Im dritten Jahr kam er wieder zu den Leuten, und nun war er ein richtiger Troll geworden und hatte ein schier entsetzliches Aussehen. Da war aber einer, der ihn doch zu fragen wagte, an wen er glaube, er aber erwiderte, daß er an »Trunt, Trunt und die Trolle in den Bergen« glaube und verschwand darauf. Von diesem Tage ab wurde er nicht mehr gesehen; lange Jahre aber wagte auch niemand, Moos an dieser Stelle zu sammeln.
Der Nachttroll
An den Sommerweideplätzen, die den Bauern vom Mygsee gehörten, wohnte in alten Zeiten eine Riesin in einem Berg, der nach ihr »Der Schwanz der Riesin« heißt. Sie war einer der Nachttrolle, deren Natur es ist, daß sie nicht vertragen können, die Sonne zu schauen und deshalb stets nachts arbeiten müssen.
Diese Riesin bereitete den Bewohnern viel Schaden unter anderem dadurch, daß sie nachts die Fische aus dem Mygsee stahl. Man erzählt, daß sie in einem kleinen Boot umherruderte, das sie dann auf dem Rücken nach Hause trug. Eines Sommers hatte man Glück beim Fischen in Strandvig, das damals, wie später auch, der beste Fischplatz am Mygsee war. Den Sommer über machte es sich die Riesin zur Gewohnheit, jede Nacht Fische in der Bucht zu stehlen, und das gefiel den Strandbewohnern sehr wenig. Eines Nachts, spät im Sommer, begab sie sich an den See hinunter, um, wie sie gewöhnt war, darin zu fischen. Als sie aber hinunterkam, sah sie einen Bauern in der Bucht, der mit Angeln beschäftigt war. Sie hielt sich für nicht stark genug, um den Bauern anzugreifen, der mit drei anderen zusammen war, und wollte deshalb warten, bis er mit dem Angeln fertig war; der Bauer aber blieb, wo er war, vielleicht, daß er wußte, wie es mit der Riesin bestellt war, wenn es auf die Morgendämmerung ging. Die Riesin begann ungeduldig zu werden, wollte jedoch nicht unverrichteter Sache nach Hause zurückkehren. Endlich hörte der Bauer mit Angeln auf, und die Riesin ging hinunter und zog Netze in der Bucht auf. Als sie mit dieser Arbeit fertig war, machte sie sich auf den Nachhauseweg, als sie aber schon die halbe Strecke zurückgelegt hatte, ging die Sonne auf, und es wird nun erzählt, daß sie ihr Boot an der Stelle absetzte, an der sie sich gerade bei Sonnenaufgang befand, worauf alles miteinander in Stein verwandelt wurde.
Die Spuren davon sind heutigen Tages noch deutlich zu sehen. Das Boot steht noch auf einem Hügel, der mitten zwischen dem »Schwanz der Riesin« und dem Mygsee liegt und seitdem der »Bootshügel« heißt. Das Boot ist genau wie die Boote gebaut, die jetzt auf dem Mygsee benutzt werden, nur mit dem Unterschied, daß es größer ist. Man kann deutlich seine ganze Form erkennen, und noch kann man die Ruder sehen, und wo sie gesessen haben, und daß hierzu Einschnitte an den Seiten des Bootes benutzt worden sind und nicht die jetzt gebräuchlichen Ruderdullen. Im Hintersteven des Bootes befindet sich ein großer Haufen, und man glaubt, daß die Riesin sich hier zur letzten Ruhe niedergelegt habe.
Die Geisterhaube
In einem Ort, in dem eine Kirche liegt, wohnten unter anderen ein junger Gesell und ein Mädchen. Der Gesell hatte die Gewohnheit, dem Mädchen häufig Angst einzujagen, sie aber war so daran gewöhnt, daß sie sich nicht mehr erschrecken ließ; denn was sie auch sah, sie glaubte doch immer, daß er es sei, der ihr Furcht machen wolle.
Einmal geschah es, daß Wäsche gewaschen wurde, und darunter eine Menge weißer Nachthauben, die damals viel getragen wurden. Abends wurde das Mädchen gebeten, die Wäsche vom Kirchhof zu holen. Sie lief hinaus und begann, die Wäsche zu sammeln. Als sie beinahe fertig geworden war, sah sie, daß ein weißer Geist auf einem der Gräber saß. Da dachte sie bei sich, daß der Knecht sie wieder erschrecken wolle. Sie lief hin und entriß dem Geist die Haube, denn sie glaubte, der Gesell hätte sich eine der Hauben aufgesetzt und sagte: »Es gelingt dir diesmal nicht, mich zu erschrecken!« Dann ging sie mit der Wäsche hinein, drinnen aber war der Gesell.
Nun wurde die Wäsche nachgezählt, und da war eine Haube zu viel, die innen erdig war. Da erschrak das Mädchen. Am nächsten Morgen saß der Geist auf dem Grab, und man wußte nicht, was man anfangen sollte; denn niemand wagte, ihm die Haube zu bringen, und man schickte deshalb in die Nachbarschaft, um sich guten Rat zu holen. Es war ein alter Mann in der Gegend, der meinte, es ließe sich nicht vermeiden, daß dieser Fall schlimme Folgen hätte, wenn das Mädchen nicht selbst dem Geist die Haube brächte ,und sie ihm in Anwesenheit vieler Menschen schweigend auf den Kopf setzte. Man drang in das Mädchen, um sie zu überreden, dem Geist die Haube aufzusetzen, und sie ging auch hin, das Herz im Halse, stülpte dem Geist die Mütze auf den Kopf und sagte, als sie damit fertig war: »Bist du nun zufrieden?« Der Geist aber drehte sich um, schlug sie und sagte: »Ja, bist du auch zufrieden?« Und damit stürzte er sich in das Grab hinab. Das Mädchen fiel um von dem Schlag, und die Leute liefen hinzu und hoben sie auf, sie war aber tot.
Der Gesell aber bekam einen Verweis, weil er sie so oft erschreckt hatte; denn dadurch, glaubte man, wäre er die eigentliche Ursache des ganzen Unglücks. Da hörte er auf, den Leuten Angst einzujagen. Und so ist diese Erzählung aus.