Sie stellen vor (linke Reihe von oben nach unten:) zwei Männer, die ein Tal hinabsteigen; zwei Ratten nebeneinander; vier in einer Reihe gehende Knaben, die sich die Hände reichen; einen laufenden Emu; eine Fledermaus; zwei ruhende Kakadu; (mittlere Reihe:) einen Kasuar; ein Krokodil; einen Mann, der auf einen Baum klettert; eine Schildkröte; (rechte Reihe:) eine Schildkröte; zwei weiße Kraniche; zwei mit Stöcken fechtende Frauen; eine fliegende Ente; zwei Fische; ein Känguruh.


GRÖSSERES BILD

Phot. Kerry & Co.

Abb. 198. Szene aus einer Borazeremonie.

Die Medizinmänner des Stammes führen eine Reihe von Handlungen, die nur in Kunstgriffen bestehen, aus, um die Knaben in dem Glauben, daß sie zaubern können, zu bestärken.

Über die Geburt der Australierin habe ich nichts Näheres in Erfahrung bringen können. Die Abnabelung wird mittels Muschel, Känguruhknochen, Stein oder Obsidianmesser vorgenommen und gibt verschiedentlich Anlaß zu bestimmten Zeremonien. Bei den Narrinjeri bewahrt der Vater die Nabelschnur sorgfältig in einem Bündel Federn auf. Übergibt er dieses Bündel dem Vater eines Kindes aus einem anderen Stamme, dann werden beide Kinder Ngia Ngiampe, das heißt sie dürfen, solange die Nabelschnur nicht wieder zurückgegeben ist, miteinander nicht nur nicht sprechen, sondern sich auch nicht berühren oder überhaupt nahekommen. Nach der Rückgabe des Büschels erlischt diese Vereinbarung. Über ihren Zweck sich näher auszulassen, würde zu weit führen. — Wirft bei den Westaustraliern die Mutter die Nabelschnur ins Wasser, dann wird der Sohn später ein guter Schwimmer. Die Kaitisch (Zentralaustralien) wickeln den Nabelstrang in Pelzstreifen und binden diese dem Kinde um den Hals. Die Warrunga, die ähnlich damit verfahren, überreichen sie, falls es sich um ein Mädchen handelt, das der Oheim mütterlicherseits verheiraten muß, später diesem, der sie eine Zeitlang in seinem Armband trägt und dem Vater des Kindes Waffen schenkt; er darf aber das Kind selbst nicht eher sehen, als bis es laufen kann. Sobald dieser Zeitpunkt gekommen ist, erhält er vom Vater Pelzstreifen übersandt, kommt ins Lager, sieht sich das Kind an und bringt dem Vater Geschenke mit. Den Nabelschnurrest legt er in einen hohlen Baum, dessen Ort er niemanden verrät. Bei den Kaitisch müssen der Vater und die Großeltern mütterlicherseits während der Entbindung im Busch sich aufhalten; bei der Rückkehr bringt der Großvater einen Strauß mit und berührt mit ihm das Haupt der Wöchnerin, die darauf ihr Kind in einem hölzernen Gefäß, das als Wiege dient, in die Höhe hebt und es der Großmutter reicht. Diese reibt das Kind an ihrem Magen herum und wirft es mehrere Male in die Höhe, dann umarmt sie es von rückwärts. Der Vater wärmt bei seiner Rückkehr einen Speer über dem Feuer und läßt ihn über dem Neugeborenen hin und her gleiten. Darauf zeichnet er dem Kinde einen schwarzen Kreis um die Augen und den Nabel und gibt es der Mutter zurück. — Die Namengebung findet bei einigen Stämmen sogleich nach der Geburt, bei anderen erst nach Wochen statt. Die Bewohner des unteren Murray halten es für unheilbringend, dem Kinde einen Namen zu geben, ehe es gehen kann. In noch anderen Gegenden erfolgt eine zweite Namengebung, zum Beispiel im Knabenalter. In Westaustralien tauscht man seinen Namen als Zeichen der Freundschaft aus. Bei den Muralug (Kap York) wird in Gegenwart aller Verwandten bei der Namengebung eine Festlichkeit veranstaltet, der Vater aber darf dabei nicht anwesend sein. Die Mutter hält das Kind über einen Karamubusch und fleht den Segen der Götter auf das Neugeborene herab.

Phot. Kerry & Co.

Abb. 199. Szene aus der Borazeremonie der Stämme Ostaustraliens.