Phot. Yei Ozaki.

Abb. 20. Tatauierter Japaner beim Saketrinken.

Tatauieren ist bei den unteren Schichten Japans sehr verbreitet; besonders sind es die Kuli, die sich diese Körperverzierung anbringen lassen. Die Verzierungen gleichen meist denen eines Gewandes. Die japanischen Tatauierer gelten als die geschicktesten der Erde.


GRÖSSERES BILD

Besonders an den Fuchs knüpft sich eine Unmenge von Aberglauben und Sagen. Diese Vorstellungen scheinen von der ursprünglichen Annahme ausgegangen zu sein, daß Füchse, die in den Reisfeldern gesehen werden, den Reisgeist verkörpern. Allmählich verband sich dieser Aberglaube mit der Verehrung der Shintogöttin des Überflusses zu Ise, und so kommt es, daß heutzutage viele Leute aus dem Volke irrtümlicherweise den Fuchs anbeten, dem sie alle möglichen übernatürlichen Fähigkeiten zuschreiben. Im Winter werden ihm besonders Opfergaben gespendet; man bringt ihm außer seinen Lieblingsleckerbissen noch Fettkerzen und Seidenwatte dar, damit er sich erwärme. Ein weitverbreiteter Aberglaube ist, daß er sich in die Gestalt einer schönen Frau verwandeln könne, um junge Männer zu bezaubern und zu verführen; der Tod ist für diese stets der Ausgang des Liebesabenteuers. Daher gilt der Fuchs auch in gewissem Sinne als Schutzpatron der Teehäuser. Man meint auch, daß ein solcher verwandelter Fuchs eine große Freude daran verspüre, verspätete Wanderer auf falsche Wege oder in Gefahr zu bringen, sowie daß er imstande wäre, den Leuten Visionen von Häusern und Dienern vorzuzaubern und Prozessionen in dünne Luft aufgehen zu lassen. Man erzählt sich Geschichten von Männern, die jahrelang mit verwandelten Füchsen verheiratet waren, ohne dies zu wissen, und daß die Fuchsfrau so lange die Rolle einer liebenden und treuen Gattin spielte, bis sie durch die Geisteraustreibung eines Priesters gezwungen wurde, ihre richtige Gestalt wieder anzunehmen, oder durch den Angriff von Hunden entlarvt wurde, die imstande sind, solche verwandelte Füchse zu unterscheiden. — Der Dachs spielt im japanischen Aberglauben ebenfalls eine wichtige Rolle; er steht hier im Geruche eines listigen Betrügers, der gern auf Kosten des Landvolkes Possen und Schabernack spielt. Den Pferden schneidet er die Schwänze ab, macht, daß man bei der Bezahlung falsches Geld weiter gibt, läßt Fische aus der Bratpfanne verschwinden, Pferde aus verschlossenen Ställen entlaufen und anderes mehr. Der Dachs soll sogar Priester täuschen, indem er vor ihnen die Gestalt Buddhas entstehen läßt und sich in einen Mönch verwandelt, um mit ihnen die heiligen Bücher durchzustudieren. — Von alters her glauben die Japaner auch an die Macht zum Guten beim Hunde. Dieses Tier gilt als besonderer Beschützer der Frauen, kleinen Kinder und Häuser; das Zeichen für Hund wurde den Kindern mit roter Farbe auf die Stirn geschrieben, und heutigentags werden Hundebildnisse dem Kinde, wenn es sich im Tempel vorstellt, mitgegeben. Der Kaiser hielt sich eine besondere Leibwache, deren Pflicht es war, zu bestimmten Zeiten wie Hunde zu bellen, um böse Einflüsse und Teufel zu vertreiben. Schließlich sei noch der Katze gedacht, an die sich ebenfalls allerhand unheimliche Geschichten knüpfen. Von solchen Tieren mit langem Schwanz glaubt man, daß sie im Alter Kobolde werden, weswegen man jungen Kätzchen, die mit einem langen Schwanz zur Welt kommen, diesen kürzt. Der Katzenkobold soll den Menschen stillstehende Spinnräder drehen, ihnen im Schlafe die Decken entfernen, auf dem Fußboden und auf den Dächern nachts unheimliche Lichter tanzen lassen und manchmal sogar zu einem Vampyr werden, in diesem Falle alte Frauen anfallen, sie verschlingen und ihre Gestalt annehmen.

Abb. 21. Japanischer Shintopriester.

Auch alte Bäume sind vielfach von Aberglauben umgeben. Man umzäumt sie oft mit geweihten Strohseilen oder den weißen Papierstreifen des Shinto und stellt winzige Torii und Stein- oder Holzschreine an ihrer Wurzel auf, beziehungsweise legt solche in die Höhlung ihres Stammes. Solche alte ehrwürdige Bäume denkt man sich von Geistern bewohnt und meint, daß die Geister der Pflaumen-, Kirsch- und Weidenbäume die Gestalt lieblicher junger Frauen annähmen. Es gibt hierüber mancherlei Legenden, daß solche weibliche Wesen sich mit guten und heldenhaften Männern ehelich verbunden hätten, auch daß die Baumgeister, weil man ihnen Generationen hindurch Pflege angedeihen ließe, den Schutz über die Familie übernähmen, ihre Mitglieder vor Unheil warnten und ihnen verborgene Schätze offenbarten. Auch einigen Blumen, wie der Päonie, der Lotusblume und der Chrysantheme, spricht man Geister zu. Werden sie von einer Stelle, die ihnen lieb geworden ist, entfernt, dann welken sie und gehen ein; anderseits erweisen sie sich für liebevolle Pflege auch erkenntlich. So erzählt man sich, daß ein Päoniengeist einem alten Gelehrten, der die Pflanze mit großer Geduld und Sorgfalt gepflegt hatte, in seiner Einsamkeit als blühendes junges Mädchen erschienen sei, um ihn aufzuheitern.

Abb. 22. Geishas bei der Toilette.