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GRÖSSERES BILD
Wir schließen die Hochzeitszeremonien mit der Schilderung eines solchen Festes, das in einem Dorfe von Holländisch-Neuguinea vor sich ging. Es begann am Abend vorher mit dem Jammern der Frauen, die der Braut das Geleite aus ihrem Dorfe in das ihres Bräutigams gegeben hatten und nun den Verlust beklagten. Diese Klagen glichen vollkommen einem Klagelied bei einem Begräbnis. Jede Strophe setzte laut und in hoher Tonlage ein, ließ dann an Stärke nach und endete mit tiefen gedämpften Tönen. Die Stimmenzahl mehrte sich allmählich während der ganzen Nacht, und bis drei Uhr morgens war die Luft von den schrillen Tönen erfüllt. Bei Tagesanbruch, als die Braut sich fertig machte, um sich dem Brautzug anzuschließen, stieg der Lärm aufs höchste. Kaum war die Sonne aufgegangen, so setzte sich der Zug unter großem Andrang in Bewegung. Voran ging die mit Blumen und Schmucksachen im Haar reich gezierte und mit einem langen weißen Rindenrocke bekleidete Braut; sie hielt die Augen geschlossen und die Arme nach oben und etwas nach vorn ausgebreitet; an jeder Seite von ihr ging ein alter Mann, der sie am Oberarm zu führen schien, hinter ihnen folgten unter Wehklagen die Frauen ihres eigenen Dorfes, nach denen die Frauen aus dem Dorfe des Bräutigams kamen. Der Zug bewegte sich durch das Dorfgemeindehaus, dessen Fußboden ungefähr einen Meter höher lag als der Erdboden; die Braut mußte sich dabei vorwärts tasten, als sie den hinaufführenden schmalen Balken hinanschritt. Die Männer saßen umher und kümmerten sich anscheinend nicht um diesen Zug, an dem fast nur Frauen teilnahmen. Vor dem Hause des Häuptlings, dessen Sohn die Hochzeit feierte, gingen die Teilnehmer des Zuges auseinander; von weiteren Festlichkeiten merkte der Berichterstatter nichts.
Phot. E. v. Hesse-Wartegg.
Abb. 120. Papua beim Anfertigen von Armspangen.
Phot. H. M. Dauncey.
Abb. 121. Cuscusspiel der Rorokinder,
bei dem die Bewegungen eines Cuscus, eines unseren Eichhörnchen ähnlichen Tieres, an einem Baumstamme nachgeahmt werden.