Bei der Nachricht von dem Tode eines Buschmannes erhebt sich lautes Schreien und Jammern unter den Weibern des Dorfes. Die Leiche, der der Kopf mit rotem Ocker und Salbe eingerieben worden ist, wird ans Feuer gestellt, nach Angabe anderer Autoren auch direkt durchgeräuchert. Die Beerdigung erfolgt möglichst schnell. Der Tote wird in einer Grube in hockender Stellung (mit über der Brust gekreuzten Armen), das Gesicht nach Osten gewandt, zusammen mit seinen Waffen, Hausgeräten und mit etwas Nahrung beigesetzt; sodann wird seine Hütte zerstört oder auch verbrannt, deren Überreste in die Grube auf die Leiche geworfen und das Ganze mit Erde zugeschaufelt. Zum Schutz gegen die wilden Tiere, vielleicht auch um ein Hervorkommen des Geistes des Verstorbenen zu verhindern, wird eine Steinpackung oder eine Steinsetzung über dem Grabe aufgeführt; ein jeder, der vorübergeht und das Grab als ein solches erkennt, wirft einen neuen Stein darauf. Die Grabstätte wird von den Angehörigen möglichst schnell verlassen und für ein bis zwei Jahre gemieden; selbst fremde Buschleute, die auf ihrem Zuge an einem solchen Grabe vorbeikommen, hüten sich, in seiner Nähe zu schlafen. Anscheinend bestehen unter den Buschleuten auch Vorstellungen von einem Weiterleben nach dem Tode. So begegnet man der Ansicht, daß diejenigen, die sich bei ihren Tänzen schwere Unsittlichkeiten hätten zuschulden kommen lassen, nach ihrem Tode an einen geheimnisvollen Ort unter das Wasser gebracht und hier in Tiere verwandelt würden, die für ihre Ausschreitungen beständige Pein erlitten. — Wie in ihren Sitten und Gebräuchen überhaupt, so sind die Buschleute im besonderen auch in denen, die sich auf die Begräbnisfeierlichkeiten beziehen, von den umwohnenden Hottentotten sowie den Bantu verschiedentlich beeinflußt worden.
Eine zweite Sondergruppe innerhalb der südafrikanischen Völker bilden die Hottentotten. Man hat sie früher als Verwandte der Buschleute aufgefaßt, und dies mit einer gewissen Berechtigung, insofern es sich bei einer Gegenüberstellung mit den dunkelhäutigen Bantu bei beiden um „hellfarbige Südafrikaner“ handelt und sie auch sonst manches Gemeinsame in ihrem äußeren Verhalten darbieten. Indessen war es der Sprachwissenschaft vorbehalten, Klarheit über die Stellung der Hottentotten innerhalb des afrikanischen Völkerkreises zu schaffen. Meinhof, der beste Kenner afrikanischer Sprachen, hat nämlich gezeigt, daß ihre Grammatik eine ganz auffällige Übereinstimmung mit den grammatikalischen Regeln der hamitischen Sprachen aufweist und daß auf der anderen Seite die Schnalzlaute, die ihre Sprache mit den Dialekten der Buschleute gemeinsam hat, von diesen nur entlehnt sind. Da nun die Hottentotten trotz mancherlei Ähnlichkeit mit den Buschleuten in ihrem Äußeren auf der anderen Seite auch wieder Eigenschaften aufweisen, die sie den Hamiten nähern, wie die höhere Statur und die größere Hellfarbigkeit, so liegt unter Berücksichtigung der sprachlichen Gründe die Wahrscheinlichkeit sehr nahe, daß es sich bei ihnen um frühzeitig weit nach dem Süden verschlagene und von ihren Stammesangehörigen vollständig abgeschnittene Stämme hamitischer Völker handeln mag, die durch starke Vermischung mit den in der Überzahl vorhanden gewesenen Buschleuten der meisten ihrer ursprünglichen Rasseneigenschaften verlustig gingen, jedoch ihre geistigen Eigenschaften, im besonderen ihre entwickeltere Sprache, ihre verfeinerte Grammatik und vorgeschrittenere Religion, sowie manche ihrer Gewohnheiten bis auf die Neuzeit retteten.
Die Hottentotten sind heutzutage auf Deutsch-Südwestafrika, im besonderen Groß-Namaland, beschränkt; ihre wichtigsten Stämme sind die Zwartboi, Bondelzwart (so benannt nach dem Bündel schwarzer Streifen über den Augen), die Veldschoendrager, die Witboi, Simon Kopper- und die Fransmann-Hottentotten. Im Gegensatz zu den Buschleuten sind sie durchweg Viehzüchter geblieben, wie es ihre hamitischen Vorfahren vor langen Zeiträumen schon waren. Bekannt sind ihre blutigen Kämpfe mit der deutschen Regierung, durch die sie ziemlich aufgerieben worden sind. Infolge der seit langem unter ihnen wirkenden Mission haben sie das meiste Ursprüngliche bereits abgestreift und europäische Sitten angenommen; ein Teil von ihnen ist Mischehen mit den vor den Deutschen hier sehr verbreitet gewesenen Buren eingegangen. Im großen und ganzen ähneln sie in körperlicher Hinsicht den Buschleuten, unterscheiden sich aber von ihnen vor allem durch ihre bedeutendere Größe sowie durch feinere Gesichtszüge. Ein einheitlicher Typus läßt sich für die Hottentotten nicht aufstellen.
Ihre Wohnungen sind halbkuglige niedere Hütten (sogenannte Pontoks), die aus einem Gestell kreisförmig in den Boden gesteckter und oben kuppelförmig miteinander verbundener dünner Zweige hergestellt sind und mit Fellen oder Matten bedeckt werden. — Jetzt kleiden sich die Hottentotten schon meistens nach europäischer Art. Ihre frühere Tracht war ganz aus Leder beziehungsweise Fellen angefertigt, sie bestand in einem solchen Hüftschurz, einem großen Fellmantel, Karoß genannt, und einer Kopfbedeckung aus Pelz. — Ihre Waffen sind Bogen und Pfeile, Speere und Wurfstöcke; neuerdings auch Schießgewehre.
Mit Erl. der Mariannhiller Mission, Vertretung Würzburg.
Abb. 393. Basutokrieger in Kriegstracht.
Die Basuto galten früher für sehr gefürchtet im Kriegshandwerk, dem ein jeder Mann obliegen mußte; jetzt haben sie friedlichere Sitten angenommen.
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GRÖSSERES BILD
Die ursprüngliche Religion der Hottentotten (heutzutage sind sie Christen) scheint auf Ahnenverehrung und Geisterglauben beruht zu haben. Die Geister der Verstorbenen wurden von ihnen als böse Dämonen angesehen; daher war man auch bestrebt, durch Zusammenbinden der Leiche sie an der Wiederkehr zu hindern. Der Ahnenkult kam in der Gewohnheit zum Ausdruck, daß die an Gräbern Vorübergehenden diesen eine Gabe darbrachten, entweder einen Stein oder Reisig, einen Blumenzweig, ein Scheit Holz oder ein Büschel wohlriechender Kräuter darauf legten und gleichzeitig den Verstorbenen um Gesundheit, viel Kinder und viel Kleinvieh anflehten. — Unglücksfälle und Krankheiten werden dem Einflusse böser Geister zugeschrieben, gegen die man sich durch Amulette und Beschwörungen durch einen Zauberer zu schützen sucht.