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GRÖSSERES BILD
Sehr verbreitet ist unter den Hindu das Darbringen von silbernen Nachbildungen einzelner Körperteile, die erkrankt waren ([Abb. 141]), oder von ineinandergeschlungenen Schlangen nach überstandener Krankheit, des Modells eines Hauses nach einem gewonnenen Prozeß und anderer Dinge mehr als Votivgaben. Kinderlose Frauen geloben, unter einem heiligen Feigenbaum einen Stein mit dem eingravierten Doppelschlangensymbol aufzustellen; auch erbitten kinderlose Eltern manchmal vor einer Reihe solcher Steine, vor einem Lingamstein und einer Steinfigur der Ganeshagottheit Nachkommenschaft ([Abb. 142]).
Der Feuerlauf, den wir bereits bei den Fidschiinsulanern (I. Band Seite 46) kennen gelernt haben, ist allenthalben sehr verbreitet; er wird hauptsächlich von solchen Leuten, die unter einem Gelübde stehen, ausgeführt, und zwar vor dem Schrein der Draupadi. Draupadi lebte einst mit fünf Brüdern Pandava in Vielmännerei und unterzog sich dieser Prozedur, um den Beweis für ihre Keuschheit während der Verbannung ihrer Männer anzutreten. Nachdem die Gläubigen an dem Tage der Zeremonie gefastet und zu der Göttin vor ihrem Schrein gebetet haben, wird ihr Bildnis auf den Schauplatz, wo sich der Vorgang abspielen soll, hingetragen. Der Priester, der bereits die Vorzeichen befragt hat, geht, mit Girlanden geschmückt und in gelbes Tuch gekleidet, zuerst über die glühende Asche, ihm folgen die Anbeter, die, nachdem sie hindurchgegangen sind, ihre Füße in einer Wasserpfütze, „Milchtopf“ genannt, abkühlen. An manchen Orten treten allerdings Blumen an die Stelle der Aschenglut, auf denen man zu Ehren der Göttin wandelt. — Eine ganz sonderbare Zeremonie, die heutzutage von der Regierung verboten wird, ist das Hakenschwingen, bei dem große eiserne Haken in den Rücken eines Menschen getrieben werden ([Abb. 144]). Dieser hängt am Ende eines hölzernen Hebels oben an einem hohen Mast und wird über der versammelten Menge in der Luft geschwungen. Der Zweck dieser Sitte war eine Beeinflussung der Witterung bei Regenmangel, eine Steigerung der Ernte, eine Beseitigung der Cholera und eine Erhöhung der Geburtenzahl. In der Provinz Mysore wird jetzt an Stelle eines Menschen bei diesem Fest eine kleine Figur, Sidi Viranna genannt, die in bunten Aufputz gekleidet ist und Schild und Schwert in den Händen trägt ([Abb. 143]), an einem aus menschlichem Haar geflochtenen Seil an einem Balken aufgehängt und geschwungen.
Phot. Wiele & Klein.
Abb. 131. Ein Hohepriester eines Vaishnavatempels zu Tirapadi
mit dem heiligen Zeichen auf der Stirn und anderen religiösen Abzeichen auf Brust und Schultern.
Phot. Wiele & Klein.
Abb. 132. Kampf zwischen zwei Elefanten,