Einmal aber, als dem Burschen der Kopf abgeschlagen worden war und sie ihn mit Hilfe der Salbe wieder an den Rumpf hatten anwachsen lassen, war das Gesicht nach hinten gedreht, der Hinterkopf aber nach vorn. Als der Bursch nun sein Hinterteil sah, weil der Kopf verkehrt herum saß, wurde er wie rasend vor Schreck und bat sie, ihn um Gottes willen von diesen Qualen zu befreien. Die Höhlenbewohner liefen sofort herzu, hieben den Kopf von neuem ab und setzten ihn richtig auf den Körper. Da erlangte er seinen Verstand wieder und war seitdem genau so mutig, wie er früher immer gewesen war.
Dann sammelten die Leute sämtliche toten Körper, nahmen ihnen die Waffen fort und verbrannten sie mit dem Huldreweib zusammen, das mit dem Salbentopf aus dem Hügel gekommen war. Dann gingen sie in den Hügel hinein, nahmen sich alles, was an Geldeswert da war und schleppten es mit nach Hause in ihre Höhle. Der Bursch blieb später immer bei ihnen, von dieser Zeit ab gibt es aber keine Erzählungen mehr über ihn.
Die Sage von Jon Asmundsson
Es war einmal ein armes Ehepaar. Es wohnte im Borgarfjord, und der Mann hieß Asmund. Sie hatten viele Kinder, die alle noch klein waren. Es wird nicht gesagt, wie die Kinder hießen, nur daß der älteste Junge Jon hieß. Es war damals eine schwere Zeit im Lande. Der Bauer Asmund mußte von Haus und Hof gehen, und die Kinder wurden auf verschiedene Höfe verteilt, um Unterhalt und Erziehung zu erhalten.
Um diese Zeit lebte ein Pfarrer in Reykjavik, der Kristian hieß; er nahm Jon Asmundsson als Pflegesohn zu sich, und bei ihm wuchs Jon auf. Jon war ein hübscher Junge und stärker als seine übrigen Altersgenossen; er war ruhig von Natur, sprach wenig und war sehr fleißig. Der Pfarrer liebte ihn sehr, und alle Leute auf dem Hofe hatten ihn gern.
Da geschah es eines Sommers, wie häufig, daß ein Handelsschiff nach Reykjavik kam. An Bord befand sich ein ausländischer Kaufmann, aber wie er hieß, wird nicht erzählt. Er trieb viel Handel, unter anderem auch mit dem Pfarrer Kristian. Einmal, als der Pfarrer draußen auf dem Schiffe des Kaufmanns war, kam das Gespräch auf starke Männer. Der Kaufmann, der groß und kräftig war, ging an eine Stelle, an der vier Sack Roggen zusammengebunden lagen, hob sie auf und versprach dem Manne drei Mark Gold, der es ihm gleich tun würde, es war aber niemand da, der sich auf diese Kraftprobe einzulassen wagte. Als der Pfarrer nach Hause kam, erzählte er seinem Pflegesohn, Jon Asmundsson, was der Kaufmann versprochen hatte, und bat ihn zu versuchen, was er konnte. Jon machte nicht viel Worte, sagte jedoch, daß er es versuchen würde. Da erzählte der Pfarrer dem Kaufmann, daß ein Mann gekommen sei, der das Geld verdienen wolle. Da führte der Kaufmann Jon dorthin, wo die Getreidesäcke lagen. Jon nahm sie und warf sie auf die Schulter, trug sie auf dem Deck hin und her und legte sie wieder auf dieselbe Stelle nieder. Der Kaufmann verfärbte sich, wog jedoch das Gold ab und bezahlte es. Der Pfarrer und Jon machten sich nun bereit, das Schiff zu verlassen, während sie aber von dem Kaufmann Abschied nahmen, bat dieser Jon, ihn zu besuchen, ehe er davonsegelte, was Jon auch versprach. Sie zogen heimwärts, und der Pfarrer war froh über den Erfolg ihres Ganges. Jon aber tat, als ob nichts geschehen sei.
Eines Tages, ehe der Kaufmann fortsegelte, erinnerte der Pfarrer Jon daran, daß er jenen besuchen wollte. Da stattete Jon ihm seinen Besuch ab, und der Pfarrer begleitete ihn. Der Kaufmann nahm sie rechtschaffen auf und bat Jon, mit in die Kajüte zu kommen. Der Pfarrer wollte mitgehen, der Kaufmann aber sagte, daß sie nichts miteinander zu verhandeln hätten. Der Pfarrer erwiderte, daß es nicht geschähe, um eine Störung bei ihrer Zusammenkunft zu verursachen, und das Ende war, daß er ihnen in die Kajüte folgte. Dort sagte der Kaufmann zu ihnen, daß sie noch nicht miteinander fertig wären; denn im nächsten Sommer würde er einen Burschen mitbringen, mit dem Jon ringen sollte, und bliebe er Sieger im Kampf, so sollte er zehn Mark Gold bekommen. Dann nahmen sie Abschied voneinander, und kurz darauf segelte der Kaufmann fort.
