Aus: Parkinson, Dreißig Jahre in der Südsee.

Abb. 84. Verunstaltung des Kopfes auf Neupommern.

Mannigfache Gebräuche knüpfen sich auch an die wichtigsten Momente im Leben der heranwachsenden Jugend. Im Innern von Neupommern gibt das Anlegen der ersten Kleidung eines Erstgeborenen Anlaß zu einem Schmaus. Dem Kinde werden die Kopfhaare so abrasiert, daß nur eine Haarkrone stehen bleibt; es wird festlich geputzt und dann zur Bewunderung vor die Festteilnehmer gesetzt. Ist es ein Knabe, so bleibt er so lange unbekleidet, bis ein naher Verwandter ihm ein Lendentuch bringt, seine Hüften damit reibt, eine Zauberformel dazu spricht und das Tuch schließlich am Körper befestigt; darauf findet ein Maskentanz statt und der Knabe wird in gewisse Geheimnisse eingeweiht, die er nicht verraten darf. Als Zeichen der Bestrafung für die Übertretung des Verbots wird vor seinen Augen ein Mann geschlagen. Man schlägt den Knaben auch wohl auf die Beine, damit er schnell laufe, und auf den Mund, damit er eine kühne Sprache führe. Bei den Roro und Mekeo (Neuguinea) wird der Knabe, nachdem die Verwandten mütterlicherseits ein vom Vater geschenktes Schwein verzehrt haben, in das Haus seines Onkels geschickt, der ihm in Abwesenheit der väterlichen Verwandten, denen es verboten ist, hierbei zuzusehen, den Schamgurt umlegt. An allen diesen und ähnlichen Zeremonien nehmen die männlichen Verwandten der Mutter des Knaben den Hauptanteil, während die Tätigkeit des Vaters sich meistens auf die Bewirtung und Beschenkung der Gäste beschränkt. Es hängt diese Eigentümlichkeit mit dem Begriff über die Abstammung in mütterlicher Linie, welcher der natürlichen Auffassung der Blutsverwandtschaft entspricht und noch vielfach in Melanesien verbreitet ist, zusammen. Dieser Auffassung zufolge gehört das Kind der Sippe seiner Mutter an und steht mit deren Angehörigen in näherer Verwandtschaft, als mit der des Vaters, da man bei der ursprünglichen allgemeinen Vermischung nie wissen konnte, wer der richtige Vater war. Die Verwandten der Mutter sind daher auch an vielen Orten in höherem Grade für die Erziehung des Kindes verantwortlich als die eigentlichen Familienangehörigen in unserem Sinne. Ähnlichen Zeremonien beim Anlegen der ersten Kleidung begegnen wir verschiedentlich. Bei den Mafulu, die damit eine große Schmauserei verbinden ([Abb. 94]), besteht noch eine eigenartige Zeremonie, deren Vollziehung dem Knaben das Recht verleiht, in das Dorfklubhaus einzutreten und hier zu wohnen. Das festlich geschmückte Kind muß hierbei auf einem geschlachteten Schwein stehen, es wird dann von dem Eingeborenen, der das Schwein brachte, sofort wieder fortgenommen und in eiligem Lauf zum Klubhaus an dem einen Ende des Dorfes getragen, auf dessen Plattform zwei Reihen Männer sitzen; der Knabe wandert nun von einer Hand in die andere und wird darauf dem Überbringer zurückgegeben, der mit ihm zum Klubhaus am entgegengesetzten Ende des Dorfes eilt, wo mit dem Kinde dasselbe vorgenommen wird. Schließlich trägt der Mann es zu seinen Eltern zurück.

Abb. 85. Kinderwiege aus Neukaledonien.

Phot. Underwood & Underwood.

Abb. 86. Baumhaus in Melanesien.

Diese Häuser werden in den Kriegen vielfach als Festungen und Zufluchtsorte gebraucht. Sie dienen außerdem zur Aufbewahrung von allerhand Kriegsgeräten.