Eheliche Untreue wird von den Drusen mit dem Tode bestraft, indessen führt der Gatte diese Strafe nicht selbst aus, sondern überläßt dies den Eltern oder Angehörigen seiner Frau, denen er durch sie einen Dolch übersendet. Die Schuld trifft nicht ihn, sondern die Verwandtschaft der Frau.

Phot. Amerikanische Kolonie, Jerusalem.

Abb. 384. Ein Hochzeitszug.

Das Begräbnis eines Mohammedaners gestaltet sich im allgemeinen nach dem gleichen Ritus, wie er für die islamitische Welt vorgeschrieben ist und von uns bereits geschildert wurde. Sofort nach Bekanntwerden eines Todesfalles im Dorfe erhebt sich allgemeines Wehklagen. Die Weiber der ganzen Ortschaft stimmen darin ein; sie zerreißen ihre Kleider, raufen sich die Haare und stoßen lautes Wehgeschrei aus. Die Beisetzung erfolgt in möglichster Eile. Männer tragen die Leiche auf einer Bahre nach dem Friedhof, wobei sie beständig langsam das mohammedanische Glaubensbekenntnis singen: „Gott ist groß; es gibt keine andere Gottheit neben Gott; Mohammed ist sein Prophet. Gott begünstige und erhalte ihn.“ Während man den Toten neben das ausgeschaufelte Grab legt, murmeln die Teilnehmer sein Lob. Sodann fordert der Kadi den Geist des Verstorbenen auf, so zu antworten, wie er in Gegenwart des Allerhöchsten es tun würde. Für ihn antwortet ein Verwandter mit den Worten: „Er glaubt an einen Gott und an Mohammed, seinen Apostel.“ Nach der Beerdigung weinen die Frauen den ganzen Tag über am Grabe und besuchen es täglich, bis ein Stein am Kopfende die Stätte kennzeichnet, wo der Abgeschiedene begraben liegt. — Das Grab eines „Heiligen“ wird vom umwohnenden Volke hoch in Ehren gehalten; die Steine darauf geben Zeugnis von der Verehrung, die der Tote genießt, und sind ein Zeichen der dargebrachten Gelübde.

Phot. Bonfils.

Abb. 385. Drusenfrau mit dem Tantur.

Im Lager der Nomaden gestaltet sich die Trauer noch viel tiefer; man klagt und härmt sich hier so lange ab, bis vollständige Erschöpfung eintritt. Die Leiche wird in einer flachen Grube beigesetzt, und darüber werden Steine gehäuft, damit die wilden Tiere oder die Vögel ihr nichts anhaben können. War ein Scheich wegen wohlwollender Behandlung seiner Mitmenschen sehr beliebt, dann gibt eine Kaffeekanne auf dem Grabe Kunde von dieser seiner Gastfreundschaft. Die Beisetzung findet sonst nach dem mohammedanischen Ritus statt, gestaltet sich aber ganz schlicht, ohne Zeremonie und großes Gepränge. Die Verwandten opfern, wenn es sich um einen Mann handelt, ein Mutterschaf, ohne jedoch sein Blut zu versprengen; sie kochen und verteilen alsdann das Fleisch. Bei der Leiche einer Frau wird kein Opfer dargebracht, sie wird aber beim Heraustragen aus dem Lager mit wohlriechendem Wasser besprengt. Die Weiber besuchen häufig die Gräber ihrer Lieben und weinen um die Toten; eine Witwe pflegt ihre Kinder dorthin zu führen und sie über den Verlust des Vaters aufzuklären. — In den Städten und größeren Dörfern gestalten sich die Beisetzungszeremonien schon großartiger. In Jerusalem begräbt man die jüdischen Toten stets am Abhang des Ölbergs und die mohammedanischen auf der gegenüberliegenden Seite des Kidrontales. Die allgemeine Meinung geht dahin, daß hier alle Toten am Jüngsten Tag auferstehen werden. An diesem großen Tage wird Mohammed eine Sichtung vornehmen, die bösen Mohammedaner auf der anderen Seite bei den Ungläubigen zurücklassen, die guten aber in Flöhe verwandeln und sie, nachdem er die Gestalt eines Schafes angenommen, in seiner Wolle über die Brücke Es Sirat, die so dünn wie ein Pferdehaar ist, ins Paradies hinüberführen.