Die Beludschen oder Biloch, die sich bis nach Indien hinein verbreiten, lassen in ihrem Äußeren bereits mehr fremdländischen Einschlag als die beiden genannten Völker erkennen. Die nördlichen Teile ihres Landes werden vorzugsweise von türkischen, die südlichen von arabischen Stämmen eingenommen, und nach Südwesten haben sich schwarze Drawida (die Brahui) vorgeschoben. Die Beludschen sind umherziehende Nomaden, die aber gleichfalls sehr kriegerisch und durch ihre räuberischen Einfälle ins persische Grenzgebiet gefürchtet sind.

Phot. Henri D’Allemagne.

Abb. 319. Persisches Gastmahl,

das mit Teetrinken und Nüsseessen eröffnet wird. Nach zweistündigem Plaudern wird erst das richtige Mahl vorgesetzt. Man ißt unter Stillschweigen und sehr rasch. Die Gäste ziehen sich unmittelbar darauf zurück.

Ihrem Glaubensbekenntnis nach sind alle Iranier Anhänger der Lehre Mohammeds; die religiösen Gebräuche ([Abb. 318] und [320]) und Festlichkeiten ([Abb. 319]) sind daher meistens die gleichen wie sonst in der Welt des Islams. Sie spalten sich aber in zwei sich feindlich gegenüberstehende große Sekten, in die Sunniten in Afghanistan und Beludschistan — auch die Kurden bekennen sich als solche — und in die Schiiten in Persien. Die Sunniten oder Traditionisten, die die große Mehrheit der Mohammedaner in Indien und der Türkei ausmachen, hängen an der Sunna, einer Sammlung von Überlieferungen über die Gebräuche und Vorschriften des Islams, die bereits zu Zeiten des Propheten in Medina entstand, und erklären sie als gleichberechtigt neben dem Koran, den gesammelten Offenbarungen des Propheten. Unter diesen orthodoxen Anhängern der Lehre Mohammeds gibt es wieder viele Abstufungen, von den hochgradigen fanatischen Afghanen (zum Beispiel im Kabultale) an bis zu den die Sache leichter auffassenden Beludschen herab, denen es meist genügt, wenn ihr Häuptling für den ganzen Stamm die Gebete verrichtet. Die Schiiten dagegen erkennen nur den Koran an und halten Mohammeds Schwiegersohn Ali für den ersten rechtmäßigen Kalifen und seine Nachkommen, die im Bürgerkriege unterlagen, für seine wahren Nachfolger. Nach dem Tode des Propheten nämlich wurde Ali zugunsten seiner Rivalen um das Kalifat dreimal übergangen und bald darauf meuchlings ermordet. Ebenso fiel sein unglücklicher Sohn Hussein, der die Rechte des Vaters geltend machen wollte, in der Ebene von Kerbela am Tigris. Diese Tragödie rief so tiefes Mitgefühl für das Haus Ali hervor, daß seine Anhänger ihn fortan als den Schutzheiligen von Persien betrachteten, auf die gleiche Stufe mit Mohammed stellten und seitdem nicht mehr nach Mekka, sondern nach Kerbela am Tigris pilgern, wo sich das Grab Husseins und seines Bruders Hassan befindet. Die Nachkommen Alis vom Vater auf den Sohn, die Imame, werden von den Schiiten allein als die wahren geistlichen Führer, als die wahren und unfehlbaren Kalifen angesehen. Die Schiiten erwarten auch noch einen Messias, den Mahdi, der natürlich auch ein Nachkomme Alis sein wird; schon mehrfach haben sich Betrüger und Aufrührer für ihn ausgegeben.

Neben den Mohammedanern gibt es in Persien noch Anhänger der altiranischen Avestalehre oder Zoroasterreligion, die uns schon bekannten Parsen (Parsis). Sie sind hier allerdings nicht sehr zahlreich vertreten, da die meisten nach der Zerstörung des Reiches der Sassaniden nach Indien auswanderten; aber sie bilden doch ein wichtiges Element im wirtschaftlichen Leben, zumal reiche und gebildete Leute (Bankiers und Gelehrte) zu ihnen gehören.

Die Kleidung ([Abb. 318] u. [320]) der Perser besteht in einem baumwollenen langen, meist reich bestickten Hemd mit weiten Ärmeln, leinenen Hosen, die um die Hüften mit einer roten oder grünen seidenen Schnur zusammengehalten werden, einem kragenlosen, kaftanartigen Überrock aus Baumwolle oder Seide und einem vorn offenen, in seiner Länge nach der sozialen Stellung des Trägers sehr verschiedenen, häufig pelzverbrämten Mantel, der mit einem Gürtel geschlossen wird und dessen Falten die Stelle von Taschen vertreten. Die Frauen ([Abb. 321]) kleiden sich in ganz derselben Weise; sie ziehen sich ebenfalls Hosen an, die bei wohlhabenderen Damen aus einem kostbaren, reich bestickten oder perlenbesetzten Stoffe (Goldbrokat) angefertigt zu sein pflegen. Auf der Straße gehen sie mit verhüllten Gesichtern ([Abb. 322]), wie es der Koran vorschreibt.

Phot. Henri D’Allemagne.