von denen jede einzelne auf irgendeine epidemische Krankheit von Einfluß ist und bei Überhandnehmen einer solchen versöhnt wird. Die gefürchtetste von ihnen ist Sihala, die Göttin der Blattern.
Am sechsten Tage nach der Geburt, der für besonders heilig gilt, insofern man annimmt, daß am Abend dieses Tages die betreffende Gottheit erscheine und das Schicksal des Kindes aufzeichne (weshalb manchmal Schreibmaterial zur Benutzung hingelegt wird), pflegt man dem Kinde auch seinen Namen zu geben. Derselbe ist von größter Bedeutung und macht einen Teil seiner Persönlichkeit aus. Damit nicht etwa eine Hexe oder ein Zauberer ihn erfahre, wird er geheim gehalten und ein zweiter dem Kinde beigelegt, mit dem es bei gewöhnlichen Anlässen angeredet wird. Öfters pflegt man ihm direkt Schimpfnamen, wie Unrat, Bettler und so weiter zu geben, einfach zu dem Zweck, daß damit kein übelwollender Mensch seinen bösen Blick auf ein so wertloses Geschöpf werfe.
Phot. George Newnes.
Abb. 228. Regenzauber.
Läßt der Regen nach, dann versammelt sich das Volk und erhebt mit allerlei unharmonischen Musikinstrumenten einen großen Lärm, um den Regengott zu versöhnen.
Für die Knaben besteht keine andere Pubertätszeremonie als die bei den Hindu überhaupt übliche Überreichung der Schnur. Bei den Mädchen aber ist das Erscheinen der ersten Regel ein wichtiges Ereignis. Da sie während dieser Zeit unter dem Einflusse von Geistern stehen und eine Quelle der Ansteckung sind, so darf niemand mit ihnen in Berührung kommen; sie werden daher streng abgesondert. Nach Ablauf der Periode werden sie gebadet, einer Läuterung unterzogen und kehren dann erst wieder in den Schoß ihrer Familie zurück. Auch werden sie um diese Zeit herum einer Tatauierung unterworfen.
Heiraten ist bei den Wildstämmen ein unbedingtes Erfordernis; nur die Krüppel, Gebrechlichen und unheilbaren Kranken machen hiervon eine Ausnahme. Der drawidische Bewerber sieht bei seiner Auserwählten mehr auf Gesundheit und Kraft, als auf Schönheit; er will eine Frau haben, die im Hause und auf dem Felde tüchtig arbeiten kann, das Vieh besorgt, das Korn für den Haushalt mahlt, sowie Früchte und Beeren im Dschungel einsammelt. Für gewöhnlich übt die Hausfrau auch einen ziemlichen Einfluß aus, zumal sich ihr Aufenthalt auf keine Zenana beschränkt. Sie verhüllt ihr Gesicht auch selten in Gegenwart fremder Männer. In der Familie wird wenig unternommen ohne ihre Billigung; im besonderen greift sie in die Heiratsverhandlungen ihrer Kinder tätig ein.
Für die Wahl der Braut ist Gesetz, daß ein Mann innerhalb seines Stammes oder seiner Kaste, aber kein Mädchen aus seinem eigenen Clan oder Unterstamm (Sippe) heiratet. Der soziale Stand bietet wenigstens in der Theorie kein Hindernis bei einer Wechselheirat. Die Heiratsaison ist für gewöhnlich das Frühjahr, denn dann ist das Wetter zum Reisen schön, auf den Feldern gibt es keine dringende Arbeit, und um diese Zeit werden auch die Jahresfeste gefeiert, die die Fruchtbarkeit der Menschen, Tiere und Pflanzen fördern sollen. Bei den bereits durch die Hindureligion beeinflußten Stämmen wählt ein Astrologe, bei den ursprünglichen Gruppen der Dorfoberste den für die Hochzeit günstigsten Tag aus. Um die Unkosten der Hochzeitsfeiern zu ermäßigen, finden diese an manchen Orten an demselben Tage des Jahres statt. Bei den Kunbi im westlichen Indien besteht der merkwürdige Brauch, daß sie nur einmal alle zehn oder zwölf Jahre Heiraten vollziehen und daß der Dorfoberste die Erlaubnis dazu dem Schicksal überläßt. Er fertigt zu diesem Zweck eine Anzahl Papierstreifen an, schreibt auf sie entweder „ja“ oder „nein“ und wirft sie auf einen Haufen vor dem Bildnis der Stammesgöttin. Ein kleines Kind muß darauf eine gewisse Anzahl heraussuchen, und zwar tut es dies dreimal. Wenn sich dann bei der Prüfung herausstellt, daß die Mehrzahl bejahend ausfällt, dann nimmt man an, daß die Göttin dazu ihren Segen erteilt hat.