Da fragte ihn der Pfarrer einmal, ob er je an die Worte des Kaufmanns denke. Jon antwortete »Nein«; der Pfarrer aber sagte, daß das Eintreffen des Kaufmanns im nächsten Sommer nichts Besseres bringen würde als früher; er würde angesegelt kommen, wenn ein halber Monat des Sommers um wäre, das Hündchen aber, an dem er gedächte Jon seine Kräfte messen zu lassen, sei ein großer und grimmiger Bluthund, weshalb sie versuchen müßten, sich irgendeine List auszudenken. Jon bat den Pfarrer, sich diese für ihn auszudenken.

Als ein halber Monat des Sommers um war, erschien ein vom Meere kommendes Schiff. Der Pfarrer rief Jon zu sich und zeigte ihm dasselbe schwarzwollene Wams, das er ihn im Sommer zuvor hatte anziehen lassen. Der Pfarrer hatte es mit dicken Tauen umflochten, ehe er es ihm wieder anzog. Dann reichte er ihm eine eiserne Waffe, wie eine Hellebarde geformt und mit Zacken an der Spitze, steckte dann ein Stück Fleisch darauf und gebot Jon, sie in der Hand zu halten und zu versuchen, so an den Hund heranzukommen, daß dieser nach dem Fleisch schnappte; dann aber sollte er ihm das Eisen in den Rachen stoßen. Darauf gingen sie an die See, und kaum hatte das Schiff Anker geworfen, als der Hund ans Land gelassen wurde. Es war ein großer Hund, und grimmig sah er aus. Jon ging ihm entgegen; da fuhr er mit großer Wildheit auf ihn zu und wollte ihn zerfleischen; das Wams aber beschützte ihn, so daß er keinen Schaden davontrug. Jon wich den Angriffen des Hundes so gut wie möglich aus und hielt das Fleischstück vor sich, und schließlich kam es so, daß der Hund das Maul darüber aufriß, während Jon ihm die Waffe mit aller Kraft in den Schlund stieß und damit nicht im geringsten nachließ, wie toll er sich auch gebärdete; des Wamses wegen konnte der Hund Jon nicht den geringsten Schaden tun, und schließlich lag er tot auf dem Platz. Dann fuhren sie zu dem Kaufmann hinaus und begrüßten ihn. Er erwiderte ihren Gruß mürrisch und war schwarz und geschwollen im Gesicht und verbarg seinen Zorn, so weit es in seiner Macht stand. Der Pfarrer sagte, daß Jon jetzt das Geld verdient habe, das ihm der Kaufmann im vorigen Sommer zur Belohnung versprochen hätte. Der Kaufmann aber fand, daß das wohl fraglich sei, da er ja mehr List als Tapferkeit gebraucht habe. Der Pfarrer aber erwiderte, daß sich der Kaufmann diesmal am schändlichsten gezeigt habe, da er ihnen ein so wildes Tier auf den Hals gehetzt habe. Da bezahlte der Kaufmann das Geld, indem er ihn bat, bei ihm vorzusprechen, ehe er diesen Sommer fortsegele.

Dann kam die Zeit, um die der Kaufmann fortsegeln wollte, und der Pfarrer sagte zu Jon, daß er sich an des Kaufmanns Worte erinnern müßte, daß er aber Jon zu der Begegnung begleiten wolle. Sie fuhren hinaus und trafen den Kaufmann an. Sogleich bat dieser Jon, mit ihm in die Kajüte zu gehen. Der Pfarrer wollte folgen, der Kaufmann aber sagte, daß er es unterlassen solle, er hätte dort nichts zu suchen. Der Pfarrer aber antwortete, daß Jon sein Bursche sei, und daß er keinen Schritt gehen würde, ohne daß er, der Pfarrer, ihn begleite. Da gab der Kaufmann nach, und sie gingen nun alle drei in die Kajüte. Als sie dort angekommen waren, holte der Kaufmann ein Buch von einem Regal herunter, schlug es auf und nahm ein loses Blatt heraus, das er schnell vor Jons Augen hin und her bewegte, als wenn er nicht wollte, daß der Pfarrer es sehen sollte; diesem jedoch gelang es, einen Schimmer davon zu sehen, ohne daß der Kaufmann es merkte. Dann legte der Kaufmann das Blatt wieder an seinen Ort zurück und sagte, daß Jon ihm im nächsten Sommer das Buch, zu dem dieses Blatt gehöre, bringen solle, oder den Namen, ein Hasenfuß zu sein, auf sich nehmen müsse; brächte er ihm aber das Buch, so würde er ihm dreißig Mark Gold auswiegen. Dann nahmen sie Abschied voneinander, und der Pfarrer und Jon kehrten nach Hause zurück, der Kaufmann aber stach sofort in See.

Als nun nur noch eine Woche des Sommers übrig war, sprach Pfarrer Kristian mit Jon und fragte ihn, was er wohl zu dem Auftrag meine, den der Kaufmann ihm zugedacht habe. Jon erwiderte, daß er nichts darüber denke. Der Pfarrer fragte ihn, ob er wüßte, was das für ein Blatt gewesen wäre, das der Kaufmann ihm gezeigt hätte. Jon aber antwortete »Nein«. Da sagte der Pfarrer, daß es nicht weiter merkwürdig sei, wenn er es nicht wüßte; denn es wäre ein Blatt aus des Teufels Handbuch gewesen; und nun hätte der Kaufmann ihm die gefährliche Aufgabe zugedacht, es aufzufinden, das aber sei kein Spaß. Dann sagte er, daß er einen Bruder habe, der Pfarrer in der Unterwelt sei, und nur er würde Jon in dieser Angelegenheit helfen können, des Teufels Handbuch ausfindig zu machen, auf andere Weise würde es nicht gehen. Jon sollte sich nun sofort bereit machen, sich nach der Unterwelt zu begeben, um seinen Bruder zu besuchen, und er müßte dort am ersten Wintertag hinkommen und den Winter über da bleiben.

