Von den künstlerischen Neigungen der Buschleute ist ihre Vorliebe für Musik zu erwähnen; ihr einziges Musikinstrument besteht allerdings nur in einem Bogen, dessen eines Ende zwischen die Zähne eingeklemmt wird, während die Hand die Sehne schlägt. Mehr Beachtung verdient ihre Zeichenkunst, deren Spuren man, über ganz Südafrika zerstreut, an den Felsen und in den Höhlen antrifft. Sie äußert sich nach zwei Richtungen: einmal als richtige Felsenmalerei, zum anderen als eingeritzte Zeichnungen. Gegenstand dieser Darstellungen sind meistens Tiere und Menschen, im allgemeinen Jagdszenen, die durch ihre Naturwahrheit Staunen erregen müssen. Diese Malereien und Gravierungen stammen bereits von früheren Generationen her; wenn diese Kunst heutzutage nur noch wenig oder gar nicht mehr von den Buschleuten geübt wird, so liegt dies einmal daran, daß sie unter ganz unglücklichen Lebensbedingungen ihr Dasein fristen, sodann aber daran, daß sie sich jetzt in einem Gebiete aufhalten, wo es keine Felsen und keine Höhlen gibt, nämlich in der Wüste, so daß sich ihnen also keine Gelegenheit mehr bietet, die ihnen innewohnende Fertigkeit im Malen zu betätigen. Früher waren die Buschleute über ganz Südafrika verbreitet; sie wurden aber von den mehr und mehr vordringenden großen Völkern zurückgedrängt und ziemlich ausgerottet. Augenblicklich gehen sie ihrem Untergange mit Riesenschritten entgegen.

Phot. Britische Südafrika-Gesellschaft.

Abb. 390. Ein Kaffernkral.

Ein ornamentierter Fries am niederen Eingang zeigt an, daß hier eine Persönlichkeit von Rang wohnt.

Die Religion der Buschleute beruht in der Hauptsache auf einer Verquickung von Geisterglauben und Ahnenkult. Die Seelen Verstorbener, die man sich teils als freundlich, teils als feindlich gesinnt vorstellt und von denen man beständig das menschliche Leben in dem einen oder dem anderen Sinne beeinflußt glaubt, werden durch das übliche Darbringen von Opfern, durch Veranstaltung von Tänzen oder durch Zaubermittel, die die guten Geister festhalten, die bösen bannen sollen, verehrt. Zaubermittel, um Krankheiten oder Unheil abzuwenden oder auf der Jagd Glück zu bringen, sind sehr verbreitet. So zum Beispiel gilt es als wirksam gegen Rheumatismus, wenn man sich eine Schlange um den Hals wickelt; auf der Jagd glaubt man Erfolg zu haben, wenn man sich eine bestimmte streifenförmige Tatauierung auf dem Oberarm anbringen läßt; das Wild glaubt man bezaubern zu können, so daß es den Jäger nicht sieht, wenn man sich mit einer Jagdmedizin einreibt, die aus einem Stück vom Herzen und dem linken Ohr eines erlegten Exemplars der zu jagenden Tiergattung durch Verbrennen mit glühender Kohle hergestellt ist. Und manches Ähnliche. Auch auf Wahrsagen und Vorbedeutungen wird großer Wert gelegt. Um den Erfolg einer bevorstehenden Unternehmung, Reise, Jagd und so weiter, im voraus zu erfahren, wirft man ein Bündel Hölzchen in die Luft und schließt aus der Lage, die die einzelnen Stücke beim Herabfallen einnehmen, auf den Ausgang der Sache. — Ist jemand krank geworden, dann läßt man einen der vielen Zauberdoktoren kommen. Dieser erscheint phantastisch aufgeputzt und mit zahlreichen Amuletten behängt und verordnet entweder eine Medizin, die er selbst aus gekochten Kräutern und anderen Säften — hierbei spielt eine Abkochung der schweißigen Kleidungsstücke sowie des Urins des Zauberers eine wichtige Rolle — angefertigt hat, oder er bläst, tanzt, singt, beschwört und treibt den üblichen Hokuspokus. Zuletzt beugt er sich über den Kranken und bläst ihm den bösen Geist fort oder saugt ihn aus; zum Zeichen, daß er des Übeltäters Herr geworden ist, holt er ihn dann aus seinem Munde in Gestalt eines Steinchens, Stöckchens oder eines Hirsekorns hervor.

Abb. 391. Basutomädchen.

(Sammlung v. d. Goot.)

Die Tänze der Buschleute beziehen sich sämtlich auf das Geschlechtsleben der Tiere und ahmen ihre Bewegungen zur Brunstzeit in ziemlich drastischer Weise nach, so der Elandbullentanz, den wir noch weiter unten kennen lernen werden, der Duckerbocktanz, der Stachelschweintanz, der Pfautanz und anderes mehr. Allen diesen Tänzen kommt eine religiöse Bedeutung zu; anscheinend will man den Tieren, die man nachahmt, durch einen derartigen Tanz eine Ehrung erweisen. Bei diesen Tänzen sind beide Geschlechter beteiligt. Daneben gibt es aber noch andere, an denen nur Männer in Tätigkeit treten, Weiber aber gänzlich ausgeschlossen zu sein scheinen. Passarge beobachtete zwei solcher Tänze, einen, der auf den Knien, und einen anderen, der unter heftigem Trampeln mit den Füßen ausgeführt wurde, und will ihnen eine noch tiefere religiöse Bedeutung als den schon erwähnten Tänzen beigelegt wissen, wenn er auch nichts Näheres über sie in Erfahrung bringen konnte. Im ganzen scheint das Tanzen eine wahre Leidenschaft der Buschleute zu sein. Besonders in schönen Mondscheinnächten artet es in wirkliche Raserei und Liebesbrunst aus, zumal nach einem reichlich genossenen Mahle. Vor allem sind es die jungen Männer, die sich beim Anblick des weiblichen Geschlechtes ganz berauschen und ihre wilde Leidenschaft durch Springen, Stampfen und Gliederverrenken zum Ausdruck bringen.