Abb. 287. Handtrommel eines tibetischen Priesters,

die aus zwei menschlichen Hirnschalen hergestellt ist.

Die übliche Art, sich der Toten zu entledigen, besteht darin, daß man das Fleisch von den Knochen schneidet und es den Hunden oder Geiern zum Fraße vorwirft ([Abb. 292]), eine Unsitte, die gewiß ein uralter Brauch ist und auch noch von den Parsen geübt wird. Von den Geiern verzehrt zu werden, wird besonders hoch eingeschätzt; die Wärter, die sich bemühen, andere aasfressende Tiere fernzuhalten, werden noch besonders dafür belohnt. Die Knochen des seines Fleisches beraubten Toten können wohl begraben werden, aber jede Familie, die es nur ermöglichen kann, läßt die Gebeine ihres lieben Angehörigen zerstoßen und in die Luft als Fraß für die Geier werfen; man hat für dieses Verfahren die schönklingende Bezeichnung „himmlische Erledigung der irdischen Reste“ erfunden. Die Leichen von armen Leuten, Verbrechern oder solchen, die durch einen Unfall ums Leben kamen, sowie von Aussätzigen und manchmal auch von kinderlosen Ehefrauen werden wie tote Tiere an einem Seil an Flüssen oder Seen geschleppt und hineingeworfen.

Die Trauer um Verwandte dauert gewöhnlich drei Monate, aber ein Jahr lang werden noch keine farbigen Kleider und kein Schmuck getragen. Die Jungen werden mehr als die Alten beklagt. Buddhistenpriester werden in häufig wiederkehrenden Zwischenräumen gerufen, um durch Messelesen für den Frieden der Seele des Verstorbenen zu beten und ihr den Weg durch ein Zwischenstadium, eine Art Fegefeuer, zum „Paradies des Westens“ zu verschaffen.

Die Mongolei und Ostturkistan. Die Bevölkerung der Mongolei besteht ausschließlich aus umherziehenden Mongolen; nur in ein paar Städten, wie in der Hauptstadt Urga, und in einigen wenigen Handelszentren haben die Bewohner eine halb städtische Lebensweise angenommen. Die Wohnstätte dieser Nomaden ist die Jurte, ein hölzernes Gestell mit Filzbelag. Dem Eingang gegenüber findet man immer den Heiligenschrein, ein kleines Schränkchen oder eine Schatulle mit dem Götterbildnis oder wenigstens seiner Abbildung auf Papier oder Gewebe, vor dem in einigen Schalen Wasser, Getreidekörner, Käse, Rahm und so weiter dargebracht werden. Zur rechten Seite des Heiligenschreins steht ein breites, niederes Bett mit einer Filzmatratze. Der übrige Haushalt besteht in Lederschläuchen, deren Inhalt Kumys, Sauermilch und Butter bilden, sowie in hölzernen Kasten zur Aufbewahrung des Wirtschaftsgerätes. In der Mitte der Jurte findet sich der Herd, auf dem das Feuer mit Mist unterhalten wird. Dieselbe Hütte dient allen möglichen Zwecken; sie ist zugleich Schlafzimmer, Küche, Eßzimmer und Besuchsalon, selbst Viehstall, denn im Winter wird das Kleinvieh in ihr untergebracht. Infolgedessen herrscht hier eine recht unbehagliche Atmosphäre, in der der Aufenthalt noch schrecklicher durch das in Unmasse herumwimmelnde Ungeziefer, im besonderen Flöhe und Läuse, wird. Um diesem zu entgehen, greifen die Mongolen des Nachts zu folgendem angeblich erprobten Mittel. Alle, Männer und Frauen, legen sich nackend auf Schafpelze oder wollige Felle und decken sich mit diesen auch zu. Läuse besitzen sie in ihren Unterkleidern, die sie niemals wechseln oder waschen, sondern so lange tragen, bis sie ihnen buchstäblich vom Leibe fallen, in solcher Masse, daß sie, wenn sie diese Tiere mit Holzstücken vom Leibe geschabt haben, auf diese Weise ganze Haufen erhalten, die ins Feuer geworfen oder nicht selten auch mit viel Behagen verzehrt werden.

Abb. 288.

Mit Erl. d. Smithsonian Instit.

Abb. 289.