Abb. 317. Persische Tänzer, wie sie sich zu Hochzeiten und anderen Festlichkeiten einfinden.
Ihre Tänze bestehen in Stellungen und Wendungen unter Musikbegleitung.
Iran.
Iran, ein Hochland, das sich als Bindeglied zwischen Türkisch-Vorderasien und Indien hinzieht und in fast allen Richtungen zu der es umgebenden Niederung abfällt, umfaßt die drei Länder Persien, Afghanistan und Beludschistan. Seine Bewohner (Iranier) sind in der Hauptsache arischer, also nordeuropäischer Herkunft, haben sich aber teils mit der vor ihnen ansässigen Urbevölkerung, teils mit später eingewanderten Mongolen mehr oder weniger vermischt. Sprachlich zerfallen die Iranier in die Perser, Afghanen, Beludschen und Kurden; alle diese Völker sprechen indogermanische Dialekte.
Der Grundstock der iranischen Bevölkerung gehört der zentralasiatischen, den Mongolen verwandten Rasse an, die sich durch kleine Gestalt, dunkle Haut und runden Schädel auszeichnet; man trifft sie noch in zusammenhängender Masse an vielen Orten an. Augenscheinlich wurde sie hierhin durch die von Osten her vordringenden langköpfigen und hellfarbigen Angehörigen der nordeuropäischen (arischen) Rasse, die sich mit ihr mehr oder minder vermischten, zurückgedrängt. Ihre Vertreter sind hauptsächlich die Tadschik und die Galtscha. Bekanntlich hat die gleiche Rasse auch an der Zusammensetzung der mitteleuropäischen Bevölkerung, vor allem in den Alpenländern bis nach dem zentralen Hochplateau Frankreichs hin, den Hauptanteil genommen; französische Autoren haben die Tadschik nicht mit Unrecht als die „Savoyarden von Kohistan“ bezeichnet.
Phot. Henri D’Allemagne.
Abb. 318. Islamitischer Perser beim Gebet,
das er fünfmal täglich verrichten muß. Der Muezzin ruft vom Minarett der Moschee die Zeit dazu aus.
Unter der iranischen Bevölkerung nehmen die erste Stelle, sowohl ihrer Zahl als auch ihrer Kultur und weltgeschichtlichen Bedeutung nach, die Perser ein. Sie sind die allerdings mit mongolischen Elementen durchsetzten Nachkommen der alten Perser der Geschichte und dürfen als die verhältnismäßig reinsten Vertreter des arischen Typus angesehen werden. Ihre äußere Erscheinung ist gekennzeichnet durch hohe Statur, schönen Wuchs mit schlanken Gliedmaßen, schlichtes dunkles Haar, dunklen Teint (heller Milchkaffee), länglichen Schädel, ovales Gesicht, große, hellbraune Augen, edelgeformte, gerade oder leicht gebogene Nase, dünne Lippen und schmales Kinn. In zweiter Linie kommen die Afghanen oder Paschtu; auch sie sind Vertreter des indoeuropäischen Typus mit der Eigentümlichkeit, daß ihr Gesicht einen sozusagen jüdischen Zug aufweist, nämlich eine kräftig gebogene Nase. Nach der Volksüberlieferung sollen ihre Vorfahren tatsächlich in Syrien gewohnt haben, bis Nebukadnezar die Bewohner dieses Landes gefangennahm und zum Auswandern nötigte; sie wurden zunächst von ihm in Persien und Medien angesiedelt, drangen dann aber von hier weiter ostwärts bis in die heutigen Gebiete von Afghanistan vor, wobei sie die eigentlichen Arier nach Indien vor sich herschoben. Die Afghanen zerfallen in eine Reihe Stämme, von denen die Durami, Ghilzai, Nasir, Pathan, Khattar und Kafir die wichtigsten sind. Im wesentlichen betreiben alle das Kriegshandwerk; mit ihren langen Flinten, Dolchmessern, sowie mit Bogen und Pfeilen verstehen sie gut umzugehen. Nebenbei aber sind sie auch Ackerbauer und Viehzüchter.