Abb. 495. Ein Pavillon mit Papiergeld;
er enthält in seinem Innern auch eine Tafel mit Inschriften, die die Titel und den Rang des Verstorbenen anzeigen.
Auch die männliche Prostitution ist in China in solchem Maße verbreitet wie wohl nirgends auf der Welt; besonders sollen die nördlichen Provinzen und das Küstengebiet ein wahres Eldorado für die Homosexualität abgeben. Diese männlichen Liebesdiener setzen sich hier größtenteils aus jungen Männern zusammen, die von früher Jugend an, ähnlich wie ihre weiblichen Kolleginnen, besonders für diesen Zweck vorbereitet werden; es sind die sogenannten Sian-Kôn. Im Alter von vier bis fünf Jahren werden sie ihren Eltern abgekauft, auch wohl geraubt und in besonderen Lusthäusern auferzogen. Hier erfahren sie eine besondere Pflege, um eine schöne Körperform zu erhalten, und werden für ihren zukünftigen Beruf noch besonders geschult. Diese Sian-Kôn finden in ihrer Blütezeit dann ihren Liebhaber, der sie aushält; andere richten sich selbständig ein, wohnen in Bordellen und empfangen hier den Besuch ihrer Verehrer geradeso wie die Freudenmädchen. Neben dieser gleichsam organisierten Prostitution gibt es noch die freie, die Gelegenheitsprostitution; es gehören ihr zumeist Schauspieler, Lastträger, Wagenschieber, Straßenbummler und ausgediente, ihres Jugendreizes verlustig gegangene Männer der ersten Gruppe an. Ein besonders starkes Kontingent stellen dazu die Schauspieler; das Theater in Peking ist gewissermaßen der Nährboden für sie, wo sie sowohl auf der Bühne als auch im Zuschauerraum sich besonders breit machen und sich nicht selten der Gunst reicher Chinesen erfreuen. „Der Saal, das Parterre, die Logen sind mit einer Schar junger Leute angefüllt von oft weiblichem Gang, aber in männlicher Kleidung aus Stoffen von glänzenden Farben und feinstem Gewebe; sie gehen von Tisch zu Tisch, spenden ein Lächeln hierhin, geben einen Wink dorthin, nehmen von diesem einen Leckerbissen, von anderen einen Scherz zweifelhaften Charakters entgegen und lassen sich schließlich an einem Tische bei Leuten nieder, denen sie bekannt sind, oder welche ihnen den Eindruck des Reichtums erwecken“ — alles dieses, wie wir es an unseren Prostituierten in bestimmten Lokalen beobachten.
Totenzeremonie der Chinesen in Tientsin.
Ein großer Drache wird von Männern in Schlangenlinien durch den Ort bewegt; ein Chinese mit einer goldenen Kugel auf einer Stange, die die Sonne darstellen soll, und die der Drache zu verschlingen versucht, läuft ihm voran, zwei andere Personen greifen ihn mit Messern von der Seite an. Die ganze Prozession zieht auf einem großen offenen Platz umher, von kleineren Drachen und einer Musikkapelle begleitet, die die Totengeister verjagen soll.
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GRÖSSERES BILD
Phot. F. W. Carey.
Abb. 496. Chinesischer Leichenzug,