Auch Kriegstänze und Scheinkämpfe mit Assagaien gehören zu den Belustigungen der Buschleute. Beliebt ist schließlich noch das Melonenspiel, wobei man eine ausgehöhlte und mit Steinchen angefüllte Melone mit dem Finger, der in ein entsprechendes Loch in der Frucht hineinpaßt, in die Luft wirbelt und mit dem Finger wieder auffängt.

Bei der Geburt eines Kindes dürfen männliche Personen nicht zugegen sein. Das Neugeborene wird mit Gras abgerieben. Falls die Mutter mit Nahrungssorgen zu kämpfen hat, wird das Kind für gewöhnlich lebendig begraben; wenn sie aber einigermaßen zu leben hat und das vorhergehende Kind sich bereits so weit entwickelt hat, daß es sich selbst Wurzeln und Knollen ausgraben, also der Mutter zu seinem Lebensunterhalt entbehren kann, dann wird das Neugeborene aufgezogen. Eine besondere Pflege kann ihm trotzdem nicht zuteil werden; daher gehen viele Kinder der Buschleute zugrunde. — Nach der Geburt erfolgt die Namengebung durch die Eltern in Gegenwart der nächsten Angehörigen; hat man gerade ein Stück Wild erbeutet, so wird ein Festschmaus mit Tanz veranstaltet. Die Söhne erhalten zumeist den Namen des älteren Bruders des Vaters oder des Großvaters, die Töchter den der älteren Schwester der Mutter oder der Großmutter. — Die Kinder werden frühzeitig zur Selbständigkeit erzogen; man lehrt sie die für ihre Ernährung wichtigen Pflanzen und Tiere kennen und unterweist sie in den Sammel- und Fangmethoden, im Aufspüren des Wildes sowie in der Anfertigung der Hausgeräte und Waffen.

Die Knaben werden bei Eintritt der Männlichkeit von einem älteren Manne in die Geheimnisse des Geschlechtslebens eingeweiht; im besonderen erhalten sie Unterricht in den religiösen Tänzen. Diese Unterweisungen der Jünglinge finden draußen auf dem Felde zur kalten Jahreszeit statt, wo sie unter Aufsicht in einer großen Hütte untergebracht werden, kein Feuer anzünden und Wasser nur in beschränktem Maße trinken, auch nur von Wurzeln und Früchten leben dürfen. Alles das soll zur Abhärtung und Stählung des Körpers dienen. Nach Abschluß dieser Zeit werden die Knaben zu Männern geweiht, indem der Lehrer seinen Schülern auf die Stirn und zwischen die Schulterblätter Tatauierungen einschneidet und die Wunden mit Holzkohlenpulver einreibt. Hierauf dürfen die Jünglinge heiraten und an den Versammlungen und Tänzen der Erwachsenen teilnehmen. Eine Beschneidung findet nicht statt.

Bei den Mädchen wird der Eintritt der Reife ebenfalls gefeiert, aber eine Unterweisung geht der Zeremonie nicht voraus. Die Sitte schreibt dabei ebenfalls gewisse Tänze vor. Ein solcher Tanz des Aikwestammes ist der Elandbullentanz, den Passarge folgendermaßen schildert. Das zum erstenmal menstruierende junge Mädchen liegt auf der Erde, die älteren Weiber stehen um dasselbe herum, singen, klatschen in die Hände und klappern mit Eisenstücken. Die verheirateten jungen Frauen aber ziehen im Gänsemarsch, mit den Füßen den Takt dazu stampfend, um das Mädchen herum; dabei haben sie ihr Gesäß entblößt, wackeln und kokettieren mit demselben und stoßen die Arme rhythmisch nach unten. Nach einer Weile nähert sich ihnen mit langsamem Schritte ein Buschmann, der ein Fell mit Hörnern der Elandantilope auf dem Kopf trägt und ähnliche stampfende Bewegungen wie die Frauen ausführt. Er stellt den Bullen dar, die Weiber die Kühe. Zunächst läuft der Mann mehrere Male um sie herum, schließlich springt er in die Reihe hinter eine Frau und zieht sie an sich. Die Bewegungen des Bullen und der Kühe lassen deutlich erkennen, daß es sich hierbei um eine Szene aus dem Liebesleben dieser Tiere handeln soll.

Bei der Auswahl seiner Lebensgefährtin sieht sich der junge Buschmann unter den Mädchen einer anderen Sippe um; als Vermittlerin pflegt ihm seine Schwester zu dienen. Hat er die ihm Zusagende gefunden, dann sucht er sich die Gunst der Eltern durch Geschenke zu erwerben. Früher bestanden diese in einem ganzen Stück Wild oder wenigstens in einem großen Teil eines solchen; heutzutage, wo der Wildreichtum sehr zurückgegangen ist, genügen auch kleinere Geschenke. Mit der Erlegung dieses Brautpreises ist die Ehe geschlossen, die dann noch durch einen Hochzeitschmaus gefeiert zu werden pflegt. Gelegentlich ist es dabei Sitte, daß der neue Ehemann, wenn die eingeladenen Nachbarn sich über ihn lustig machen, sein junges Weib ergreift, worauf jene mit ihren Grabstöcken auf ihn eindringen, so daß sich ein regelrechtes Gefecht entwickelt; steht der Bräutigam dabei seinen Mann, so wird der Kampf eingestellt und die Frau ihm überlassen. Der Ehemann tritt in deren Sippe über.

Von der ihnen erlaubten Vielweiberei machen die Buschleute ([Abb. 388]) oft Gebrauch, und drei bis vier Weiber sind keine Seltenheit. Recht häufig heiratet der Mann nach der Reihe die Schwestern seiner Frau oder ihre Cousinen. Im allgemeinen steht die Sittlichkeit bei den Buschleuten auf verhältnismäßig hoher Stufe.

Phot. Underwood & Underwood.

Abb. 392. Zulumädchen beim Tragen von Lasten,

die unter Umständen sehr schwer sind. Die vorangehenden erst zwölf- bis dreizehnjährigen Mädchen pflegen auf weite Strecken vierzig bis fünfzig Pfund auf dem Kopfe zu tragen.