Im nächsten Winter geschah es eines Abends, daß sämtliche Fensterscheiben im Hof zerschlagen wurden. Der Bauer stürzte hinaus, um zu sehen, wer ihm diesen Streich gespielt hätte; er sah aber niemand, auch zeigte der frischgefallene Schnee weder Spuren von Menschen, noch von Tieren.

Ein anderes Mal wurde das Licht, das auf dem Tisch stand, gleichsam von einer menschlichen Hand ausgelöscht, ohne daß ein Mensch zu sehen war. Ein Mädchen ging in die Küche hinaus, um das Licht wieder anzuzünden, sie konnte aber das Feuer am Herd nicht zum Aufflammen bringen. Dreimal versuchte sie, es anzuzünden, und alle dreimal wurde ihr das Licht sofort wieder ausgelöscht. Da kam schließlich der Bauer selbst hinaus, und ihm gelang es nach vieler Mühe, das Licht zum Brennen zu bringen.

Einmal wurden dem Bauern ein Paar schwere und dicke Schuhe von einer unsichtbaren Hand an den Kopf geworfen; er wurde zornig und warf die Schuhe nach derselben Richtung, aus der sie gekommen waren, zurück; da aber wurden sie ihm mit doppelter Geschwindigkeit wieder ins Gesicht geschleudert.

Schließlich wurde den Leuten bei diesen Heimsuchungen so unheimlich zumute, daß der Bauer mit allem, was ihm gehörte, von dem Hofe fortzog, der von dieser Zeit ab nicht mehr bewohnt wurde.

Guldbraa und Skegge

Hvam in den Tälern, der alte Hauptsitz der Sturlunger, liegt in einem nicht sehr breiten Tal. Ein Bach fließt durch das Tal, und gerade gegenüber Hvam, jenseits des Baches, liegt ein Hof, der Akur heißt; andere Höfe gibt es nicht in dem Tal. Akur ist früher bewohnt gewesen, auch wenn es so aussieht, als gehöre er eigentlich zum Besitztum von Hvam; denn schon in der Sturlungersage wird von Akur an der Stelle berichtet, wo Sturla seinen Traum erzählt und sagt, es schiene ihm, als wäre er am Abhang »gegenüber Akur«. Nach Guldbraa, die zuerst auf Akur gewohnt haben soll, sind mehrere Orte im Tal benannt worden, und über sie ist folgende Erzählung im Westlande allgemein bekannt.

Audur, die Bodenreiche, nahm alles Land am Hvamsfjord in Besitz und wohnte später auf Hvam. Dort lebte sie, von großer Pracht und vielem Reichtum umgeben. Auf der östlichen Seite des Baches graste das Vieh, die Felder aber lagen gegen Westen im Tal und reichten bis zum Abhang hinauf. Diese Felder waren sehr fruchtbar, jedoch ließ Audur ein Stück der Erde brach liegen, wenngleich dies genau so fruchtbar wie der übrige Boden zu sein schien, und mit Strenge verbot sie ihren Knechten, je den ganzen südlichen Acker zu bebauen oder das Vieh dort weiden zu lassen, und wenn das einmal geschah, so durfte das Vieh beim nächsten Melken nicht benutzt werden.

Es geschah, als Audur, die Bodenreiche, sehr alt geworden war, daß einmal ein wunderschönes, junges Weib nach Hvam kam. Sie nannte sich Guldbraa, niemand aber wußte, wo sie herkam, oder aus welchem Geschlecht sie war. Sie traf die Hausfrau nicht selbst an, sondern nur ihren Hausmeister. Sie fragte ihn, weshalb die Felder südwärts des Baches nicht bebauet wären; er aber antwortete ihr, daß Audur verboten hätte, sie je zu bebauen. Da lachte sie laut und wollte dieses Land kaufen. »Ich will lieber den kleinsten Hügel davon haben als den ganzen Boden von Hvam; denn es ahnt mir, daß die Sitte hier allgemein, und das Haus gebaut werden wird, das ich am meisten von allen hasse; gib mir deshalb sofort das Kaufrecht für das Land, ohne erst Audur zu fragen,« sagte sie und reichte ihm einen Beutel, der mit Gold gefüllt war; da ihm aber das Gold gut gefiel und Audur das Regiment über den Hof außerdem aus der Hand gegeben hatte, nahm er das Gold und gab ihr das Kaufrecht.

Audur erhielt bald Kenntnis davon und verjagte ihren Hausmeister; sie sagte, daß er keinen Segen durch dieses Gold haben würde; denn es ahnte ihr, daß diese Guldbraa eine Hexe und ein schlimmer Gast sei; nun aber waren ihre Ahnungen von dem Lande südwärts des Baches in Erfüllung gegangen. »Jedoch wird das Glück dem Boden Hvams anhaften,« sagte sie, »so daß das nichts schaden wird.« Da kam der Hausmeister mit dem Beutel nach Hause und wollte ihn Audur geben, um sie zu besänftigen. Er band ihn auf, aber es wälzte sich ein großes Bündel Schlangen unter furchtbarem Gestank aus dem Beutel, und er verlor den Verstand und starb kurz darauf. Er wurde nebst dem Beutel in eine Spalte des Felsens gelegt, der auf dem Grund und Boden stand, den Guldbraa gekauft hatte, und seitdem heißt dieser Ort die Schlangenschlucht.

Audur ließ den Kauf zu Recht bestehen; aber alle Felder südwärts des Baches, unten vom See hinauf bis an eine tiefe Felsenkluft im Tal, ließ sie brachlegen; sie ließ drei Kreuze auf den Rand des Felsens setzen, weshalb diese Stelle später die Kreuzkluft genannt wurde, und sie sagte, daß Guldbraas Zauberkünste keine Macht über diese Kreuze haben würde, solange sie lebte. Guldbraa ließ auch niemanden diese Kreuze anrühren und hütete sich, ihr Vieh dort in die Nähe kommen zu lassen. Sie baute einen großen Hof auf ihrem Stück Land; da errichtete sie ein Opferhaus und nahm große Opferungen vor und übte viel Zauberei aus. Immer aber mißlangen ihre Zauberkünste, wenn sie während derselben die Augen nach Hvam wendete; sie sagte, daß sie stets irgendwo auf dem Heimacker von Hvam ein großes Licht sehe, dessen hellen Schein sie nicht vertragen könnte; davon werde sie zerstreut und mache Fehler in ihrer Wissenschaft. Ein ähnlicher Glanz leuchtete ihr aus Audurs Kreuzen am Felsrand entgegen, jedoch glaubte sie nicht, daß diese ihr so gefährlich werden würden wie das Licht vom Heimacker. Nie begegneten sich Audur und Guldbraa, auch erlaubten sie nicht, daß sich ihr Gesinde über den Bach hinweg besuchte, und nie kam ihr Vieh zusammen. Audur war Christin, hatte aber keine Kapelle auf ihrem Hof; sie verrichtete ihre Gebete auf Kroßholar; denn von dort aus konnte man das Opferhaus auf Akur nicht sehen. Bevor sie starb, bestimmte Audur, daß sie nicht in ungeweihter Erde liegen wolle; sie sagte aber, daß sie sich vor den Gewalttätigkeiten der Heiden fürchte und bat darum, neben dem Flutmesser bestattet zu werden. Jetzt heißt der Ort, an dem sie liegt, der Audurstein, und er ist noch heutigen Tages ein Strandzeichen im Hvamsfjord; da sagt man nämlich bei starker Strömung, die See sei entweder halb gestiegen oder gefallen, wenn sie sich am Audurstein bricht.