Abb. 320. Islamitischer Perser beim Gebet.

Die Perser wohnen in Häusern aus lufttrockenen Ziegeln oder, in waldreichen Gegenden, aus Holz. Die reichen Leute leisten sich recht luxuriöse Paläste. — Als Nahrung dient ihnen in erster Linie Reis, entweder gedämpft und getrocknet (Tschillau) oder mit Lammfleisch zu einer Art Pudding hergerichtet (Pillau) oder schließlich auch als Suppe (Arsh). Außerdem werden Lammfleisch (die einzige Fleischsorte), Hühner, Milch, Gerstenbrot, Früchte und besonders viel Süßigkeiten von ihnen genossen.

Phot. Gebr. Haeckel.

Abb. 321. Perserin der wohlhabenden Klasse

in Besuchskleidung nach Ablegung des schwarzen Straßenumhängetuchs.

Die Perser gelten für besonders fanatische Schiiten. In Erinnerung an die Tragödie von Kerbela wird alljährlich im Monat Mohurrum eine Art Passionsspiele aufgeführt, durch die alles in so hochgradige Aufregung gerät, daß es keineswegs zu den Seltenheiten gehört, wenn ein Schauspieler, der den Mörder des Imams Hussein darstellt, in Wirklichkeit getötet wird. Am zehnten Tage des Festes finden Umzüge von Männern und Knaben aus allen Gegenden durch die Straßen statt, wobei sich die Teilnehmer rhythmisch mit dem Rufe „O Hassan, o Hussein“ auf die Brust schlagen. Besonders fanatische Leute, die die Prozessionen ([Abb. 323]) anführen, sind in Totengewänder gekleidet und tragen am bloßen Körper Ketten, Hufeisen und Dolche, mit denen sie sich unter lautem Aufschreien Wunden beibringen ([Abb. 324] und die [farbige Kunstbeilage]) und andere dazu ermuntern. In Yedz, einer abgelegenen Stadt mit besonders fanatischer Bevölkerung, wird ein mächtiges, mit Fahnen, Spiegeln, Schwertern und Dolchen ausgeputztes und mit Schals behangenes Gerüst langsam von fünfhundert Männern um den freien Platz der Stadt getragen ([Abb. 327]). Wer diesen Passionsspielen ([Abb. 326]) einmal beigewohnt hat, wird von der Tiefe der Gefühle, die hier zum Ausdruck kommen, ergriffen und wird auf der anderen Seite auch den Haß verstehen, mit dem die Schiiten ihre Feinde, die Sunniten, beständig verfolgen. Die heilige Stadt Persiens, der Stolz der Schiitenwelt, ist Mesched, denn dort ruhen unter einer goldenen Kuppel die sterblichen Überreste des achten Imams, namens Riza. Der Kalif Mamun, der Sohn des bekannten Harun al Raschid, der dort ebenfalls begraben liegt, ernannte diesen Imam zu seinem Erben in Anerkennung der Ansprüche des Hauses Ali, mußte aber diese Verfügung, die in Bagdad einen mächtigen Sturm der Entrüstung hervorrief, nicht nur wieder zurücknehmen, sondern ließ den Imam obendrein auch noch vergiften. Auf manchem persischen Bild findet sich dieser Vorgang wiedergegeben. Für fromme Schiiten bedeutet eine Pilgerfahrt ([Abb. 330]) nach Mesched das Höchste im Leben und steht bei ihnen in dem gleichen Ansehen, wie eine solche nach Mekka bei den Sunniten.

Phot. N. P. Edwards.

Abb. 322. Perserin im Straßenkleid.