Die Hottentotten sind heutzutage faule und zur Genußsucht geneigte Menschen; sie verstehen sich darauf, aus Honig ein berauschendes, stark mussierendes Getränk herzustellen, dem sie eifrig zusprechen. Besondere Freude haben sie an Musik und Tanz. Ihr beliebtestes Musikinstrument ist die Riedflöte, eine Art Schalmei, die aus einem fußlangen Ried hergestellt wird; die verschiedenen Töne werden durch Auf- und Niederschieben eines Stempels erzeugt. Die Männer bilden einen Kreis und die Weiber darum einen anderen; sie bewegen sich darauf in entgegengesetzter Richtung unter Verbiegungen des Oberkörpers, die Weiber kehren ihre hintere Körperpartie hervor und führen unter Händeklatschen und Musik groteske Sprünge und Bewegungen aus. — Eine recht sonderbare Art von Selbstbefriedigung betreiben die jungen Mädchen der Hottentotten (sowie der Buschleute), indem sie von frühester Jugend an beginnen, ihre ohnehin schon verhältnismäßig stark entwickelten kleinen Schamlippen zu ziehen und zu zerren (sogar unter Benutzung kleiner Gewichte), bis sie eine ansehnliche Größe (Hottentottenschürze) erreichen.

Aus „Kolonie und Heimat“.

Abb. 394. Hererofrau.

Nach der Geburt eines Kindes wird ein Feuer angezündet, an dem aber so lange weder gekocht noch gebraten werden darf, bis der Nabelstrang abgefallen ist, sonst würde dem Kinde ein Unglück begegnen. Der Mann darf der Niederkunft seiner Frau, die von älteren Frauen unterstützt wird, nicht beiwohnen. Nach der Geburt wird dem Vater das Kind vor die Hütte gebracht; man legt es auf die Erde, und er hebt es auf zum Zeichen, daß er es als das seine anerkennt. Bei der Geburt eines männlichen Nachkommen herrscht große Freude; sie erhöht die Eltern in der Achtung der Dorfbewohner. Je nach den Vermögensverhältnissen schlachtet der Vater zwei bis drei Ochsen und gibt den Nachbarn ein Fest; bei der Geburt eines Mädchens begnügt er sich mit einer Ziege. Werden Zwillinge geboren, dann ist die Freude weniger groß, zumal wenn beide weiblichen Geschlechts sind. Entweder wird der eine Zwilling in einer verlassenen Tierhöhle ausgesetzt, die man mit Steinen oder Erde zubaut, oder an einen der nächsten Bäume gehängt, wo er verhungern muß. — Das Neugeborene wird nicht gewaschen, sondern zunächst mit Kuhmist vom Kopf bis zu den Füßen eingerieben, darauf zum Trocknen in die Sonne gelegt, vom Mist gereinigt und sodann mit dem Saft einer Pflanze gewaschen, damit es gelenkig und ausdauernd im Laufen werde. Schließlich wird es, nachdem es noch einmal an der Luft getrocknet worden ist, mit Schaffett oder Butter eingerieben. — Die Hottentottenmütter stillen ihr Kind, lassen es gelegentlich nebenbei auch einen Zug aus der Tabakspfeife tun.

Phot. Britische Südafrika-Gesellschaft.

Abb. 395. Angonikrieger im Kriegsschmuck.

Die Angoni, der nördlichste Stamm der Zulu, bewohnen die nördliche Küste des Tanganjikasees. Sie waren früher unter den Nachbarvölkern sehr berüchtigt wegen ihrer barbarischen Streifzüge.


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