Drei Tage lang wird um den Toten getrauert. Am ersten Tage sprechen einundvierzig Männer die „Gebete der Beunruhigung“, um den Verstorbenen für die Begegnung mit Munkir und Nakir zu stärken, am folgenden Tage besuchen Verwandte das Grab, bilden einen Kreis, bitten um die Vergebung aller Propheten und Heiligen und danken den Freunden für ihre Teilnahme, am dritten Tage endlich fordert ein Geistlicher die Angehörigen auf, die Öffnungen in ihren Hemden, die sie sich zum Zeichen ihrer Trauer eingerissen haben, wieder zu schließen, und beendet damit die Trauer. Am vierzigsten Tage endlich wird über dem Grabe ein Gedenkstein errichtet ([Abb. 333]). — Zu den Gräbern großer Heiligen werden Wallfahrten unternommen und Weihgaben an ihnen dargebracht ([Abb. 334]).
Leviratsehe ist zwar nicht direkte Vorschrift in Persien, aber sie gilt für die Brüder des Verstorbenen als eine Anstandspflicht, gleichviel, ob Kinder da sind oder nicht. — Ehebruch führt zur Ehescheidung.
Phot. R. C. Bolster.
Abb. 339. Hütten der Nomadenstämme.
Der Unterbau besteht aus lose zusammengefügten Steinen, die beim Abbrechen der Hütte für gewöhnlich stehen bleiben; das Dach bilden Matten aus geflochtenen Blättern der Zwergpalme. Die Hütte im Hintergrunde ist aus Reisig hergestellt.
Afghanistan und Beludschistan. Die Kleidung der Afghanen wie auch der Beludschen besteht in einem langen Hemd, weiten Hosen (bei den einen aus Baumwolle, bei den anderen aus Leinen), einem mantelartigen Überwurf aus Schaffell und einer Mütze, die bei den Beludschen eine zylindrische Form aufweist. Die Städter haben bereits vielfach persische Tracht angenommen. Die Frauen kleiden sich in derselben Weise; Schmuck ist bei ihnen äußerst beliebt. Die afghanischen Bergvölker wohnen in Dörfern, die oft sehr stark befestigt sind und mit Hörnern versehene Türme besitzen. Die nomadisierenden Povindah bringen ihr Leben in Zelten zu. Die Stadtbewohner verfügen bereits über festgebaute Häuser, die oft sehr vornehm eingerichtet sind. Die Beludschen führen ein Nomadenleben ([Abb. 336] bis [338]) und hausen in primitiven Mattenhütten, die öfters auf einem aus losen Steinen aufgebauten Unterbau ruhen ([Abb. 339]). Diese Steinmauern, die sich vorzugsweise an solchen Plätzen finden, in deren Nähe Wasser ist, lassen sie bei ihrem Fortzuge für die nächsten Wanderer stehen; nur die Mattenwände nehmen sie mit.
Phot. A. O’Brien.
Abb. 340. Pferdewettrennen, ein bei den Beludschen sehr beliebter Sport,