Dann schuf der Rabe aus Lehm noch zwei weitere Tiere, denen er wie früher Leben einhauchte, aber da sie nur stellenweise trocken waren, als sie belebt wurden, blieben sie braun und weiß gefleckt und so entstand das zahme Renntier mit seinem fleckigen Fell. Sie gefielen dem Mensch gut, und der Rabe belehrte ihn, daß sie sehr wertvoll werden würden. Auf die gleiche Weise wurde dann ein Paar wilder Renntiere geschaffen, die der Rabe nur am Bauch trocknen und weiß werden ließ, bevor er sie belebte; daher kommt es, daß der Bauch der einzige weiße Teil der wilden Renntiere ist. Der Rabe verriet nun dem Menschen, daß diese Tiere sehr gewöhnlich sein werden und die Menschen würden viele von ihnen töten.

»So allein wirst du dich einsam fühlen«, sagte dann der Rabe, »ich will dir einen Gefährten schaffen.« Er ging nun zu einer Lacke, die etwas von der, wo er die Tiere geschaffen hatte, entlegen war und schuf, indem er ab und zu auf den Menschen sah, ein ihm sehr ähnliches Bildwerk. Dann befestigte er als Haar ein Büschel feinen Wassergrases an seinem Kopf, und nachdem er in seinen Händen das Bild getrocknet hatte, schwang er wie früher seine Fittige über ihm und ein wunderschönes Weib entstand neben dem Mann. »Da ist ein Gefährte für dich!« sagte der Rabe und führte sie zu einem kleinen Hügel in der Nähe weg.

In diesen Tagen gab es weit und breit keine Berge und es war ewig heller Sonnenschein. Kein Regen fiel und keine Winde wehten. Als sie zu dem Hügel kamen, zeigte ihnen der Rabe, wie man aus trockenem Moos ein Bett macht und sie schliefen da gut und warm; der Rabe zog seine Maske herab und schlief als Vogel in der Nähe. Er erhob sich vor den andern, ging wieder an den Bach und schuf je ein Paar Äschen, Stichlinge und Lippfische. Als die im Wasser herumschwammen, rief er die Menschen, sie anzusehen. Der Mensch sah hin und wie die Stichlinge mit wirbelnden Bewegungen gegen die Strömungen schwammen, streckte er überrascht die Hände nach einem aus, aber der Fisch entkam ihm. Nun zeigte ihm der Rabe die Äschen und belehrte ihn, daß sie in den klaren Bergflüssen zu finden seien, während die Stichlinge an der Meeresküste leben würden, und daß diese beiden Arten gut zu essen seien. Danach wurde die Spitzmaus geschaffen, von der der Rabe sagte, daß man sie zwar nicht essen könne, daß sie aber den Boden belebe und das Land davor bewahre, freudlos und unfruchtbar auszusehen.

So schuf der Rabe noch einige Tage lang Vögel, Fische und Säugetiere, zeigte sie den Menschen und erklärte ihren Nutzen.

Dann flog er in den Himmel und blieb vier Tage lang weg. Als er zurückkam, brachte er dem Menschen einen Lachs. Er sah sich um und bemerkte, daß die Pfützen und Seen still und einsam waren, und so schuf er viele Wasserinsekten für ihre Oberflächen, und aus dem gleichen Material machte er den Biber und die Bisamratte, um die Ufer zu beleben. Dann wurden noch Fliegen, Mücken und andere Land- und Wasserinsekten geschaffen, und der Mensch dessen belehrt, daß sie nur geschaffen seien, um die Erde zu beleben und fröhlich zu machen. Zu jener Zeit waren alle Mücken wie die Hausfliegen und stachen nicht, wie heutzutage.

Er zeigte dem Menschen dann die Bisamratte und riet ihm, ihr Fell als Kleidung zu verwenden. Er erzählte ihm auch, daß der Biber an den Flüssen hausen und starke Baue errichten werde, und daß er diesem Beispiel folgen müsse und auch so schlau sein, denn ihn könnten nur gute Jäger erwischen.

