Phot. Amerikanische Kolonie, Jerusalem.

Abb. 378. Rabbi beim Vorlesen der Tora, des Gesetzes Mosis.


GRÖSSERES BILD

Am Morgen des festlichen Tages holt eine große Schar junger Männer die Braut unter Musikbegleitung vom Haus ihres Vaters ab; sie wird dazu geschmückt, in einen Schleier gehüllt und auf ein Kamel oder Pferd gesetzt ([Abb. 384]). Das Volk macht sich diese Gelegenheit zunutze, um möglichst großen Lärm durch Abschießen von Gewehren, Schlagen von Trommeln und Geschrei zu veranstalten; es geleitet den Zug zum Hause des Bräutigams, in dem die Braut den Tag mit ihren weiblichen Verwandten und Freundinnen verbringt, während ihr Auserwählter mit seinen Gästen verschiedenen männlichen Übungen und dem Sporte nachgeht. Gegen Abend, wenn das Festmahl fertig gestellt ist, zu dem unter Umständen bis zu anderthalbhundert Schafe geschlachtet worden sind, machen sich die Gäste daran, den Speisen fleißig zuzusprechen. Der Bräutigam nimmt dabei einen erhöhten Platz ein, um die Gesellschaft gut übersehen zu können; ein Zeremonienmeister mit Gehilfen ist besonders angestellt, um für das leibliche Wohl der Teilnehmer zu sorgen. Sind alle im Überflusse gesättigt, dann werden die Geschenke eingesammelt. Ein jeder, der zur Hochzeit geladen ist, soll von Rechts wegen ein solches mitbringen, das immer in barem Gelde zu bestehen pflegt. Um die Hochherzigkeit der gütigen Geber anzuspornen, ruft der Einsammler jedesmal mit lauter Stimme den Namen des Spenders aus, nennt aber eine viel größere Summe, als er in Wirklichkeit gegeben hat, damit der nächste nicht hinter ihm zurückstehe; gleichzeitig fleht er des Himmels Segen auf dessen Familie herab. Sind alle Geschenke eingesammelt, dann erhebt sich der junge Ehemann und zieht sich mit seiner Frau zurück; die Brautjungfern erwarten das Paar mit brennenden Öllämpchen.

Phot. Amerikanische Kolonie, Jerusalem.

Abb. 379. Eine Sammlung von Amuletten, durch die der böse Blick gebannt werden soll.

Phot. Underwood & Underwood.