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GRÖSSERES BILD
Da kommen zunächst die Oiwaifeste, an denen die kleinen Leute von drei ([Abb. 36]), fünf und sieben Jahren in eine neue Lebensphase eintreten, womit die Zeremonie der „Gurtentfernung“, des „Hakamatragens“ und der „Haarerhaltung“ verbunden ist. Das erstgenannte Fest hat seinen Namen davon erhalten, daß die Kinder beiderlei Geschlechtes den schmalen, bandartigen Gurt, an denen ihre Kleider hängen, fortan ablegen und dafür den Obi der Erwachsenen erhalten; das zweite Fest betrifft die Knaben allein, die zum erstenmal Hakama tragen, und das dritte bezieht sich darauf, daß von diesem Zeitpunkt an die Kinder, denen vordem der Kopf rasiert wurde, um einen möglichst starken Haarwuchs zu erzielen, ihr Kopfhaar lang wachsen lassen. Jedesmal, wenn die Kinder eine der bezeichneten Altersstufen erreichen, werden sie zum Altar ihrer Beschützer gebracht, um diesen davon Kenntnis zu geben.
Phot. Gebr. Haeckel.
Abb. 27. Onotänzerin.
Die wichtigsten Feste im Leben des japanischen Kindes, die sich einer ungemeinen Popularität bei alt und jung, sowie bei reich und arm erfreuen, sind das Puppenfest (Hina matsuri) und das Knabenfest (Tango-no-sekku); beide werden an bestimmten Tagen gefeiert. Das Puppenfest, das auf den dritten Tag des dritten Monats fällt, wird besonders in den Häusern der Vornehmen großartig begangen. Es spielen bei ihm, wie der Name besagt, Puppen eine große Rolle, aber nicht die alltäglichen Puppen, jene bekannten, aus Holz oder Ton angefertigten, einander sich ähnelnden Geschöpfe mit kahlem Schädel oder Haarschopf und buntem Kimono, mit denen zu spielen zu der Lieblingsbeschäftigung der kleinen Mädchen gehört, sondern es sind dies kostbare, von Generation auf Generation überkommene Erbstücke in prächtigen Gewändern, auf deren Herstellung wirkliche Künstler ihre ganze Geschicklichkeit verschwendet haben. Es gibt deren wohl in jedem Haushalte eine mehr oder minder große Anzahl, die an diesem festlichen Tage aus den Truhen hervorgeholt und für drei Tage in dem vornehmsten Zimmer des Hauses auf einen aus fünf bis sechs Stufen bestehenden, mit purpurrotem Krepp überzogenen Aufbau zur Schau gestellt werden. Auf dem obersten Brett sitzen der Kaiser und die Kaiserin in alter Hoftracht ([Abb. 40]), zu ihren Seiten die Minister; auf der zweiten Stufe stehen drei Hofdamen, die das Amt der Erzmundschenkinnen ausüben und daher neben sich Gefäße und Geräte zum Darreichen des Reisweines haben; dann folgen weiter unten die Hofmusikanten und andere Hofschranzen. Außerdem finden noch hervorragende Personen der japanischen Götter- und Heldenlehre Aufstellung, und schließlich allerhand kunstvoll aus Lack angefertigte Haus-, Küchen- und Toilettengegenstände, wie sie der Kaiserhof zum täglichen Leben nötig hat, in Miniaturausgabe. Da natürlich die fürstlichen Gäste auch bewirtet werden müssen, so stehen auf der untersten Stufe des Gestelles noch die erforderlichen Eß- und Trinkgefäße mit Wein und Kuchen aufgebaut; alle diese Gegenstände werden den Kleinen von ihren Verwandten und Freunden geschenkt und stellen mitunter recht kostbare Sachen dar. Je vornehmer die Familie, um so großartiger fällt die Ausstellung an Puppen aus. Die kleinen Mädchen stehen den ganzen Tag über bewundernd vor ihren Schätzen und laden ihre Freundinnen ein, damit diese auch Freude an dieser Pracht haben. Dabei spielen sie vorzüglich die Rolle der Gastgeberin, bewillkommnen die Freundinnen unter vielen zeremoniellen Verbeugungen und reichen ihnen allerhand Leckerbissen dar. Ärmere Leute begnügen sich mit einfachen, aus Papier geschnittenen oder auch auf ein Hängebild (Kakemono) aufgemalten Puppen. Heiratet die Tochter, so gehen die Puppen in ihren Besitz über und werden später wieder einmal auf ihre weiblichen Nachkommen vererbt.
Phot. K. Satamoto.
Strohpuppentanz in Japan.
Nach eingebrachter Ernte führen die Landleute einen Tanz auf, bei dem sie als Kopfputz eine Maske wie eine Reisgarbe tragen.