Thord zog nun weiter, der Heimat zu, als er sich aber wieder den Handelsplatz ansehen wollte, entdeckte er weiter nichts als Thordshöfde, das unweit vor ihm lag; er wunderte sich sehr darüber, ging nach Hause, traf seine Frau an und erzählte ihr alles, zeigte ihr die Waren und gab ihr das Tuch. Sie freute sich sehr darüber und dankte ihrem Mann für das Geschenk. Thords Waren kamen weit herum, um gesehen zu werden, und nie hatte man Ähnliches hierzulande gesehen, und vielleicht wäre ihresgleichen nicht zu finden, auch wenn man an vielen Orten suchen würde.
Thord sah weder den Kaufmann, noch seine Leute jemals wieder. Aber an den Waren hatte er etwas zu zeigen, solange er lebte.
Die Kinderwiege
Kirstine, die auf Klein-Thveraa wohnte, erzählte von ihrer Mutter, die hellseherisch war, daß sie einmal als Kind auf der Wiese gewesen wäre und von da aus zwei Weiber hätte den Berg herunterkommen sehen, die ein männliches Wesen zwischen sich hatten, das etwas trug. Als sie sich näherten, sah sie, daß es eine Wiege war, über die etwas Rotes gebreitet lag. Dann nahmen sie den Mann und bleuten ihn tüchtig durch, bis er allmählich kleiner und schließlich zu einem Zwerg wurde. Dann begannen sie, ihn zu kneten, bis er nicht größer als ein Wickelkind war. Darauf legten sie ihn in die Wiege, breiteten das rote Tuch darüber, trugen sie zwischen sich und steuerten mit alledem dem Hof zu.
Da erzählte das Mädchen ihrer Mutter, was sie alles gesehen hatte, diese aber machte eine hastige Wendung, lief nach Hause und kam vor den Huldreweibern an eine Kinderwiege, die sie draußen auf dem Hof hatte stehen lassen. Als die Huldreweiber das sahen, nahmen sie ihr das Kind sofort wieder aus der Wiege heraus, verprügelten es und stießen es vor sich her. Bei dieser Behandlung wurde der Zwerg im Handumdrehen immer größer, bis er war, wie er ursprünglich gewesen war; dann folgte er ihnen auf den Berg, und dort verschwanden sie alle drei.
Der Wechselbalg von Sogn
Der Hof Sogn wurde einmal von zwei Bauern bewohnt; der eine Halbhofbauer hatte einen Sohn, von dem man glaubte, daß er nicht recht gescheit sei; denn er konnte weder lesen, noch schreiben oder sich sonst etwas vornehmen, sondern lag immer im Bett und aß, wie es den Leuten schien, für zwei. Am ehesten glaubte man von diesem Jungen, daß er ein Wechselbalg sei; es dauerte aber doch eine ganze Weile, bis man dessen ganz sicher war.
Als er das Einsegnungsalter erreicht hatte, geschah es einmal im Winter, daß alle Leute, außer ihm, aus der Badstube gegangen waren, um ihren Beschäftigungen nachzugehen; er aber lag in seinem Bett, wie er zu tun pflegte. In derselben Badstube aber lag die Frau des andern Halbhofbauern im Wochenbett, und neben ihr lag das Kind. Als die Leute hinausgegangen waren, hörte die Wöchnerin, daß den Jungen ein so heftiges Gähnen überkam, daß sie sich unbehaglich zu fühlen begann und ins Zittern geriet, als sie sein unheimliches Benehmen sah. Darauf hörte sie, wie er anfing, sich im Bett hin- und herzuwerfen und zu strecken; dann sah sie, daß er sich im Bett aufrichtete und sich so hoch reckte, daß er bis an die Decke der Badstube reichte. Die hatte aber an der einen Seite eine Galerie, und hoch oben im Sparrenwerk waren kleine Querbalken. Da überfiel ihn das Gähnen von neuem, und er lehnte den Kopf oben gegen einen Querbalken, so daß er ihn mitten im Schlund hatte, wenn er gähnte, dergestalt, daß der obere Teil seines Mundes obenauf, der untere Teil aber unter dem Balken lag; er war auch sonst so furchtbar häßlich und abscheulich anzusehen, daß die Frau einen Todesschreck bekam und himmelhoch aufschrie vor Angst über das Gesehene, und weil sie sich allein mit ihm in der Badstube wußte; und noch lange nach diesem unheimlichen Gesicht war sie sehr furchtsam. Kaum aber hatte die Frau diesen Schrei ausgestoßen, als er wie von einer Kugel getroffen zusammensank und ins Bett kroch und sich zurechtlegte, ehe die Leute wieder hereinkamen.
Von diesem Tage an war man nicht mehr im Zweifel, daß der Junge ein Wechselbalg war.