Phot. F. B. Bradley-Birt.

Abb. 226. Ein Hindupriester beim Opfern einer Ziege.

Im Hintergrunde steht in seiner Farben- und Flitterpracht ein Bildnis des Mahadeo.

Bei der Geburt werden ebenfalls mancherlei Schutzmittel gegen die bösen Geister angewendet. So wird Eisen, das besonders wirksam ist, in Form eines Messers oder Zinken ans Bett der Gebärenden gelegt. Man kann den Geist auch in eine Falle locken, wenn man ein Netz über die Tür des Zimmers hängt, in dem sie liegt. Feuer wirkt ebenfalls als Läuterungs- und Schutzmittel; daher wird es stets, auch beim heißesten Wetter, unterhalten. — Nach der Geburt bestreicht man dem Kinde die Augenlider mit Ruß oder Antimon, um durch diese Entstellung des kleinen Wesens die Geister zu täuschen oder es in den Augen derer unansehnlich zu machen, die etwa einen bösen Blick darauf werfen könnten. Die Wöchnerin gilt als unrein und wird, damit Verwandte und Nachbarn nicht durch sie Schaden erleiden, in einem gesonderten Raum oder in einer Hütte im Dschungel untergebracht.

Die Nachgeburt, von der man glaubt, daß sie eng mit dem Kinde verknüpft sei, wird entweder in einem Loch an Ort und Stelle tief vergraben oder verbrannt; auf jeden Fall darf sie keinem Zauberer oder keiner Hexe in die Hände fallen oder von einem wilden Tiere gefressen werden, da dies dem Kinde verhängnisvoll werden könnte. Kein Gegenstand aus der Wochenstube darf in die Hände einer kinderlosen Frau geraten, denn dadurch würde deren Unfruchtbarkeit auf Mutter und Kind übergehen, erstere keine Kinder mehr bekommen und ihre lebenden sterben. — Die Geburt von Zwillingen wird von manchen Stämmen als etwas Unglückbringendes gedeutet. Die wilderen Stämme setzen dieselben daher im Dschungel aus, während die mehr zivilisierten, falls ein Zwilling ein Mädchen ist, es absichtlich vernachlässigen und infolge der mangelhaften Pflege umkommen lassen.

Den altertümlichen Brauch des Männerkindbettes (Couvade) treffen wir verschiedentlich an. Bei den Drawidastämmen des Verwaltungsbezirkes Madras verrichtet der Vater bei der Geburt des Kindes gewisse Handlungen oder simuliert Zustände, die für die Mutter natürlich oder ihr eigentümlich sind; auch enthält er sich für eine gewisse Zeit des Genusses bestimmter Speisen oder der Verrichtung gewisser Handlungen, wie wenn er durch die Geburt körperlich sehr mitgenommen wäre. Im nördlichen Indien treten nur noch vereinzelte Überbleibsel der Couvade in die Erscheinung. Allgemein gesagt, teilt der Mann die Unreinheit seiner Frau und bleibt, wenn das Haus von den anderen Verwandten verlassen worden ist, bei ihr daheim, auch kocht er für sie. Was er unmittelbar vor der Geburt tut, soll auf seine Frau von Einfluß sein. Bei einem Stamme der Korbmacher im westlichen Indien geht die Wöchnerin sofort nach der Geburt an ihre Arbeit, als ob nichts vorgefallen sei, während der Ehemann sich in sein Bett legt und ein paar Tage kräftige (Wöchnerinnen-) Nahrung erhält.

Phot. W. Crooke.

Abb. 227. Die sieben Schreine der Sapta Mata oder sieben Mütter,