Phot. Yei Ozaki.

Abb. 16. Wie man im Innern von Japan reist.

Man wird von zwei Leuten auf deren Schultern in einem „Kago“ getragen. Die Träger sind mit einer blauen, mit weißen oder roten Mustern bestickten Livree bekleidet. Sie laufen am Tage dreißig bis vierzig Kilometer.

Die Nationalreligion der Japaner ist der Shintoismus ([Abb. 21] und [24]), „der Pfad der (einheimischen) Götter“, ein Name, der diesen Kultus von dem im sechsten Jahrhundert nach Christus eingeführten Buddhismus (Butsu-do = „Weg des Buddha“) unterscheiden soll. Infolge der anderthalbtausend Jahre, während deren der Buddhismus ([Abb. 23]) mit dieser primitiven Naturreligion zusammen ausgeübt wird, hat er manches von dieser angenommen. Die Hunderte von Gottheiten umfassende Götterwelt des Shinto kannte nicht nur die Naturgötter der Bäume, Felsen, Berge, des Windes, des Meeres, der Sonne, des Mondes, des Donners und Feuers, sondern auch solche Gottheiten, die um das Wohl des Hausstandes besorgt sind, wie einen Gott des Brunnens, des großen Kessels, der Badestube und sogar der Bratpfanne; auch berühmte Helden und Vorfahren wurden in diese Götterwelt versetzt. Man nimmt an, daß der Shintoismus sich selbständig aus dem japanischen Gedanken entwickelt hat, den die Vorfahren bereits nach dem Insellande mitbrachten, und daß der Ahnenkultus, der jetzt seinen Grundzug vorstellt, aus den alten Begräbnisgebräuchen hervorgegangen ist. Nach der Shintolehre formten zwei hohe Wesen, Izanagi und Izanami, die japanischen Inseln und erzeugten eine Anzahl himmlischer und irdischer Gottheiten, deren bedeutendste die Sonnengöttin Amaterasu war. Einer ihrer Nachkommen wurde der erste Mikado, daher sind alle japanischen Kaiser göttlicher Abstammung und gleichzeitig Hohepriester des Volkes. Der Shintoismus hat niemals ein festes Glaubensbekenntnis formuliert, noch bestimmte Gebote aufgestellt. Er lehrte nur, daß der Mensch mit der Erkenntnis dessen, was gut und böse ist, im Herzen geboren werde und daß er, wenn er der Eingebung dieses seines himmlischen Gewissens folge, von dem „Pfad der Götter“ niemals abweichen könne. Er predigte auch den Glauben an die Unsterblichkeit der Seele, ein Fortleben nach dem Tode in einer unsichtbaren Welt. Er unterscheidet sich ferner von anderen Glaubensbekenntnissen des Ostens durch die hohe Stellung, die er der Frau einräumt. Die in Ise, dem Hauptverehrungsorte, angebeteten Gottheiten sind weiblich, die Göttin der Sonne und die der Nahrung, und ein jeder Ortstempel hält sich jungfräuliche Priesterinnen, die zu Ehren der Gottheit tanzen ([Abb. 25]). Erst durch die Einführung des Konfuzianismus und Buddhismus ist die Stellung der Frau herabgesetzt worden.

Phot. Gebr. Haeckel.

Abb. 17. Junge Japanerin im Arbeitskostüm.

Phot. Gebr. Haeckel.