Dort lag der Bauer zu Bett, so nahe war ihm das Verschwinden Ketils gegangen. Als aber Ketil nun kam, waren alle froh, besonders der Bauer, der gleich aus dem Bett stieg und glaubte, er hätte ihn aus der Hölle selber zurückerhalten. Er fragte Ketil, was denn seine Abwesenheit verschuldet hätte. Davon aber wollte Ketil nicht viel sprechen, und er erzählte weder von der Riesin, noch von ihrer Höhle. Dann hütete Ketil die Schafe wie zuvor.

Nach Verlauf eines Monats ging er in die Höhle hinein. Da fand er die Riesin tot. Ketil hatte Feuerzeug mit, zündete Licht an und trug ihren Leichnam aus der Höhle hinaus, und er erzählte später, daß er nie zuvor solch eine Kraftprobe bestanden hätte. Dann untersuchte er die Höhle und fand großen Reichtum an allerlei kostbaren Sachen und Gold. Er ließ aber vorläufig alles liegen.

Im Hornung wurde der Bauer krank, und nachdem er einen halben Monat zu Bett gelegen hatte, starb er. Da verlangte Ketil den Hof in Pacht, erhielt aber eine unwillige Antwort; denn der Eigentümer hielt es für die größte Torheit, ihn an ihn zu verpachten, jedoch gab er ihn auch keinem andern in Pacht. Es ging nun auf das Frühjahr, und die Erben verkauften das meiste der Einrichtung auf Silfrunarstad; Ketil kaufte einen großen Teil davon und bezahlte gleich bei der Zuteilung. Er hatte schon den größten Teil des Gesindes auf dem Hof gedungen, und nun fiel es ihm leicht, ihn zu pachten.

Im Frühjahr zog er nach Havsteenstad, wo er zum erstenmal mit der Tochter des Pfarrers zusammentraf; er gab ihr den Gürtel und legte ihn ihr um. Darauf brachte er sein Anliegen vor, daß er dorthin gekommen wäre, um um ihre Hand zu freien. Sie schien dem Manne hübsch und hoffnungsvoll, und da nun der Gürtel die Liebe in ihrer Brust entfachte, so versprach sie ihm ihr Ja, wenn ihr Vater seine Einwilligung dazu geben würde. Da trug Ketil dem Pfarrer sein Anliegen vor und bat ihn um seine Tochter. Der Pfarrer erwiderte sehr kühl darauf, und man merkte wohl, daß er fand, daß Ketil seiner Tochter nicht ebenbürtig sei, er, der nur schlecht und recht ein Bauer war. Weil aber Ketil nun reicher geworden war, als man früher glaubte und er sonst ein kluger und besonders tüchtiger Mann war, ließ sich der Pfarrer schließlich überreden, seine Einwilligung zu geben, daß sie ihm für diesen Sommer als Wirtschafterin nach Hause folgte; und darüber wurden sie dann einig.

Ketil zog nun mit der Pfarrerstochter nach Hause, und sie wurden im Sommer gut miteinander fertig. Im Herbst kam ihr Vater, und das Ende der Beratung war, daß Ketil sich mit der Tochter des Pfarrers verlobte, und im Herbst wurde ihre Hochzeit mit großer Pracht gefeiert. Sie liebten sich sehr und wohnten auf Silfrunarstad bis in ihr hohes Alter. Ketil hatte Glück in allem und wurde ein schwer reicher Mann, so daß niemand sich erinnern konnte, daß je ein so reicher Mann auf Silfrunarstad gewohnt hätte. Er hatte ja auch keinen Mangel an Geld aus der Höhle der Riesin, so lange er sein Heim in Ordnung brachte, und er richtete sich in jeder Hinsicht nach ihrem Rat. Diese Erzählung hörte man aus seinem eigenen Munde, als er ein alter Mann geworden war. Lange hatte sie sich später im Gedächtnis der Leute erhalten und sich von Mann zu Mann fortgepflanzt.

Trunt, Trunt und die Trolle in den Bergen

Zwei Männer waren einmal in den Bergen und sammelten Moos. Eines Nachts lagen sie beide in ihrem Zelt. Der eine schlief, der andere aber lag wach. Da sah dieser seinen schlafenden Kameraden aus dem Zelt hinausschreiten; er stand auf und ging ihm nach, konnte aber kaum so schnell laufen, daß der Abstand sich zwischen ihnen verringerte. Der Schlafende steuerte hinauf nach den Gletschern zu.

Da sah der andere eine Riesin, die oben auf den Zacken eines Gletschers saß. Sie streckte abwechselnd die Arme aus und zog sie wieder an die Brust zurück, und auf diese Weise zauberte sie den Mann an sich. Er lief ihr gerade in die Arme, worauf sie mit ihm davoneilte.

Im nächsten Jahr sammelten Leute aus seiner Ortschaft Moos an derselben Stelle in den Bergen; da kam er zu ihnen, war aber so schweigsam und in sich gekehrt, daß man kaum ein Wort aus ihm herausbekommen konnte. Die Leute fragten ihn, an wen er glaube, und er antwortete, daß er an Gott glaube.

Im zweiten Jahr kam er abermals zu denselben Leuten, die wieder in den Bergen waren, da aber war er einem Troll so ähnlich geworden, daß sie sich vor ihm fürchteten. Jedoch wurde er befragt, an wen er glaube; er gab aber keine Antwort, und diesmal verweilte er nicht so lange bei den Leuten wie in dem Jahr zuvor.