich zu betreten. Die chinesische Medizin kennt nur fünf Organe, die sie zu dem ganzen Weltall in eine mystische Beziehung der Harmonie, beziehungsweise bei Erkranktsein, der Disharmonie setzen. In jedem dieser Organe herrscht eines der fünf Elemente (zum Beispiel im Herzen das Feuer) vor und jedes steht auch noch mit einem der fünf Planeten, der fünf Tages- und Jahreszeiten und der fünf Geschmacksarten in Verbindung. Auf Grund solcher verworrenen Ansichten stellt der chinesische Arzt nun seine Diagnose. Er prüft zu diesem Zweck das Gesicht, die Zunge, die Haare und so weiter, vor allem den Puls. Letzterer entspricht an einer bestimmten Körperstelle einem bestimmten Organ; es gibt zweihundert Pulsarten, aus deren Beschaffenheit der Arzt nun die Krankheit erkennt und seine Anordnungen trifft, die Angaben des Kranken sind ihm nebensächlich. Die Behandlung besteht in dem Schlucken einer Unmasse von Medikamenten, die manchmal höchst problematischer Natur sind und in ekelerregenden Stoffen bestehen.

Das Opiumrauchen ist ein über ganz China verbreitetes Laster, das große Verheerungen in gesundheitlicher Hinsicht unter der Bevölkerung angerichtet hat und daher mit Recht von der Regierung neuerdings aufs schärfste verfolgt wird. Die Opiumraucher finden sich in bestimmten Räumen, den sogenannten Opiumhöhlen, ein, auf deren Diwanen sie sich niederlegen ([Abb. 470]). Aus dem Opiumbehälter nehmen sie ein Stückchen von etwa Erbsengröße, trocknen es an der Flamme mittels einer Nadel erst etwas aus, stecken es in den Pfeifenkopf, zünden die Masse an und ziehen den Rauch in wenigen, aber tiefen Zügen bis in die Lungen ein. Die Anzahl der Pfeifen, deren ein Raucher nötig hat, um sich in den gewünschten Zustand von Wohlbehagen zu versetzen, ist nach dem Grade der Angewöhnung sehr verschieden; ein Chinese, der dreißig bis vierzig Pfeifen am Tage raucht, wird noch als mäßiger Raucher angesehen.

Die Chinesen sind tüchtige Handwerker, die besonders auf dem Gebiete der Seidenindustrie, sowie der Herstellung von ausgelegten Gegenständen, Bronzen, feinem Porzellan, Papier, Lackarbeiten und Schnitzereien Vorzügliches und direkt Künstlerisches leisten. Auch in der Industrie zeigt sich wieder das Festhalten am Althergebrachten, denn die Herstellungsmethoden sind zumeist noch sehr primitive. — Von der Landwirtschaft der Chinesen war bereits oben die Rede. Sie geben sich auch mit der Züchtung bizarrer Zwergbäume ab, die in Blumentöpfen weiter gedeihen. Interessant ist das Fangen der Fische mittels abgerichteter Kormorane vom Boot aus ([Abb. 484]).

Phot. N. P. Edwards, Littlehampton.