Aus „Kolonie und Heimat“.
Abb. 444. Wagaia beim Bemalen.
Manche Volksstämme, wie die Wagaia, pflegen sich bunt zu bemalen. Auch für den Tanz und den Kampf geben sich manche Eingeborene einen tierähnlichen Anstrich, namentlich aber für die Jagd, um sich dadurch leichter an das Wild heranpirschen zu können; Tierfelle ergänzen dann noch das Jagdkostüm.
Mit der Religion der ostafrikanischen Stämme ist allgemein der Aberglaube an Zauberei ([Abbild. 467]) so eng verknüpft, daß es vielfach schwer hält, beides voneinander zu trennen. Man glaubt allgemein, daß ein Mensch anderen Menschen durch Zauberei Unglück, Krankheit und selbst den Tod anhexen könne. Daher trägt wohl jeder Ostafrikaner zum mindesten ein Amulett oder einen Talisman bei sich, um entweder damit einen Zauber, der ihm zugefügt werden könnte, zurückzuweisen oder auch einen Vorteil für sich zu erwirken. Gehen zum Beispiel die Masaifrauen in die benachbarten Ortschaften zum Einkauf, so schützen sie sich vor Zauberei durch Bestreichen von Stirn und Backen mit Rindermist oder durch Anlegen einer Schnur um den Hals, auf der kleine gespaltene Stäbchen aufgereiht sind. Die Masaimänner tragen ein bestimmtes Amulett, um sich vor dem Zorn ihrer Ehefrauen zu schützen, wenn sie etwa auf Abwegen gegangen sein sollten. Ihre Weiber tragen ferner ein anderes Amulett um den Hals, um die Empfängnis zu fördern, oder eines um die Knöchel, um einer Erkältung der Beine zu entgehen. Die Lugware binden ein Zaubermittel an ihre Bogen, damit der Pfeil gerade gehe, die Madi legen ein Stückchen Holz um ihren Hals, um Erfolg in der Liebe zu haben, und so weiter. Als Amulette werden alle nur denkbaren Gegenstände verwendet, wie Holzstäbchen, Steine, Maiskolben, Tierzähne und -krallen, Schlangenhautstückchen, Säckchen, in die Pflanzenmehle, Holz, Samen oder — bei den Anhängern des Islams — Zettel mit frommen Koransprüchen eingenäht sind, und anderes mehr.
Phot. H. H. Johnston.
Abb. 445. Sukkrieger.
Ihr Haar ist mit weißem Ton bestrichen und mit Straußenfedern sowie einem gebogenen Stück Eisen geschmückt. Die Unterlippe trägt einen Stift.
Allgemein verbreitet ist auch der Glaube an den bösen Blick, der Menschen und Vieh krank mache. Wer in dem Verdacht steht, mit dieser Gabe ausgestattet zu sein, darf sich bei den Masai ja nicht in der Nähe eines Krals sehen lassen, sondern muß zusammen mit seiner Familie in einem besonderen Kral abseits leben; sollte er es wagen, den fremden Kral zu betreten, so kann er gewärtig sein, totgeschlagen zu werden. Erkranken Menschen oder Tiere plötzlich, ohne daß man es sich durch natürliche Ursachen, wie eine im Kampfe empfangene Wunde, erklären kann, dann führt man dies auf Hexerei von seiten bösgesinnter Menschen zurück. Selbst die verhältnismäßig hochstehenden Suaheli glauben fest daran, ein Mensch könne umgebracht werden, wenn er über ein Horn schreite, das man ihm auf den Weg gelegt habe, oder wenn ein Zauberbann über ihn verhängt werde. Man behauptet auch, daß die Hexen für gewöhnlich Leichen essen und schon darum bestrebt seien, den Tod eines Menschen herbeizuführen.