Phot. George Newnes, Ltd.

Abb. 218. Ein Garoweib

mit einer Menge Ringe (bis zu fünfzig und mehr) in jedem Ohr, von denen jeder öfters vier Zoll Durchmesser hat. Beim Tode ihres Gatten legt die Witwe diesen Ringschmuck bis zur Beendigung der Trauerfeier ab; manchmal legt sie ihn auch nie wieder an.

Ein wichtiger Platz im religiösen und sozialen Leben der Santal ist das Manjhi Than ([Abb. 231]), ein aufgeworfener Erd- oder Lehmhügel mit einem auf Holzpfeilern darüber ruhenden Dach aus Lumpen vor dem Hause des Dorfobersten, des Manjhi, der eine gewichtige Persönlichkeit in allen öffentlichen Angelegenheiten der Gemeinde ist. Diese einfache Hütte wird als der Wohnplatz der Ahnen angesehen; ihr Fußboden, der stets sorgfältig gepflegt wird, weist in der Mitte einen kleinen, rot angemalten Holzblock auf, der Mittelpfeiler trägt außerdem noch ein Tongefäß, in das man Wasser für die Geister zum Trinken gießt, aber nur in der heißen Jahreszeit, da man glaubt, daß sie im Winter nicht durstig sind. Hier, inmitten der gleichsam die Aufsicht führenden Geisterschar, beim Manjhi Than, versammeln sich die alten Männer des Dorfes, um den Spruch des Ojha zu prüfen, wenn jemand im Verdacht der Hexerei steht oder durch den bösen Blick eine geheimnisvolle Krankheit unter dem Vieh verbreitet haben soll, und auf Grund dieser Prüfung wird dann das Urteil über den Übeltäter gefällt. Auch wird hier bei Streitigkeiten Recht gesprochen sowie der Kaufpreis für die Braut festgesetzt, und anderes mehr.

Die Santal neigen sehr zu Festlichkeiten, die fast das ganze Jahr hindurch gefeiert werden. Mit besonderer Freude begeht man das Sohräfest. Hier herrscht allgemeine Ungebundenheit, was von den Leuten mit ihren eigenen Worten deutlich zum Ausdruck gebracht wird: „Jetzt muß man seine Ohren mit Watte verstopfen, damit man nicht merkt, was der Nachbar tut oder sagt.“ Denn beim Sohräfest sind alle Sittengesetze aufgehoben, ein jeder kann tun, was ihm beliebt. Nach Beendigung des Festes kommen die alten Männer wieder zusammen und bringen Opfergaben dar, um das schändliche Betragen während desselben wieder zu sühnen. Einer der wichtigsten Momente beim Sohräfest ist die Glücksprobe, denn von ihrem Ausfall hängt der Erfolg des ganzen Jahres ab ([Abb. 232]). Am Ende der Dorfstraße oder einer schmalen Gasse wird Reis in einem Kreise auf der Erde ausgebreitet und ein Ei sorgfältig in die Mitte gelegt. Während nun die Dorfbewohner herumsitzen, wird alles Vieh aus dem Dorfe gegen den Reishaufen getrieben und darauf geachtet, wessen Tier das Ei in der Mitte zertritt; seinem Besitzer wird dann für das ganze Jahr Glück beschert sein.

Phot. Underwood & Underwood.

Abb. 219. Fellfloß auf dem Sutlej, das gerade aufgeblasen wird.

Phot. F. B. Bradley-Birt.