⇒
GRÖSSERES BILD
Die Afrikaner sind alle auf ihre Art ziemlich musikalisch, doch ist ihre Musik eher als rhythmisch denn als harmonisch zu bezeichnen. Die großen Negerfürsten halten sich meistens eigene Musikbanden ([Abb. 452]). Das Lieblingsinstrument, das wohl bei keinem Stamme fehlen dürfte, ist die Trommel, ein aus einem ausgehöhlten Baumstamm bestehender Zylinder, der mit Fell, meistens Ziegenfell, oder Eidechsenhaut überzogen ist. Die Masai kennen kein weiteres Instrument. Die Trommel kommt in allen Größen vor und spielt bei jedweder Zeremonie eine große Rolle; sie erschallt im Kriege wie im Frieden, um Regen herbeizuführen, als Ruf zu den Waffen und als Werkzeug zum Signalisieren. Zur Feier fast jedes Ereignisses werden Tänze abgehalten ([Abb. 454] und [455]), bei denen die Trommel und Biertrinken die Hauptsache ausmachen. Die Suaheli verwenden die Trommel in Verbindung mit Opfern auch dazu, Teufel auszutreiben. Steht von einem Menschen fest, daß er von einem bösen Geiste besessen ist, so ordnet der Medizinmann an, daß ein Trommeln abgehalten und gewisse Tiere geopfert werden. Dieses Trommeln wird oft viele Tage lang ununterbrochen fortgesetzt, bis die bösen Geister gewichen sind.
Phot. H. H. Johnston.
Abb. 438. Ein Sabeimann vom Nandistamme.
Die Haare sind mit Fett und Ton zu kleinen Klumpen gedreht und mit fein geschnittenen Muschelplatten behängt.
Mehr den wirklichen Musikinstrumenten nähern sich die Blashörner aus Elefantenzähnen und Antilopenhörnern, ferner kleine Pfeifen aus Elfenbein, Holz oder Knochen, sowie Flöten ([Abbild. 458]) aus Rohr (auch Panflöten). Die Hörner werden allerdings häufiger zu Signalzwecken benutzt. Ein über ganz Afrika sehr verbreitetes Instrument ist ferner die Sansa, in ihrer einfachsten Form ein Brett, auf dem eine Anzahl elastischer Stäbe oder Plättchen aus Holz oder Eisen angebracht sind, die an dem einen Ende fest aufliegen, während sie an dem anderen frei in die Luft ragen. Man spielt die Sansa in der Weise, daß man die Plättchen mit dem Daumen herabdrückt und sie wieder zurückschnellen läßt. Die Banyoro besitzen ein eigenartiges Instrument, das an unsere Xylophone erinnert: an zwei Stangen sind Holzbalken von verschiedener Länge befestigt, die mit einem Stock geschlagen werden. Von den Saiteninstrumenten findet sich in Ostafrika die über ganz Afrika verbreitete Sese, die Negergitarre, sowie Harfe und Lyra, die aus Nordostafrika stammen.
Für Unterhaltungsspiele hat der Neger großes Interesse ([Abb. 456] u. [457]). Sehr beliebt, nicht nur unter den Negern Ostafrikas, sondern unter den Schwarzen des ganzen Erdteils überhaupt, ist das Nsolo ([Abb. 463]). Es wird entweder in achtundvierzig, in vier Parallelreihen angeordneten Löchern, die man auf dem Erdboden aushebt, oder auf einem Brett, das die erforderliche Anzahl Aushöhlungen besitzt, mit Steinchen, Scherben oder Samenkörnern gespielt.
Das Handwerk steht unter den ostafrikanischen Negern in ziemlicher Blüte. In erster Linie ist hier die Eisentechnik zu nennen, sowohl die Gewinnung und Verhüttung des Rohmaterials ([Abb. 459]) wie auch im besonderen die weitere Verarbeitung, und das Schmiedehandwerk, in dem es einzelne Stämme zu wirklich meisterhafter Fertigkeit gebracht haben. Die Öfen, in denen man das Erz verhüttet, sind über einen Meter hoch und aus Lehm gebaut ([Abb. 439]); sie werden abwechselnd mit einer Schicht Holzkohle und einer Lage Eisenerze beschickt; um den Ofen herum sind eine größere Anzahl Löcher angebracht, die zur Aufnahme der Düsen des Blasebalges, für gewöhnlich eines Ziegenfelles, dienen ([Abb. 466]). Auch in der Schnitzkunst (Herstellung von Milchgefäßen, Schnitzen von Löffeln und Köchern), Bearbeitung von Elfenbein ([Abb. 460]), Anfertigung von Booten und so weiter verraten die Neger ein ziemliches Geschick. In den Bereich der Frauentätigkeit fällt die Herstellung von Tongefäßen ([Abb. 461]) und Flechtarbeiten.