Phot. V. Arumynayagam.
Abb. 153. Hochzeitsbrauch bei den Tamilen.
Braut und Bräutigam sitzen in einer Sänfte, die mit allerhand Zierat und mit geschnitzten Figuren an den Ecken ausgeschmückt ist. Die die Sänfte umstehenden Personen zeigen den charakteristischen Typus der Tamilen, deren Haar über der Stirn wegrasiert ist.
Bisher haben wir die Hochzeitsbräuche der Bewohner Südindiens behandelt, die nicht die allgemeine Regel bilden, sondern vielmehr eine seltenere Erscheinung ausmachen. Wir wollen jetzt die ersteren hier nachholen. Bereits mehrfach war von dem Tāli (auch Bottu genannt) die Rede. Es ist dies ein goldener Ziergegenstand, welcher der Braut ([Abb. 152]) um den Hals gebunden wird, nachdem er unter den Hochzeitsgästen die Runde gemacht und deren Segen empfangen hat, und etwa unserem Trauring entspricht, also das hindostanische Eheabzeichen ([Abbild. 155]) vorstellt. Bei manchen Kasten tritt an Stelle dieses wertvollen Gegenstandes eine Halskette aus schwarzen Perlen oder nur ein mit Safran gefärbtes Band. Safran bildet überhaupt einen wichtigen Bestandteil des indischen Zeremoniells. Die Sitte, sich damit das Gesicht zu färben, ist bei den Frauen sehr verbreitet; sie meinen dadurch ihren Männern mehr Lebensjahre zu verschaffen; daher pflegen sie sich geradezu verschwenderisch mit Safranwasser zu waschen. Um den bösen Blick abzuwenden, wird bei Hochzeiten ein Gefäß, das unter anderem auch Safranwasser enthält, vor dem Brautpaar geschwungen; beide baden sich darin und begießen sich gegenseitig damit.
Phot. E. Thurston.
Abb. 154. Ganigabrautleute aus dem Kanaragebiet.
Phot. E. Thurston.