Phot. F. B. Bradley-Birt.

Abb. 231. Das Manjhi Than, ein wichtiger Platz in einem Santaldorfe.

Bei den Waldstämmen findet zumeist keine weitere Werbung statt, bei den fortgeschritteneren Gruppen dagegen bestehen mancherlei Gebräuche, die indessen von Bezirk zu Bezirk verschieden sind. Meist pflegt sich die Werbung in der Weise abzuspielen, daß eine Deputation von Freunden des Jünglings ausgesandt wird, die durch sorgfältige Beobachtung der vorgeschlagenen Braut feststellen soll, daß sie an keinem körperlichen Gebrechen leidet. Fällt dieser Vorbesuch befriedigend aus und ist damit zusammenhängend der Kaufpreis festgesetzt, dann werden die Betreffenden verlobt. Dessenungeachtet macht sich der Vater der Form wegen noch auf den Weg, die Braut zu suchen, dabei muß er einen kleinen Vogel, Devi genannt, rechts von sich erblicken, um Glück zu haben. Ehe er diesen nicht sieht, bricht er auf keinen Fall auf, selbst wenn er monatelang warten sollte. Hat er seinen Wunsch erreicht, ist die Verlobung also ordnungsgemäß zustande gekommen, dann werden der Vater und die Freunde des Jünglings aufgefordert, bei den Angehörigen der Braut zu speisen. Während der Mahlzeit streuen ihre weiblichen Verwandten Getreidekörner auf die Türschwelle und stürzen sich, sobald der zukünftige Schwiegervater das Haus verlassen will, auf ihn, als ob sie ihn angreifen wollten, er aber eilt auf die Tür zu und gleitet auf den Körnern aus; das letztere wird immer so eingerichtet, daß es eintrifft, da sonst die Ehe keine glückliche sein würde. Bei der Verlobung beschenkt er die Braut mit einer silbernen Halskette und einem goldenen Nasenring, den sie zum Zeichen, daß sie bereits versprochen ist, fortan trägt. Bevor der Hochzeitstag festgesetzt wird, geht man den Astrologen um Rat an; dieser fragt nach den Namen des Paares und berechnet, ob diese mit den Gestirnen eine günstige Vorbedeutung ergeben. Da nun bei ungünstigem Stand der Sterne ein anderer Name in Vorschlag gebracht werden kann — manchmal nacheinander eine ganze Reihe derselben —, so geben manche Leute schon bei der Geburt ihren Kindern zehn bis zwölf Namen.

Phot. F. B. Bradley-Birt.

Abb. 232. Die Glücksprobe beim Sohräfest.

Kurz vor der Hochzeit werden Braut und Bräutigam mit Öl und Safran gesalbt, um dadurch die bösen Geister zu verscheuchen. Bei Anbruch des verabredeten Hochzeitstages begibt sich der Jüngling in Begleitung seiner Freunde bewaffnet auf den Weg zu seiner Braut; er trägt ein besonderes Hochzeitsgewand und ist mit verschiedenen Zaubermitteln und Amuletten, die ihn vor Unheil schützen sollen, ausgerüstet; seine Augen sind mit Antimon oder Ruß gefärbt, auch sein Gesicht bisweilen gänzlich bedeckt oder mit einem Schleier bekleidet. An der Grenze des Dorfes, wo die Braut lebt, wird der Zug von einer Abteilung ihrer Sippenleute empfangen; die Teilnehmer werden noch auf besondere Weise gereinigt, um kein Unheil mitzubringen, und sodann in einer besonderen Hütte außerhalb des Dorfplatzes bewirtet. Zu einer günstigen Stunde wird nun der Bräutigam nach dem Hause seiner Zukünftigen geleitet. An der Haustür begrüßen ihn hier deren Freundinnen mit Speisebrettern voller Getreide und Früchte und mit einer brennenden Lampe. Diese schwingen sie über seinem Kopfe, um noch einmal Unglück abzuwenden, und die alten Frauen der Familie lassen ihre Fingergelenke knacken, wodurch sie das etwa noch vorhandene Unglück auf sich nehmen wollen. Unter Trommelwirbel und den Tönen sonstiger Musik betreten der Bräutigam und seine Schar den Hochzeitspavillon. Ursprünglich war dies ein heiliger Baum, unter dem die Verbindung stattfand. In moderner Form ist daraus eine Art Pavillon geworden, der aus den Zweigen eines solchen Baumes aufgebaut wird; zur Vermeidung von Unglück müssen die Zweige mit besonderer Vorsicht geschnitten werden. Im Innern des Pavillons haben die verheirateten Frauen des Stammes glückbringende Erde zusammengetragen; kinderlose Frauen waren, weil unheilbringend, davon ausgeschlossen. Auf dieser Erde, die oft zu einem primitiven Herde zusammengekehrt ist, wird dann der Hochzeitsschmaus gekocht, oder Braut und Bräutigam setzen sich darauf. Der Familien- oder Stammesgöttin, die man mit Safranstreifen auf die Wand gemalt hat, wird sodann gehuldigt, worauf eine der Schwestern der Braut die Kleider des Paares zusammenknotet. Der Jüngling führt jetzt seine junge Frau noch einigemal um das heilige Feuer im Pavillon herum und streicht ihr Mennige auf den Haarscheitel; ein etwa anwesender Brahmane murmelt inzwischen Gebete und Zauberformeln zur Abwendung von Unheil. Schließlich setzt sich das Paar zusammen hin und ißt gemeinsam aus einer Schüssel; hierdurch soll die Aufnahme der jungen Frau in den Stamm ihres Gatten angedeutet werden. Mancherlei Bräuche sind bei der Hochzeit noch üblich, um die Fruchtbarkeit der jungen Eheleute zu fördern. So füllt man den Schoß der Braut mit Obst oder Getreide, oder läßt sie mit einer Puppe spielen; sie und ihr Mann müssen ein Stück Land pflügen und etwas aussäen, man führt die junge Frau auch abends hinaus, um ihr den Polarstern, das Sinnbild der Beständigkeit, zu zeigen, und anderes mehr.

Phot. Fleet Agency.

Abb. 233. Tempel des Juggernaut zu Puri,