Abb. 216. Ein weiblicher Kuli niederer Kaste von Benares (Tagarbeiterin),
die ihr Kind mittels zweier Stäbe gehen lehrt.
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GRÖSSERES BILD
Phot. Sohanlal Bros.
Abb. 217. Tschambafrauen in Festtracht.
Ihr Halsschmuck besteht aus grob zugeschnittenen Steinen und enthält silberne Behälter mit Amuletten; in der Nase tragen sie große Ringe.
Zwei Klassen von Menschen stehen bei den Wildstämmen in dem Rufe, die Macht über die übelwollenden Geister zu besitzen, die Dakin oder Hexe, die die Geister dazu zu bestimmen weiß, daß sie Unheil senden, und der Bhagat oder Zauberpriester, der sie wieder austreibt. Die erstere, zumeist ein altes häßliches Weib, macht sich den bösen Geist zu eigen und veranlaßt ihn, Krankheit über die Menschen zu bringen, denen sie nicht wohl gesinnt ist. Sie erreicht dies dadurch, daß sie sich eine Haarlocke oder einen Nagelabfall ihres Opfers verschafft, einen Zauber darüber spricht und so den Geist zwingt, seinen Einfluß auf den Träger dieser Gegenstände auszuüben. Die Dakin verkörpert somit die Macht der Finsternis. Hingegen übt der Bhagat die weiße Magie aus; er wird von dem Geist besessen, rast, tobt und bezeichnet dann jene Dakin, die als die Ursache des Unglücks anzusehen ist, sowie die Art des Opfers, das zur Besänftigung darzubringen ist. Er wirkt auch durch eine Art sympathischen Zaubers; die Nachahmung einer Handlung oder einer Erscheinung verursacht ihr Eintreten. So werden, um das Wetter günstig zu gestalten, im Frühjahr Feuer angezündet — man will damit die zur Ernte erforderliche Hitze herbeiführen; oder bei Trockenheit wird, um Regen zu erzielen, eine Person untergetaucht oder kopfüber mit Wasser begossen, oder ein Wassertier, zum Beispiel ein Frosch, gequält, wodurch der Regengeist veranlaßt werden soll, Regen zu senden ([Abb. 228]). Um ein drohendes Hagelwetter abzuwenden, zerschneidet man einige der Hagelkörner mit einem Messer, damit die anderen erschreckt werden und verschwinden. — Die Furcht vor dem bösen Blick (beim Begegnen alter Leute, häßlicher oder kinderloser Menschen, Krüppel, Blinder und so weiter) ist unter den Wildstämmen sehr verbreitet und wird durch allerlei Zauber und Amulette bekämpft. Auch auf Vorbedeutungen wird viel Wert gelegt. Um Glück zu haben, muß man am Morgen zuerst etwas sehen, das für verheißungsvoll gilt, so zum Beispiel eine Kuh oder ein anderes der Glückstiere, die sich manche Leute im Hause halten, damit nach dem Erwachen ihr erster Blick darauf falle; glückverheißend ist es auch, wenn man am Morgen einem Oberhaupte, einem Brahmanen, einem achtbaren Handwerker mit seinem Handwerkszeug, Personen mit Obst oder Blumen, einer verheirateten Frau mit Kindern und so weiter begegnet; dagegen darf man sich auf Unglück gefaßt machen, wenn man einen nackten Mann, eine blinde oder kahlköpfige Person, einen Menschen in untergeordneter Stellung oder von erniedrigender Beschäftigung, einen, der weint, zankt, hustet oder niest, zuerst antrifft. Wenn man gähnt, kann es passieren, daß einem der böse Geist in den Hals fährt; darum muß man eine Gottheit dabei anrufen oder mit den Fingern knacken. Einmaliges Niesen bedeutet Unheil, beim zweiten Male aber kann man zuversichtlich seine Beschäftigung fortsetzen.
Die Munda kennen ebenfalls eine vielköpfige Götterwelt, in der die Sonnengottheit obenan steht. Furcht vor Zauberei und Hexenkunst spielt bei ihnen ebenfalls eine große Rolle. Haben die üblichen Opfergaben keinen Erfolg, dann wendet man sich an einen Ojha (Zauberer) ([Abb. 229] und [230]), der einen machtvollen Faktor im Dorfleben ausmacht, insofern er alles aufzudecken und alles zu beschwören vermag. Durch ganz sonderbare Mittel stellt er fest, wem die Schuld an einem Unglück zuzuschieben ist. Will der Ojha zum Beispiel herausbekommen, wer ein bestimmtes Zauberwerk angerichtet hat, dann wirft er eine Handvoll Reis auf ein großes Blatt, das auf dem Erdboden ausgebreitet liegt, und bezeichnet im voraus ein bestimmtes Muster, das die hingeworfenen Körner bilden, als dasjenige, bei dessen Entstehen der Name des Schuldigen gerade aufgerufen wird. Früher wurden die auf solche Weise namhaft Gemachten öfters getötet, und selbst in neuerer Zeit soll es noch vorgekommen sein, daß solche Opfer daran glauben mußten.