Abb. 406. Begrüßung bei den Barotse,
die bei ihnen sehr förmlich ausfällt. Man kniet nieder und küßt einander die Hände, wiegt den Körper von einer Seite zur andern und überhäuft sich mit Worten der Bewillkommnung.
Bei der Hochzeit der Bantu ([Abb. 404]) finden ganz verschiedene Zeremonien statt; sie dehnen sich bei den Awenda oft über einen Monat und länger aus. Ehe sie nicht abgeschlossen sind, dürfen Braut und Bräutigam nicht als Mann und Frau zusammenleben. — Ein Brauch, der sich bisher nicht hat ausrotten lassen, ist das Eheversprechen unter Kindern im zartesten Alter. — Die Vielehe ist unter den Bantu erlaubt und wird auch vom Gesetz anerkannt, erfährt aber meist durch die Armut des Bräutigams Einschränkung. Wo die Mittel dagegen vorhanden sind, kann sich der Ehemann so viel Frauen kaufen, als ihm beliebt. Der Brautpreis besteht, wie schon erwähnt, in Vieh. Die Weiber eines Mannes vertragen sich im allgemeinen gut miteinander, weil sie meistens eine eigene Hütte haben und eigene Wirtschaft führen. Der Mann haust zeitweilig in dem einen Haushalt, dann wieder in einem anderen; die Frauen sind jedoch verpflichtet, ihm täglich Speisen zu bereiten und sie ihm dorthin zu bringen, wo er sich gerade aufhält. Unter den Kaffernfrauen sollen Duelle nichts Seltenes sein und mit Händen, Füßen, Nägeln und Zähnen ausgefochten werden.
Ehescheidung kommt häufig vor und ist für gewöhnlich mit einer Rückgabe des Kaufpreises verbunden. Der Mann kann seine Frau ohne Gründe verstoßen, geht dann aber dieser Rückgabe verlustig. Ehebruch wird von den Angoni stets mit dem Tode geahndet; der Verführer wird in Gegenwart der ehebrecherischen Frau mit einer Keule erschlagen, sie selbst an einen Baum gebunden und mit einem Strick erdrosselt. Den Angehörigen der Schuldigen ist es verboten, diesen ein zeremonielles Begräbnis zu bereiten. — Die Awenda heiraten, wenn ihre Frau stirbt, deren Schwester oder nächste Verwandte; sind diese aber noch zu jung, um zu heiraten, dann muß der Vater eine entsprechende Vertreterin stellen, bis sie herangewachsen sind. Bei den Matabele nehmen die Brüder des Verstorbenen die Witwe zur Frau; bei den Maschona erben oft die Söhne des Vaters Witwen, ausgenommen die eigene Mutter.
Nach dem Bekanntwerden eines Todesfalles kommen die Verwandten sofort zusammen, und die Frauen heulen laut; bei den Barotse wird meistens durch Schießen ein großer Lärm gemacht. Der Tote wird in Felle oder Rindenstoffe, auch in wollene Decken eingehüllt und in hockender Stellung mit seinen Waffen und seinem persönlichen Besitz in der Erde beigesetzt. Verbrennung kommt unter den Bantustämmen nirgends vor, dagegen wird die Leiche vereinzelt im Busch ausgesetzt oder ins Wasser geworfen. In diesen Fällen handelt es sich aber nur um Sklaven, Stammesfremde oder um Leute, die keine Angehörigen mehr haben. Besondere Begräbnisstätten gibt es nicht; zumeist wird der Verstorbene in der Hütte selbst begraben und diese dann entweder gänzlich aufgegeben oder ruhig weiter bewohnt. Die Kaffern begraben ihre Häuptlinge im Kral. Die Awenda beten zu den Verstorbenen und versprechen, ihnen Bier zum Grabe zu bringen und für die Kinder zu sorgen. Bevor das Grab zugeschaufelt wird, schneidet der nächste Verwandte in die Decke, welche die Leiche umhüllt, ein Loch, gerade über dem Ohr, damit der Tote den großen Geist reden höre.
Bei den Basuto werden nach der Beerdigung die schon vorher abgeschnittenen Enden des Kuhfelles, in das man den Toten gehüllt hatte, zu kleinen Riemen zurechtgeschnitten und der Witwe zum Zeichen der Trauer als Band um die Stirn gebunden. Bei den Angoni legt die Witwe gleichfalls einen Trauerschmuck in Gestalt einer Binde um die Stirn an und trägt ihn ein halbes oder auch ein ganzes Jahr. Nach dieser Trauerzeit ruft sie ihre Verwandten und Bekannten zusammen, entledigt sich feierlich des Trauerabzeichens, verbrennt es über dem Feuer und schüttet die Asche in einen Fluß, in dessen Nähe die Handlung vor sich geht. Nachdem sie auch noch die Feuerstätte gereinigt hat, um das Andenken an den Verstorbenen damit gänzlich auszulöschen, kehren alle Teilnehmer in die Hütte zurück und halten zum Schluß ein festliches Gelage ab. Fortan darf die Witwe wieder heiraten.
Phot. P. M. Clarke.
Abb. 407. Ein Barotsetänzer.
Man pflegt hauptsächlich nach den Tönen der Serimba zu tanzen, einer Reihe von Kalabassen, in deren jeder eine Zunge aus Holz angebracht ist. Die Masken haben hier keine religiöse Bedeutung, sondern sollen nur die betreffende Person unkenntlich machen.