Nun verstrich eine Zeit ruhig. Im folgenden Winter fragte der Pfarrer einmal Jon, ob er sich dessen erinnere, was ihm der Kaufmann beim Abschied gesagt habe; Jon erwiderte, daß er nur selten daran denke. Da sagte der Pfarrer, daß es für sie am besten sei, an einen Ausweg zu denken; denn der Bursch, mit dem der Kaufmann ihn ringen lassen wollte, wäre kein richtiger Mensch, sondern einer der schlimmsten Mohren, jedoch würde er, der Pfarrer, einen Ausweg für ihn finden; sie müßten sich bereit halten, wenn drei Wochen des Sommers vergangen wären, denn dann würde der Kaufmann in den Hafen einlaufen. Jon nahm sich diese Sache nicht weiter zu Herzen.
Als genau drei Wochen des Sommers vergangen waren, kam eines Tages ein Schiff vom Meere her und segelte nach Reykjavik hinauf. Der Pfarrer ging zu Jon, erzählte ihm, was nun bevorstände, bekleidete ihn mit einem schwarzwollenen Wams und spannte ihm einen Gürtel um den Leib; dann gab er ihm einen kleinen, scharfen Dolch, den er im Wamsärmel verbergen sollte. Er sagte, daß er nicht daran denken könnte, den Griffen des Mohren zu widerstehen, daß dieser ihn im ersten Gang über den Kopf werfen würde, er versprach aber, schon aufzupassen, daß Jon auf die Füße zu stehen käme, und dann sollte er den Mohren auffordern, den lodenen Mantel, den er anhätte, auszuziehen, inzwischen aber den Dolch zurechtlegen, um ihn bei der Hand zu haben, wenn der Mohr zum zweitenmal auf ihn einstürmte. Kaum hatte das Schiff Anker geworfen, als ein Boot von dem Schiff abstieß und ein riesenhafter Mohr, mit einem lodenen Mantel bekleidet, ans Land gesetzt wurde. Der Pfarrer und Jon standen unten am Flutmesser. Der Mohr rannte sofort auf Jon zu, packte ihn und schwang ihn in die Höhe, Jon aber fiel wieder auf die Füße. Da forderte er den Mohren auf, den lodenen Mantel auszuziehen, damit sie sich im Ringkampf messen könnten. Der Mohr tat das, inzwischen aber legte Jon seinen Dolch zurecht, und als der Mohr zum zweitenmal auf ihn losstürzte, lief er herzu und bohrte ihm den Dolch in den Leib. Der Ringkampf zwischen ihnen dauerte noch eine Weile, und der Mohr hätte ihm übel mitgespielt, wenn sein wollenes Wams nicht die Stöße aufgefangen hätte. Das Ende ihres Kampfes war, daß Jon den Mohren zu Boden schlug. Darauf ruderte er mit dem Pfarrer an das Schiff und begrüßte dort den Kaufmann. Der Pfarrer sagte, daß Jon nun das Geld verdient hätte, da der Mohr auf dem Kampfplatz liegen geblieben sei; der Kaufmann aber war äußerst aufgebracht und sagte, daß sie eine Hinterlist gebraucht, aber nicht Mut und Beherztheit gezeigt hätten. Der Pfarrer erwiderte, daß in diesem Falle Gleich gegen Gleich stände, denn es wäre kein richtiger Mensch, den der Kaufmann zum Ringkampf geschickt hätte. Schließlich aber gab dann der Kaufmann das Geld, indem er Jon bat, ihn wieder zu besuchen, ehe er, gegen Ende des Sommers, das Land wieder verlasse.
Alles blieb beim alten, bis der Kaufmann fortsegeln wollte; da erinnerte der Pfarrer Jon daran, daß der Kaufmann einen Besuch von ihm verlangt hätte, und sagte, daß er selbst mitkommen würde, um bei ihrer Begegnung anwesend zu sein. Sie fuhren nach dem Schiff hinaus und begrüßten den Kaufmann, der den Gruß erwiderte und Jon bat, mit ihm beiseite zu gehen. Jon erfüllte seinen Wunsch, der Pfarrer aber folgte ihnen auf den Fersen. Da sagte der Kaufmann, daß es ihn nichts anginge, was Jon und er miteinander zu besprechen hätten; darauf erwiderte der Pfarrer, daß er nicht im Sinne hätte, ihr Gespräch zu stören, er wolle jedoch in der Nähe seines Mannes sein. Diesmal sagte der Kaufmann, daß er im nächsten Sommer ein junges Hündchen mitbringen wolle, an dem Jon seine Kräfte messen solle; besiege er es, so solle er fünfzehn Mark Gold bekommen. Dann trennten sie sich. Der Sommer verging und ein gut Stück vom Winter, ohne daß Jon von diesen Dingen sprach.