Um diese Zeit gebar die Frau ein Kind und der Rabe gab dem Menschen Anleitungen, wie es zu ernähren sei und erklärte, daß es auch zu so einem Menschen, wie er sei, heranwachsen werde. Kaum war das Kind geboren, da brachte es der Rabe mit dem Menschen an einen Bach, rieb es mit Schlamm ab und sie kehrten dann wieder zu ihrem Aufenthaltsort am Hügel zurück. Am anderen Morgen lief das Kind schon herum und riß Gras und andere Pflanzen aus, die der Rabe in der Nähe wachsen ließ. Am dritten Tag war es schon ein erwachsener Mann.

Nun fiel es dem Raben ein, daß die Menschen alles was er geschaffen, zerstören würden, wenn er nicht etwas schüfe, um sie zu schrecken. Er ging also an einen Bach in der Nähe und formte einen Bären; er belebte ihn dann und wie der Bär grimmig dreinschauend dastand, sprang er rasch zur Seite. Dann holte er den Menschen und belehrte ihn, daß der Bär ganz schrecklich sei, und wenn er ihn störe, ihn in Stücke reißen werde. Dann wurden die verschiedenen Robbenarten geschaffen und ihre Namen und Gewohnheiten dem Menschen erklärt. Der Rabe lehrte den Menschen noch, wie man aus Seehundsfellen ungegerbte Schnüre und Schlingen für Rotwild mache, aber er warnte ihn davor mit dem Rotwildfang früher zu beginnen, als bis es zahlreich genug sei.

Um diese Zeit war das Weib wieder in der Hoffnung und der Rabe erklärte, es werde diesmal ein Mädchen werden und sobald es geboren sei, müßten sie es mit Schlamm abreiben, und wenn es erwachsen sei, müsse es den Bruder ehelichen. Dann ging der Rabe weg, zu dem Platz, wo er in der Erbsenranke den ersten Menschen gefunden hatte. In seiner Abwesenheit wurde ein Mädchen geboren und das Paar tat wie ihm befohlen war; am nächsten Tag lief das Mädchen schon herum. Am dritten war es eine erwachsene Frau und wurde, wie der Rabe befohlen hatte, dem jungen Mann vermählt, auf daß die Erde rascher bevölkert werde.

Als der Rabe zur Erbsenschote kam, fand er drei andere Männer, die gerade aus der Schote, die den ersten hervorgebracht hatte, gefallen waren. Diese Männer sahen sich, wie der erste, verwundert um, und der Rabe führte sie in einer Richtung, die jener, in der er den ersten mitgenommen hatte, entgegengesetzt war, weg und brachte sie hart am Meer aufs Festland. Hier blieben sie und der Rabe blieb lange Zeit bei ihnen und lehrte sie, wie sie leben sollten. Er lehrte sie Feuerbohrer und Bogen aus einem trockenen Holzstück und einer Saite anzufertigen; das Holz nahm er von Sträuchern und kleinen Bäumen, die er an geschützten Orten in Rinnen an den Abhängen wachsen ließ. Er schuf für jeden der Männer ein Weib und viele Pflanzen und Vögel, die die Seeküste bewohnen; es waren aber weniger Arten, als er im Land, wo der erste Mensch lebte, gemacht hatte. Er lehrte die Menschen Bogen, Pfeile, Netze und alle anderen Jagdgeräte machen und auch ihren Gebrauch, besonders, wie man die Robben fängt, die jetzt im Meer massenhaft vorkamen. Er lehrte sie Kajaks machen und zeigte ihnen, wie man aus angeschwemmten Balken, Ästen und Erde gutgedeckte Häuser baue. Jetzt wurden auch die drei Frauen der Männer schwanger und der Rabe ging wieder zum ersten Menschen zurück, wo er die Kinder verheiratet fand. Er erzählte dem Menschen dann alles, was er für die Leute an der Küste getan hatte; sah sich dann um und fand, daß die Erde kahl aussehe. Er ließ also, als die anderen schliefen, an geschützt gelegenen Stellen Birken, Rottannen und kanadische Pappeln wachsen und weckte dann die Leute, die sich über den Anblick der Bäume sehr freuten. Dann lernten sie mit dem Feuerbohrer Feuer machen, wie man den Zunderfunken in ein Bündel trockenen Grases legt und herumfächelt bis es aufflammt und dann trockenes Holz nachlegt. Er zeigte ihnen, wie man Fische auf einem Stock braten kann, aus Weidenrinde und Spänen Fischfallen macht, Lachse für den Winter trocknet und Häuser baut.