Sie boten ihm Guten Morgen und hatten jetzt freudigere Gesichter, daß sie ihn am Leben sahen, als am vorhergehenden Abend beim Lebewohlsagen, und sie fragten ihn, ob er nichts von dem Spuk in der Nacht gemerkt hätte. Der Bursch erwiderte, daß er keinen Spuk gemerkt hätte. Die Leute wollten ihm nicht glauben, was er auch tat, um sie zu überzeugen.

Er blieb nun den nächsten Tag über da; denn er war sehr mitgenommen von seinem Kampf mit dem Gespenst, auch wollten ihn die Leute des Hofes um alles in der Welt nicht verlieren, weil er es so gut verstand, ihnen Mut einzuflößen. Abends, als er sah, daß sie Anstalt machten fortzugehen, versuchte er auf jede erdenkliche Weise, sie zu überreden, im Hause zu bleiben, und sagte, daß der Spuk ihnen keinen Schaden zufügen würde. Da half ihm aber alles nichts. Die Leute glaubten ihm nicht und gingen fort wie am Abend zuvor; er hatte jedoch mit seinen Überredungen und Ermunterungen so viel erreicht, daß sie keine Furcht hatten, ihn zurückzulassen. Als sie den Hof verlassen hatten, ging der Bursch zu Bett, ruhte sorglos aus und schlief bis zum hellen Tag. Morgens kehrten die Leute wieder auf den Hof zurück und fragten ihn nach dem Spuk, er aber erwiderte, daß er nichts davon gemerkt hätte, und fand, daß sie nicht mehr nötig hätten, in dieser Hinsicht Furcht zu haben.

Er erzählte ihnen nun alles, was in der verflossenen Nacht passiert war, zeigte ihnen die Kreuzzeichen am Boden, wo die Körperteile versunken waren, und führte sie an die Geldtruhe. Sie dankten dem Burschen mit wohlgesetzten Worten für sein mutiges Auftreten, baten ihn zu verlangen, was er sich von ihnen wünschen mochte, als Entgelt für die Hilfe, die er ihnen geleistet hätte, gleichviel ob er Geld oder Gut haben wollte, und sagten, daß er auf Skalholt bleiben solle, so lange er irgend Lust habe. Er dankte ihnen für ihr freundliches Anerbieten, er brauche aber weder Reichtum, noch sonst irgend etwas, sagte er, auch wolle er nach diesem Tag nicht länger dort verweilen. Die nächste Nacht aber blieb er noch dort, und in dieser Nacht schliefen alle Leute zu Hause auf dem Hof, und weder diesmal noch später merkten sie etwas von Spuk. Morgens machte sich der Bursch bereit, von Skalholt fortzuwandern; die Leute wollten ihn zwar keinesfalls verlieren, es half aber alles nichts, er wollte fort. Er sagte, daß er jetzt nichts mehr dort zu tun hätte, da die Leute ja auf dem Hof bleiben könnten. Darauf verließ er Skalholt, sehr gegen den Willen der Leute, und steuerte nordwärts.

Es geschah nichts Bemerkenswertes auf seinem Weg, bis er eines schönen Tages an eine Höhle kam. Da ging er hinein. Er konnte keinen Menschen entdecken, in einer Seitenhöhle aber erblickte er zwölf Betten, die einander gegenüber, sechs in einer Reihe, aufgestellt waren. Alle Betten waren ungemacht, und da der Tag noch nicht um war, so daß er nicht erwarten konnte, daß die Höhlenbewohner bald nach Hause kommen würden, begann er, alle Betten zu machen. Als er damit fertig war, legte er sich in das Bett, das zu äußerst an der einen Seite der Höhle stand, wickelte die Decke sorgfältig um sich und schlief ein. Nach einer Weile erwachte er davon, daß jemand in der Höhle umherging; er hörte, daß eine Menge Menschen gekommen waren, die sich darüber wunderten, wer wohl hineingekommen sein mochte und ihnen die Freundlichkeit erwiesen hatte, ihnen die Betten zu machen; er hätte dafür ehrlichen Dank verdient, sagten sie. Nachdem sie, wie ihm schien, zu Abend gegessen hatten, gingen sie zu Bett. Als aber der Eigentümer des Bettes, in dem er lag, die Decke zurückschlug, erblickte er den Burschen. Die Höhlenbewohner dankten ihm für seine Handreichung, die ihnen so gut zustatten gekommen war, und baten ihn, bei ihnen zu bleiben, um ihnen in der Höhle behilflich zu sein; denn sie selbst hätten nicht viel Zeit, sie müßten die Höhle bei Sonnenaufgang verlassen, da sonst ihre Feinde kämen und sie dort bekämpften, und aus diesem Grunde könnten sie sich zu Hause gar nichts vornehmen.

Der Bursch sagte, daß er ihr Anerbieten annehme und einige Zeit bei ihnen bleiben wolle. Er fragte sie dann, wie es denn käme, daß sie jeden Tag einen so schweren Kampf zu bestehen hätten, der nie ein Ende nähme. Die Höhlenbewohner sagten, daß jene Männer Feinde wären, mit denen sie schon früher häufig in heftigem Streit gelegen hätten, und die stets im Kampf unterlegen seien. Sie erzählten, daß sie sie immer noch jeden Abend überwältigten und töteten. Es sei aber immer so, daß ihre Feinde am nächsten Morgen umgingen und jedesmal wilder und ungestümer wären als je zuvor, und ohne Zweifel würden sie durch ihre Gegner in ihrer Höhle angegriffen werden, wenn sie nicht bei Sonnenaufgang auf dem Kampfplatz anwesend wären. Dann gingen sie zu Bett und schliefen bis zum nächsten Morgen.

