Abb. 214. Eine Bhilfrau (Westliches Indien).


GRÖSSERES BILD

Das gleiche gilt für ihre kulturellen Verhältnisse, die verschiedentlich noch ursprüngliche sind, aber anderseits auch schon wieder hindostanischen Einfluß erkennen lassen. Die Kleidung der Leute ist vielfach noch primitiv; die Männer begnügen sich mit einem Gürtel, die Frauen mit einem Lendentuch, die Kinder gehen ganz nackt. Die Juang haben ihren zweiten Namen, Patua, daher erhalten, daß sie um die Hüften einen Gurt trugen, von dem Blätter herabhingen, denn Patua heißt Blätterträger. Auch die Hütten dieser Stämme sind sehr primitiv, ebenso ihre Lebensweise; bis vor kurzem lebten sie noch in der Steinzeit. Ihre Beschäftigung besteht zum Teil im Umherstreifen durch die Wälder ([Abb. 220]), zum Teil — dort, wo sie bereits unterworfen worden sind — in der Verrichtung niederer Arbeiten, Handwerke oder Gewerbe; im allgemeinen spielen sie die Rolle der Unterdrückten. — Vielfach begegnen wir im Handwerk hier noch ganz ursprünglichen Arbeitsweisen. So benutzt man zum Überqueren der reißenden Gebirgsflüsse noch Flöße aus aufgeblasenen Ziegenfellen ([Abb. 219]).

Wie schon erwähnt, sind zu ihnen bereits arische Anschauungen durchgedrungen, besonders durch die herumziehenden Mönche und andere Asketen, die wir oben kennen gelernt haben. Diese bekehren die Leute oft genug zur Religion der Hindu und machen sie somit der indischen Kultur zugänglich. Die Religion der Wildstämme besteht in dem schon von anderen primitiven Stämmen her bekannten Animismus, der die ganze Umgebung von Geistern bewohnt sein läßt. Große Verehrung und Achtung bringen sie vor allem den Tieren entgegen, von denen sie glauben, daß sie stimmbegabt sind, eigene Königreiche unter besonderen Fürsten besitzen und sich in Menschen verwandeln können, wie sie anderseits auch behaupten, daß ein Zauberer die Gestalt von Tieren, im besonderen von Tigern, annehmen kann. Wie anderwärts geht auch ihr Bestreben darauf hinaus, die Geister der Verstorbenen, deren Wohnsitze sie in Steine oder rohe Götzenfiguren verlegen, bei guter Laune zu erhalten; sie bringen ihnen von Zeit zu Zeit Opfer von Speisen und Getränken dar ([Abb. 221] bis [226]). Andere Stämme haben noch ihre besondere Orts- oder Dorfgottheit, deren Macht, wie sie annehmen, auf ein bestimmtes Gebiet beschränkt ist. Man denkt sie sich in einem Steinhaufen verkörpert, der unter einem heiligen Baume in der betreffenden Niederlassung errichtet wird. Bei den Saat- und Erntefesten wird die sinnbildliche Hochzeit dieser Götter, die man sich meistens paarweise denkt, gefeiert, um dadurch die Fruchtbarkeit der Äcker zu steigern. Eine andere Geistergruppe umfaßt solche, die epidemische Krankheiten, wie Pest, Cholera, Pocken, beseitigen oder sie auch herbeiführen können ([Abb. 227]). Zeigen sich solche Krankheiten in einem Dorfe, so bringt man diesen Gottheiten ein Opfer in Gestalt von jungen Hühnern und Ziegen dar, deren Fleisch nach Beendigung der Zeremonie verzehrt wird, oder man entfernt einfach den Stein oder den Götzen, dem man die Schuld der Krankheit zuschreibt, aus der Umgebung des Dorfes und bringt ihn in eine andere Niederlassung, wodurch nun auch die Krankheit sich dorthin zieht. Noch niedriger stehende Stämme bemalen lediglich den Kopf eines jungen Huhnes mit Mennige und treiben es gleichsam als Sündenbock mit der Krankheit über die Dorfgrenze.

Phot. Vividhakala Mandir.

Abb. 215. Eine Gruppe von Dhodia,

den typischen Waldbewohnern Zentralindiens. Die Weiber sind mit schweren Arm- und Knöchelbändern sowie mit Amuletten um den Hals geschmückt.

Phot. Wiele & Klein.