denen die Stoßzähne abgesägt wurden. Die eingeborenen Wärter sind mit langen Lanzen bewaffnet.
⇒
GRÖSSERES BILD
Die Hindu sind durchweg gläubige Anhänger krassen Aberglaubens. Bei allen wichtigen Gelegenheiten, wie Pubertät, Hochzeit, Todesfall, Aufbruch zur Reise, Prüfungstag, Neujahrsmorgen, werden die Vorbedeutungen zu Rate gezogen, und die Liste solcher Vorzeichen ist sehr groß. Zu den guten Vorbedeutungen rechnet man eine Jungfrau, Brahmanen, einen Radscha, einen Elefanten, eine Kuh mit ihrem Kalb, einen gebundenen Bullen, einen Topf mit Wasser und Milch, zu der Zahl der ungünstigen aber einen lahmen oder blinden Mann, eine Leiche, eine Witwe, einen Barbier, einen Wäscher, einen Besenstiel, zerbrochenes Geschirr, eine Katze und einen Esel. Manchmal hängt die Deutung auch davon ab, wie ein Satz Eier von der Henne ausgebrütet wird, wie ein Huhn nach dem Getreide pickt, wie die Milch beim Überkochen über den Topf läuft, ob eine Ziege oder ein Schaf beben, wenn man über sie Wasser schüttet, oder wie eine Blume von dem Kopfe eines Götzenbildes herabfällt. Das Auftauchen vieler Tiere bedeutet Glück oder Unglück; so zeigt der Ruf eines Schakals das eine oder das andere, je nach der Richtung, aus der er erschallt, an, bedeutet der Anblick eines Hasen für einen Wanderer Mißerfolg, ebenso das Erscheinen einer Katze oder einer Kuh am frühen Morgen, das Ersteigen des Daches durch einen Hund oder eine Ziege, das Einnisten einer Eule in einem Hause, das Hervorkriechen einer Schildkröte unter dem Pflug Unglück, und vieles andere mehr. Auf der anderen Seite erwartet man Glück, wenn Sperlinge ihr Nest in einem Hause bauen. — Ungemein verbreitet ist auch der Glaube an die Wirksamkeit eines Zaubermittels oder Talismans, wenn man solche zum Schutze gegen Teufel oder den bösen Blick ([Abb. 145]), oder zum Zeichen eines Gelübdes, um eine Krankheit zu heilen, oder um einen Prozeß zu gewinnen trägt; die unmöglichsten Dinge werden dazu verwandt bis herab zu einem Stück Scherben vom Begräbnisplatz her oder dem getrockneten Fuß einer Schildkröte, einem Krokodilzahn, der Borste aus einem Elefantenschwanz, Bärenhaaren, Tigerklauen, einer Schakalschnauze oder dem Schwanz eines Skorpions. — Mit Buchstaben, Zeichen und Figuren bedeckte oder eingravierte Steintafeln werden oft an der Grenze der Dörfer angebracht, um seine Einwohner und das Vieh vor Krankheit zu schützen. Ist in einem Hause Krankheit ausgebrochen, dann wird bei Nacht in aller Stille an Wegkreuzungen ein geometrisches Muster auf die Erde gezeichnet oder vor dem Kranken eine Figur aus Reismehl, die mit Münzen an den verschiedensten Körperstellen beklebt ist, geschwungen und dann auf den Kreuzweg gelegt; man hofft dabei, daß dort die Krankheit auf einen zufällig Vorübergehenden übertragen werde. — Um einen Feind zugrunde zu richten, formt man ein Bild aus Wachs, Mehl, Blei oder Erde, auf die er getreten hatte, und vergräbt es oder verbrennt es unter mystischen Handlungen.
Phot. Wiele & Klein.
Abb. 133. Pilger beim Baden in dem heiligen Teich gelegentlich des Mahamakhafestes zu Kumbakonam,
das einmal alle zwölf Jahre abgehalten wird.
Phot. Wiele & Klein.
Abb. 134. Pilger beim Baden gelegentlich des Mahamakhafestes zu Kumbakonam.