Abb. 220. Tigerfang bei den Ho.
Beim Betreten eines bestimmten Pfades, den der Tiger zu gehen pflegt, wird er in eine Schnur verwickelt und dadurch der Mechanismus eines in bestimmter Entfernung aufgestellten Bogens ausgelöst, der den Pfeil selbsttätig auf das Tier schießt.
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GRÖSSERES BILD
Ein anderes wichtiges Fest ist das Rath Jatra zu Puri ([Abb. 233] und [234]), zu dem jedesmal viele Tausende von Pilgern herbeiströmen, um sich an dem Vorwärtsschieben des mächtigen, aus mehreren Stockwerken aufgebauten Prunkwagens, in dem die Götter zum Tempel gebracht werden, zu beteiligen und hier zu beten. Tausende von Andächtigen kämpfen hier um die Ehre, die Seile zu erfassen und auf ein gegebenes Zeichen anzuziehen, bis der plumpe Wagen in Bewegung gerät. Ein allgemeines Gedränge und Stoßen entsteht, da jedermann selbst Hand anlegen oder wenigstens mit zusehen will, ein Hin- und Herwogen der Volksmassen, von dem man sich kaum eine Vorstellung machen kann. Als ein besonderes Glück wird es von den Gläubigen angesehen, wenn sie ihren Tod unter den Rädern des Wagens finden, denn dann erreichen sie bei ihrem nächsten Dasein eine höhere Lebensstufe. Aus diesem Grunde begehen Fanatiker oft genug Selbstmord, indem sie sich absichtlich überfahren lassen. Nach zehn Tagen werden die Götter aus dem Tempel wieder in ihre Verborgenheit zurückgebracht.
Zu Nangalbandh strömen an einem bestimmten Tage, an dem sich alle Tugenden der Welt hier im Brahmaputra vereinigen sollen, unzählige Pilger zusammen, um sich ihre Sünden in seinem Wasser abzuwaschen ([Abb. 212] und [235]).
Phot. W. Crooke.
Abb. 221. Ein Götterschrein in einem Dorfe.
Auf einem Haufen Erde im Innern, der den Altar vorstellt, bringen die Bauern ihrer örtlichen Gottheit Gaben in Gestalt von Korn, Milch, Blumen, und in ernsten Zeiten eine junge Ziege dar.
Ein ganz eigenartiges „Familienfest“ der Santal besteht darin, daß sich einmal im Jahre die ganze Familie in ihrem eigenen Hause einschließt, jeder einzelne sich die Ohren mit Watte verstopft, so daß kein Laut zu ihm dringen kann, und auf ein gegebenes Zeichen alle, Vater, Mutter, Söhne, Töchter, Schwestern, Vettern, Onkel und Tanten, einander die größten und gemeinsten Schimpfworte zurufen, die ihre Erfindungskraft nur aufzubringen vermag. Keines vermag natürlich zu verstehen, was das andere sagt. Man schreit so laut und so lange, bis man vor Erschöpfung anhalten muß. Über den Ursprung dieser sonderbaren Gewohnheit, die bereits auf ein hohes Alter zurückblicken soll, vermögen die Santal nichts Näheres anzugeben.