die zum Gesang der Männer bei einer Festlichkeit mit ihren Händen den Takt schlagen.

Der eigentliche Schmuck besteht aus Schnüren aus Menschenhaar oder Pelzstückchen um den Hals oder Oberarm. Sehr beliebt ist in vielen Gegenden ein Putz aus den Schwänzen kleiner Tiere; nicht minder verbreitet sind Perlmuscheln, Tierzähne, Krebsschalen, Rohrstengel, geflochtene Grasreifen und ähnliches mehr. Besonders das männliche Geschlecht bevorzugt den Schmuck. Zum Verzieren des Körpers zählen auch die Hautbemalung in den Farben Schwarz, Weiß, Rot, auf die wir gelegentlich der Schilderung der verschiedenen Festlichkeiten noch zurückkommen, das Färben der Haarkrone mit Erde und das Erzeugen von Narbenwülsten auf Brust und Rücken; das letztere ist eine bei beiden Geschlechtern weit verbreitete Sitte ([Abb. 191] und [193]). Diese Narben, die aus Einritzungen der Haut mittels Steinmesser oder einfacher Steinsplitter hervorgehen, sind meistens quer verlaufende, reliefartig hervortretende Stränge, die nicht nur zur Verschönerung dienen, sondern auch Alters- und Rangabzeichen darstellen, sowie den Schmerz über den Tod eines Angehörigen andeuten sollen. Viele Stämme Australiens betreiben noch andere körperliche Verunstaltungen, die ähnliche Bedeutungen haben, wie das Durchbohren der Nasenscheidewand und Ausschlagen eines Vorderzahns ([Abb. 204]). Eine unter den australischen Stämmen sehr verbreitete, ganz sonderbare Unsitte ist das Aufschlitzen der männlichen Harnröhre (von den Zentralaustraliern mika genannt), deren Zweck uns unbekannt ist. Früher glaubte man in diesem operativen Eingriff eine antikonzeptionelle Präventivmaßregel erblicken zu dürfen, indessen sprechen verschiedene Gründe (relative Unwirksamkeit, Unwissenheit der Australier über die Bedeutung dieser Verstümmlung, Unkenntnis des Vorganges der Konzeption) gegen eine solche Auslegung. Neuerdings glaubt man, dieser seltsamen Prozedur homosexuelle Bedeutung beilegen zu sollen. Der Geschlechtstrieb der Australier ist ein ziemlich reger, zumal die Kinder in ganz frühen Jahren von den Eltern in die Geheimnisse des geschlechtlichen Lebens eingeweiht werden. Die Mädchen verlieren ihre Reinheit schon, sobald sich der Fortpflanzungstrieb einstellt, was bereits um das achte bis zwölfte Lebensjahr der Fall ist; sie geben sich dann etwas älteren Knaben preis. Das weibliche Geschlecht soll besonders wollüstig veranlagt sein. Trotzdem gehen die Australier nicht wahllos Verbindungen miteinander ein, sondern ihr Geschlechtstrieb scheint im großen und ganzen auf eine bestimmte Person gerichtet zu sein. Die strengen Vorschriften bei Eingehen der Ehe regeln außerdem den geschlechtlichen Verkehr. Nur gelegentlich der großen Korroborietänze, die vielfach unter obszönen Bewegungen getanzt werden, herrscht bei manchen Stämmen allgemeine geschlechtliche Vermischung.

Aus: Spencer & Gillen, Central-Australia.

Abb. 194. Australierin vor einem Steine,

der als der Sitz von Kindergeistern gilt.

Phot. Kerry & Co.

Abb. 195. Szene aus einer Borazeremonie (Ostaustralien).

Die einzuführenden Jünglinge müssen eine Anzahl Pantomimen mitmachen, die ihnen die Männer nachher erklären.