Aus: Meyer-Parkinson, Papuatypen.
Abb. 124. Ein jungvermähltes Paar von Siar mit sorgfältig frisiertem Haar.
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GRÖSSERES BILD
Die Ehe des Melanesiers ist zumeist ein lockeres Band, sie kann daher leicht gelöst werden. Von dieser Vergünstigung macht er auch reichlich Gebrauch. Wenn ein Mann seiner Frau überdrüssig geworden ist oder eine andere haben will, schickt er sie einfach fort, und umgekehrt, wenn einer Frau das Leben an der Seite ihres Mannes nicht mehr behagt oder sie einen Liebhaber vorzieht, läuft sie ihrem Mann davon. Solche ehelichen Zwistigkeiten sind schuld an vielen Kämpfen und Morden zwischen den einzelnen Eingeborenen sowohl wie zwischen den Stämmen, die eine Beleidigung eines ihrer Mitglieder als eine solche des ganzen Stammes auffassen und dann ihre Rache nicht nur an dem wirklichen Missetäter auslassen, sondern auch an dessen Familie und Sippe. Der Mann, der mit eines anderen Frau durchgegangen ist, wird meistens von dem betrogenen Ehemanne getötet. Es kommt aber auch gelegentlich eine friedliche Beilegung der Angelegenheit vor. Der betrogene Gatte fordert von der Familie der Frau einfach den Kaufpreis zurück, den er für sie gezahlt hat; wird ihm dieser verweigert, dann kommt es natürlich zu einem Streit. Bei den Bainingern versucht ein einflußreicher Mann, falls beide Parteien aus dem gleichen Dorfe stammen, einen Vergleich dahingehend, daß jeder Teil dem anderen einige Schläge verabfolgt. Nach dem Tode des Mannes kehrt die Frau häufig, zumal wenn sie keine oder nur kleine Kinder hat, in die Wohnung ihrer Eltern zurück, manchmal heiratet sie, wie wir oben sahen, auch den Bruder des Verstorbenen.
Phot. Rev. G. Brown.
Abb. 125. Musikinstrument aus Neumecklenburg,
auf dem die Eingeborenen durch Streichen mit der flachen Hand melodische Töne hervorbringen.
Phot. H. M. Dauncey.