Die Haare werden dick mit Fett und roter Erde eingeschmiert und in einen schweineschwanzähnlichen Zopf geflochten. Ein Ziegenfell dient als Schutz gegen den Regen.

Aus solchen Anlässen besteigen bei den Kikuyu die Priester einen heiligen Berg oder betreten einen geweihten Hain und opfern dort ein Schaf, dessen Fleisch gekocht und von ihnen verzehrt wird, während sie in das Fett Zweige eintauchen und damit die umstehenden Bäume bestreichen. Diese heiligen Haine (Kahinga) kommen im Kikuyulande häufig vor; sie heben sich hier von der sonst baumlosen Ebene auf Hügeln ab. Kein Mensch darf einen Baum in ihnen niederhauen; bei Nichtbeachtung dieses Gebotes würden Krankheit und Unglück die Folge sein. Wo sich kein Hain finden sollte, wird ein großer Baum als solcher heiliger Ort bestimmt. Die Masaifrauen beten morgens und abends zu ihrem Gott ’Ng ai; dabei heben sie die Hände, in denen sie Grasbüschel halten, zum Himmel empor. Bei jedem Gebet opfern sie auch ein wenig Milch, entweder drücken sie etwas aus ihrer eigenen Brust heraus oder gießen es aus einer Kalabasse auf die Erde. In schweren Krankheitsfällen wird von den Masai ein schwarzer Schafbock oder auch ein schwarzer Ochse geschlachtet und ein Teil seines Blutes als Opfer auf den Fußboden gegossen.

Phot. A. C. Hollis.

Abb. 442. Kikuyumädchen in vollem Schmuck.

Phot. The Hon. K. R. Dundas.

Abb. 443. Ein Sukmann mit eigenartigem Kopfputz,

bestehend in einem Sack, der sich nach hinten öffnet und Feuerbohrer, Perlen, Schnupftabak und andere Sachen in seinem Innern birgt.

Die große Mehrzahl der Stämme bringt den Geistern, beziehungsweise den Ahnen Opfer dar, meistens an den Gräbern der letzteren oder den Wohnstätten der ersteren, die man in große oder auffallende Bäume, Steine und so weiter verlegt. Die Waganda glauben, daß die Geister ihrer verstorbenen Könige in die rahmenartigen Gestelle aus Perlenarbeit eingehen, die sie auf den Gräbern derselben aufbewahren ([Abb. 464]). Die späteren Könige statten den Grabstätten ihrer Vorgänger Besuche ab und bringen ihnen Opfer dar; in früheren Zeiten bestanden diese sogar in Hunderten von Menschen, die bei solchem Besuch zur Versöhnung der Geister ihr Leben lassen mußten. Viele Stämme bauen den Geistern kleine Miniaturhütten und stellen Speise und Opfergaben für sie hinein ([Abb. 462]). Die Wagaia setzen in der Nähe ihrer Hütten Steine in die Erde, opfern an ihnen den Geistern ihrer Vorfahren Ziegen und schütten deren Blut über sie, während sie das Fleisch verzehren. Die Waganda opferten früher viele Hunderte von Menschen dem Mayanja und Kitinda, den Geistern des Leoparden und Krokodils; den Opfern für die zuletzt genannte Gottheit pflegten sie die Ellenbogen- und Kniegelenke zu zerbrechen und sie dann entweder ins Wasser zu werfen oder am Ufer als Fraß für die Krokodile liegen zu lassen. — Die Suaheli und Waganda sind die wichtigsten Vertreter des Islams in Ostafrika ([Abbild. 465]).