Afrika wird, wenn wir von der Bevölkerung nördlich der großen Wüste, der Sahara, sowie Ägyptens absehen, die sowohl in körperlicher als auch in kultureller Hinsicht Beziehungen zu Südeuropa aufweist, von der Negerrasse eingenommen. Ihre Angehörigen sind gekennzeichnet durch einen langen, aufgeschossenen Körper (im Mittel hundertsiebzig bis hundertachtundsiebzig Zentimeter) mit verhältnismäßig langen Armen, schlanken Beinen und breiten, flachen Füßen, einen ausgesprochen langen, schmalen Schädel mit etwas fliehendem Vorderhaupt, große, runde, vorstehende Augen von schwarzer Farbe, sehr flache, kurze, an der Wurzel sehr breite Nase, kleine oder nur mäßig vorspringende Wangenbeine, vorgeschobenen Unterkiefer, dicke, fleischige, oft wulstige Lippen und stets schwarzes, grobes, kurzes, krauses oder wolliges Haar. Ihre Hautfarbe ist ein dunkles Braun bis Schwarz. Infolge vielfacher Vermischung mit fremdem Blut, im besonderen mit hamitischem und semitischem, auch mit dem der einheimischen Zwergvölker, hat dieser Typus mancherlei Veränderungen erfahren, wobei der eine oder der andere vorstechende Zug der sich mischenden Rassen in dem Kreuzungsprodukt zum Ausdruck kommt. Man teilt die Neger in Sudan- und Bantuneger ein. Diese Unterscheidung beruht weniger auf körperlichen Verschiedenheiten, als vielmehr auf solchen sprachlicher und kultureller Natur, und ist manchmal schwer durchzuführen. Allgemein läßt sich nur sagen, daß der Sudanneger die meisten Eigentümlichkeiten des dunklen Afrikaners in verstärktem Grade (also zum Beispiel dunklere Haut, größere Nasenbreite, mehr umgestülpte Lippen und so weiter) zur Schau trägt.
Außer der Negerrasse finden sich nun noch, mehr oder weniger unter sie verstreut, Angehörige einer kleinwüchsigen helleren Rasse, die wir als die Urbewohner Afrikas annehmen dürfen, der afrikanischen Grundrasse, der Pygmäen. Ihre relativ reinsten Vertreter besitzt sie in den Buschleuten Südafrikas und in gewissen zentralafrikanischen Zwergstämmen. Diese Leute sind von niedrigem Wuchs (Männer etwa hundertvierundvierzig, Weiber hundertfünfunddreißig Zentimeter), haben einen im Verhältnis zu den Gliedmaßen langen Rumpf, vergleichsweise breite Schultern und kurze Arme wie Beine. Ihr Schädel ist von mehr rundlicher Form, zeigt eine ziemlich steil aufsteigende, breite, gut gewölbte Stirn und ein niederes, zumeist breites Gesicht, aus dem die Jochbeine ziemlich weit vorspringen. Die Augen stehen weit voneinander ab, die kurze Nase ist an der Wurzel tief eingesattelt und hat einen ziemlich breiten Rücken; die Kieferpartie ist mehr oder weniger vorgeschoben. Das Gesicht erhält dadurch ein schnauzenartiges Aussehen. Die Hautfarbe dieser Rasse ist ziemlich hell, von gelblichem bis milchkaffeebraunem Ton. Sehr bezeichnend für sie ist die Beschaffenheit ihrer Haare, die in kleinen, spiraligen Büschelchen (sogenannte Pfefferkornbildung) auf dem Kopfe stehen. Man bezeichnet dies als Krausköpfigkeit. Der Bart ist spärlich entwickelt, dafür aber ist der übrige Körper mit einem zarten Flaum ganz überzogen. Für die Buschleute ist noch im besonderen bezeichnend die geringe Entwicklung, man könnte fast sagen das Fehlen des Unterhautzellgewebes am ganzen Körper, wodurch die Haut Neigung zur Faltenbildung erhält, mit Ausnahme der Gesäßpartien, die geradezu einer übermäßigen Ausbildung von Fettpolster sich erfreuen. Die Verbreitung der Zwergvölker erstreckt sich auf einzelne Teile des zentralen Afrika, die der Buschleute auf die mittlere Kalahari. Ursprünglich müssen die Vertreter dieser Grundrasse ein viel ausgedehnteres Gebiet eingenommen haben, bis nach Westafrika auf der einen und bis zu den Quellen des Nils auf der anderen Seite hin; ebenso saßen die Buschleute früher weit über ihre heutigen Grenzen hinaus.
Abb. 388. Buschleute.
Südafrika.
Südafrika wird von den Bantu, den Buschleuten und den Hottentotten, wahrscheinlich einer Mischung zwischen letzteren und Hamiten, eingenommen.
Die Buschleute ([Abb. 388]) führen ein umherschweifendes Leben, betreiben daher weder Ackerbau noch Viehzucht, sondern suchen sich ihre spärliche Nahrung durch Jagen und Sammeln von Erzeugnissen der Pflanzenwelt. In früheren Zeiten, als die Jagdgründe noch reich bestellt waren, wurde die tierische Nahrung von ihnen bevorzugt; mit Pfeil und Bogen erlegten sie das Wild. Heutzutage aber, wo der Wildreichtum bedeutend nachgelassen hat, beschränken sie sich auf das Ausgraben von Knollen und Wurzeln mittels des Grabstockes. Die Speisen werden, da man vielfach keine Gefäße besitzt, meist nur geröstet und halb roh hinuntergeschlungen. Sehr schwierig hält es mit der Beschaffung von Wasser zur heißen Jahreszeit. Solange man solches zur Verfügung hat, bewahrt man es in Straußeneierschalen auf. Fehlt es, so nimmt man zu Saugbrunnen seine Zuflucht. Man treibt ein Loch in den harten Boden, senkt einen mit einem Filter aus Gras versehenen Rohrhalm hinein und bemüht sich, das sich ganz spärlich aus dem Grundwasser einfindende Naß durch Ansaugen heraufzubefördern und dann in Straußeneierschalen zu sammeln. — Ihre Wohnungen entsprechen ihrem unsteten Leben. Was die Natur ihnen auf ihren Wanderungen gerade als Unterschlupf darbietet, wird dazu benutzt, so zum Beispiel Höhlen oder Felsenüberhänge. Sonst erfüllen denselben Zweck primitive Windschirme aus einem Paar zusammengebundener Büschel oder auch schon bienenkorbähnliche Hütten, die sie bei den sie umgebenden Stämmen kennen gelernt haben.
Die Kleidung der Buschleute besteht in einem Lendenschurz oder beim weiblichen Geschlecht in einem Gürtel, von dem vorn ein kleinerer, hinten ein größerer Schurz herabhängt. Ihr Schmuck ist sehr bescheiden, Halsketten von kleinen Scheibchen aus Straußeneierschalen. Besondere Sorgfalt verwenden die Buschleute auf ihre Gesichtsbemalung, die beide Geschlechter für die Tänze oder auch ohne besonderen Anlaß an sich vornehmen lassen, und zwar durch die Zauberdoktoren selbst; diese Bemalung hat religiösen Hintergrund.
Abb. 389. Zwei Ovambomädchen.