Gleich bei Sonnenaufgang gingen die Höhlenbewohner, bis zu den Zähnen bewaffnet, fort, baten aber erst den Burschen, sich der Höhle und der Hausarbeit anzunehmen, was er ihnen auch versprach. Im Laufe des Tages ging der Bursch in einen Nußbaumwald, der in der Richtung lag, in der er sie hatte verschwinden sehen, als sie von der Höhle fortgingen, um zu erfahren, wo der Kampf stattfände. Als er den Kampfplatz entdeckt hatte, eilte er wieder in die Höhle hinein. Zunächst machte er die Betten der Höhlenbewohner, fegte die ganze Höhle und tat, was sonst zu tun war. Müde und matt kehrten die Höhlenbewohner abends nach Hause zurück und waren erfreut, als sie sahen, daß der Bursch die ganze Wirtschaft besorgt hatte, so daß sie selbst weiter nichts zu tun hatten als zu essen und nach beendeter Mahlzeit das Bett aufzusuchen, worauf alle einschliefen, außer dem Burschen.

Er lag wach und überlegte, wie er Aufklärung darüber erhalten könnte, daß die Höhlenbewohner nachts umgingen. Als er glaubte, daß alle seine neuen Genossen in Schlaf gesunken seien, stand er auf, wählte unter ihren Waffen die, die ihm am besten gefiel und nahm sie mit. Dann wanderte er nach dem Kampfplatz und erreichte ihn kurz nach Mitternacht. Da war nichts zu sehen, außer den Gefallenen und ihren abgeschlagenen Köpfen. Dort blieb er eine Weile.

Bei Tagesanbruch aber sah er unweit des Kampfplatzes einen Hügel sich öffnen, aus dem ein Weib herauskam; es war mit einem blauen Mantel bekleidet und trug einen Topf in der Hand. Er sah sie schnurstracks auf das Schlachtfeld gehen, zu einem der Gefallenen, und etwas von dem Inhalt des Topfes auf das Stück des Halses streichen, das an dem Oberkörper des Toten saß, und auf das Stück, das am Kopf saß, und darauf den Kopf auf den Rumpf setzen; da saß er sofort fest, und der Tote lebte wieder auf. Dieselben Künste wandte sie bei noch zwei oder drei andern an, die ebenfalls dadurch sofort zum Leben erweckt wurden. Da sprang der Bursch auf die Alte zu und gab ihr den Todesstreich; denn jetzt konnte er allerdings begreifen, wie es kam, daß die Feinde der Höhlenbewohner immer wieder umgingen; dann brachte er diejenigen, die sie ins Leben zurückgerufen hatte, um. Als das geschehen war, ging er selbst hin und versuchte, ob es ihm gelingen würde, die Gefallenen auf dieselbe Weise wieder zu beleben, wie es ihr gelungen war; er strich etwas von dem Inhalt des Topfes an den Halsrand, und es gelang ihm ebensogut wie vorhin.

Nun belustigte er sich damit, die Gefallenen abwechselnd wieder aufleben zu lassen und die wieder umzubringen, die er ins Leben gerufen hatte, bis die Sonne aufging; dann kamen seine Genossen von der Höhle an, voll bewaffnet; es war ihnen sonderbar zumute geworden, weil er verschwunden war und einige Waffen mit ihm; als sie aber auf die Walstatt kamen und ihre Feinde tot daliegen sahen, schien ihnen die Sache eine günstige Wendung genommen zu haben. Die Höhlenbewohner freuten sich, den Burschen zu sehen, und fragten, wie er darauf verfallen wäre, dort hinzugehen. Er erzählte ihnen dann, wie sich alles zugetragen hatte, und wie das Huldreweib beabsichtigt hatte, die Gefallenen ins Leben zu rufen. Er zeigte ihnen den Salbentopf, nahm einen der Gefallenen, bestrich ihn und setzte ihm den Kopf auf. Da lebte er bald wieder auf, die Leute schlugen ihn aber sofort wieder tot.

Die Höhlenbewohner dankten ihm nun mit vielen und schönen Worten für den bewiesenen Mut; sie baten ihn, bei ihnen zu bleiben, so lange er Lust hätte, und boten ihm Geld an für seine Hilfe, die er ihnen geleistet hatte. Er dankte ihnen für das freundliche Anerbieten und sagte, daß er es gern annähme, bei ihnen zu bleiben. Nach alledem waren die Höhlenbewohner so vergnügt und froh über den Burschen, daß sie allerhand Allotria trieben, und es wurde vorgeschlagen zu probieren, wie es wäre zu sterben, da sie einander ja wieder ins Leben zurückrufen könnten. Sie töteten einander, strichen Salbe auf die Wunde und lebten sofort wieder auf. Das ging nun zum großen Gaudium für sie eine ganze Weile so.