Der allgemeine Wert guter Memoiren ist von keiner Zeit deutlicher empfunden worden als der unsrigen. Für die Mehrzahl aller Gebildeten gilt heute mehr als je, was Goethe von sich über die starke Anziehungskraft berichtete, die „alles wahrhaft Biographische“ auf ihn ausübte.

Um so sonderbarer mag es anmuten, daß in keinem Lande der Welt seither der Versuch unternommen wurde, die wertvollsten Memoiren aller Zeiten und Völker in einem Sammelwerke zu vereinigen. Wohl gibt es Memoiren-Sammlungen verschiedener Art, aber eine umfassende Sammlung aus der ganzen Weltliteratur existiert noch nicht. Sie ist nicht leicht herzustellen — und je geringeren Umfang sie haben soll, desto schwerer. Aber sie kann von allergrößtem Interesse für jeden sein, für den die lebendige Schilderung von Vorgängen aus Geschichte und Kulturgeschichte Reiz besitzt.

Welche Schätze in diesen vergessenen Memoiren schlummern, das zeigen schon einige der ersten Bände dieser Sammlung. Hoffentlich erregen sie das gewünschte Interesse und erfüllen damit ihren Zweck: die Neigung für die Beschäftigung mit Geschichte und Kulturgeschichte zu stärken und Hunderten Wissensdurstiger Stunden interessanter Belehrung zu verschaffen.

Von der
Bibliothek wertvoller Memoiren
erschienen bis jetzt folgende Bände:

Band 1: Reisen des Venezianers Marco Polo im 13. Jahrhundert. Bearbeitet von Dr. Hans Lemke, Berlin. 543 Seiten. 3.-5. Tausend.

Band 2: Deutsches Bürgertum und deutscher Adel im 16. Jahrhundert. Erinnerungen des Stralsunder Bürgermeisters Bartholomäus Sastrow und des schlesischen Ritters Hans von Schweinichen. Bearbeitet von Dr. Max Goos, Hamburg. 324 Seiten.

Band 3: Aus der Dekabristenzeit. Erinnerungen hoher russischer Offiziere von der Militär-Revolution des Jahres 1825 (Jakuschkin, Obolenski, Wolkonski). Bearbeitet von A. Goldschmidt, Berlin. 382 Seiten.

Band 4: Die Eroberung von Mexico. Drei eigenhändige Berichte von Ferdinand Cortez an Kaiser Karl V. Bearbeitet von Dr. Ernst Schultze. Mit Bildern und Plänen. 645 Seiten.

Band 5: Die Erinnerungen des Grafen Paul Philipp von Ségur, Adjutanten Napoleons I. Bearbeitet von Friedrich M. Kircheisen, Genf. Mit Kartenskizzen im Text. 472 Seiten.

Band 6: Erinnerungen aus dem indischen Aufstand 1857/58. Von Lady Inglis und Sergeant Forbes-Mitchell. Bearbeitet von Elisabeth Braunholtz, Cambridge. Mit Bildern und Plänen. 376 Seiten.