Trotzdem die Religion der Wedda in einem Totenkult gipfelt, machen sie mit ihren Verstorbenen keine besonderen Umstände. Stirbt jemand, so bleibt sein Körper einfach in der Höhle oder unter dem Felsenspalt liegen, wo der Tod eintrat; die Leiche wird weder gewaschen noch bekleidet oder in irgend einer Weise geschmückt, man läßt sie auf dem Rücken liegen und deckt sie nur mit Blättern und Zweigen zu; in früheren Tagen wälzte man noch einen Stein auf die Brust, jedenfalls um zu verhindern, daß die Seele austrete und die Überlebenden belästige. So schnell wie möglich wird die Höhle von den Angehörigen verlassen und für längere Zeit gemieden. Nach Jahren pflegen die Söhne zumeist wieder zu dieser Stätte zurückzukehren und die etwa noch vorhandenen Knochen einfach in den Dschungel zu werfen. — Um die Geister gut zu stimmen, hält man es gewöhnlich für notwendig, den Verstorbenen eine Opfergabe, meistens ein bis zwei Wochen nach dem Tode, darzubringen; dieses Opfer muß aus gekochtem Reis und Kokosnußmilch, häufig auch noch aus Betelblättern und Arekanuß bestehen. In jeder Gemeinde gibt es wohl immer einen Schamanen, der die erforderliche Macht und die Kenntnisse besitzt, um die Geister, die Yaku, anzurufen; er fordert die kürzlich Verstorbenen auch auf, zu kommen und das ihnen dargebotene Opfer anzunehmen. Der Yaka kommt, nimmt von dem Schamanen Besitz und spricht durch dessen Mund mit heiseren gutturalen Tönen, daß er mit dem Opfer zufrieden sei und sich bemühen werde, den Angehörigen seiner Sippe bei der Jagd behilflich zu sein; oft gibt er ihnen auch an, welche Richtung die Männer beim nächsten Jagdausflug einzuschlagen haben, um Beute heimzubringen. Nachdem die Seele den Schamanen verlassen hat, verzehren die versammelten Hinterbliebenen den Reis, gewöhnlich sogleich an der Stelle, wo sie das Opfer darbrachten.

Singhalesische Teufelstänzer,

die groteske, Dämonen darstellende Holzmasken tragen. Diese Dämonen sollen in Krankheitsfällen durch die Teufelstänzer versöhnt werden. Über den Rücken des linken Tänzers hängt eine dreiköpfige, die Maske überragende Kobra. Alle Dämonen stellen sich die Singhalesen mit großen weißen Fangzähnen und starren, unbeweglichen Augen vor. Diese sonderbaren Teufelstänze sollen gewöhnlich einen guten Einfluß auf den Kranken ausüben.


GRÖSSERES BILD

Die herrschende Klasse auf Ceylon sind die Singhalesen, ein aus Nordindien eingewanderter Volksstamm, der zwar bei seinem Erscheinen schon gemischt war, aber im großen und ganzen doch in seinem Äußeren die Merkmale des Hindutypus seines Ursprungslandes bewahrt hatte. Dementsprechend besitzen sie feine, regelmäßige Züge; besonders die Frauen sind manchmal wirkliche Schönheiten ([Abbild. 91]). Von ihren dunkelhäutigen Mitbewohnern der Insel unterscheiden sich die Singhalesen durch ihre größere Gestalt (die Männer im Durchschnitt hundertdreiundsechzig Zentimeter), eine geringere Pigmentierung der Haut, die ein helles Braun oder hellbräunliches Gelb aufweist, eine größere und schmalere, feinere Nase und reichliches Körper- und Barthaar; schöngepflegte Vollbärte sind keine Seltenheit unter ihnen.

Abb. 91. Singhalesin.

Die Singhalesen wohnen zumeist in Dörfern ([Abb. 93]) in den Tälern und Falten der Gebirge im Innern, sowie an der Küste; hier größtenteils in besonderen Vierteln der großen Städte.

Ihrem Charakter nach sind die Singhalesen klug, höflich, würdevoll und ernst, auch selbstbewußt; die des Unterlandes aber verweichlicht, schlaff und energielos. Dieser Eindruck wird noch durch ihre Kleidung erhöht. Ein um die Hüften geschlungenes Tuch macht bei beiden Geschlechtern das nationale Gewand aus; es hat bei den Männern verschiedene Länge, je nach der sozialen Rangordnung seines Trägers. Die Singhalesen zerfallen nämlich in eine Reihe Berufskasten; die vornehmste Kaste stellen die Goiwansa (die höheren Beamten und Grundbesitzer); es folgen sodann im Range die Karawo (Fischer), die Tschaudo (Palmweinbauern), die Atschari (Handwerker allerlei Art) und so weiter; auf der niedrigsten Stufe stehen die Rodiya ([Abb. 92]), denen jeglicher Verkehr mit Menschen höherer Klasse verboten ist. Diese Paria dürfen ihr Gewand nur bis zu den Knien, höchstens bis zu den Waden reichen lassen, dagegen die Goiwansa dürfen ein solches bis zu den Knöcheln tragen, was für große Vornehmheit gilt. In den Städten des Unterlandes tragen die Männer außerdem noch eine nach europäischem Schnitt angefertigte Jacke, im Berglande aber gehen sie mit entblößtem Oberkörper einher. Einen besonders weichlichen Eindruck macht die Haartracht der Männer. Ihr langes Haar wird nach hinten zusammengerafft und durch einen halbkreisförmig gebogenen, quer über den Hinterkopf gelegten Schildpattkamm zurückgehalten. Im Oberland, wo diese Tracht nicht üblich ist, wird das Haar durch ein um den Kopf gelegtes Tuch hochgehalten oder bleibt auch ganz unbedeckt. Der Rock der Frauen gleicht dem der Männer; es wird von ihnen gleichfalls ein langes Tuch um den Unterkörper geschlungen, aber es ist so lang, daß es noch den Oberkörper einzuhüllen vermag. Sein Ende wird nämlich über die linke Schulter geworfen und an der Taille wieder unter das untere Stück eingesteckt. Den untersten Kasten ist es verboten, mit dem gleichen Stück auch den Oberkörper zu bedecken; sie müssen hierzu ein besonderes Tuch verwenden. — Alle Singhalesen bekunden eine große Vorliebe für Schmuck, von dem wohl keine Körperstelle freigelassen wird; Finger, Vorder- und Oberarm, Hals, Ohren, Taille und selbst Fußgelenke und Zehen werden, wenn es die Verhältnisse erlauben, mit Schmuck gleichsam überladen, der nach Möglichkeit aus Edelmetallen (Gold und Silber) sowie aus Edelsteinen und Perlen besteht. Bei festlichen Gelegenheiten wird von den Frauen ein wahrer Prunk entfaltet; wo der eigene Besitz dazu nicht ausreicht, wird der Zierat von guten Bekannten geliehen.