Nun machte sich Jon zur Wanderung bereit, und als alles fertig war, gab ihm der Pfarrer einen Brief an seinen Bruder mit und ein Garnknäuel, das ihm den Weg weisen sollte; er wünschte ihm eine glückliche Wanderung und warnte ihn vielmals, sich irgendwo auf seinem Weg umzusehen, auch dürfte er den ganzen Winter über in der Unterwelt kein einziges Wort sprechen; Jon aber sagte, daß ihm das ein Leichtes sein würde.

Dann machte sich Jon auf den Weg, warf das Knäuel von sich, behielt aber das Ende des Fadens in der Hand. Das Knäuel rollte eine ganze Zeit vor ihm her, bis er an einen Berg nördlich von Reykjavik gekommen war, an dem die Öffnung einer Höhle zu sehen war; dort rollte das Knäuel in den Berg hinein, und er folgte ihm. Der Gang innen war dunkel und uneben, und Jon begann Bedenken zu hegen, die Wanderung fortzusetzen, aber um so stärker zog das Knäuel, und er ermannte sich dann wieder. So ging er einen weiten Weg, bis es plötzlich hell wurde. Da erblickte er vor sich eine anmutige Ebene, über die das Knäuel eine Zeitlang rollte, bis er in eine große Stadt mit prachtvollen Gebäuden kam. Dort hielt das Knäuel an einer Tür inne, worauf Jon es vom Boden aufhob.

Er klopfte an die Tür, und ein junges Mädchen trat heraus. Es war gut gekleidet, aber ohne jeden Prunk, sittsam in ihren Manieren, und die schönste Jungfrau, die Jon je gesehen hatte. Jon verbeugte sich vor ihr und reichte ihr den Brief, den sie schweigend nahm. Auch nahm sie das Knäuel und ging mit beiden ins Haus hinein. Nach einer kleinen Weile kam dasselbe Mädchen wieder heraus, von einem zweiten begleitet, das jünger war; sie betrachtete Jon und verschwand wieder in das Haus hinein. Das erste Mädchen aber nahm Jon bei der Hand und führte ihn durch ein paar Gänge in eine Kammer, in der ein kleiner Tisch, eine Bank, ein Stuhl und ein Bett standen; dann ging sie fort, aber sogleich brachte sie ihm Essen und deckte den Tisch.

Das Weitere kann nun gleich erzählt werden: Jon blieb lange dort und glaubte, daß es schon mitten im Winter sei; er sah keinen anderen Menschen als dasselbe junge Mädchen, das jeden Tag zu ihm kam und ihm den Tisch deckte und das Bett machte. Nie sprachen sie miteinander, und nie hörte er menschliche Stimmen.

Da geschah es eines Tages, daß ein hübscher, großer und wohlgewachsener Mann zu ihm hereinkam. Das war der Pfarrer der Unterwelt, Pfarrer Kristians Bruder. Er war in ein langes, schwarzes Gewand gekleidet; er bot Jon Guten Tag, und es lag Milde in seiner Stimme. Jon schwieg. Der Pfarrer fragte ihn, ob er wüßte, wie weit die Zeit vorgeschritten sei. Jon aber schwieg. Da sagte der Pfarrer: »Du hast gut daran getan, Jon, bei deinem Schweigen zu beharren; denn aus diesem Grunde ist dein Auftrag gut gelungen, und du wirst für deine Selbstbeherrschung belohnt werden, heute aber ist der erste Sommertag, und darum darfst du sprechen.« Darüber war Jon sehr froh. Der Pfarrer sagte, daß er sich nun auf den Heimweg begeben solle, und daß er nicht länger zögern dürfe; denn diesmal würde der Kaufmann kommen, wenn eine Woche des Sommers um wäre. Dann gab ihm der Pfarrer ein Buch und bat ihn, es gut zu hüten und es seinem Bruder zu bringen, es würde aber nicht lange dauern, bis es der Eigentümer vermißte und holte, wenn es erst in den Händen des Kaufmanns wäre. Darum, sagte er, sollte ihm sein Bruder die ganze Ladung abkaufen und sie ans Land bringen lassen, ehe er ihm das Buch gäbe. Der Pfarrer bat Jon, seinem Bruder einen Gruß zu bringen, bot ihm darauf Lebewohl, sagte aber, daß seine Tochter ihn auf den Weg bringen und ihm zeigen werde, wie er sich nach Hause finden könne. Das Mädchen kam also und brachte ihn auf den Weg. Es war dasselbe Mädchen, das ihm im Winter Tisch und Bett besorgt hatte. Sie gingen Hand in Hand miteinander, es wird aber nicht erzählt, was sie zusammen sprachen, bis sie plötzlich stehen blieb und sagte, daß sie nun nicht weiter gehen könne, es wäre jetzt aber auch leicht, das Stück Weges, das noch übrig sei zu finden. Sie sagte, daß sie scheiden müßten, wenn es auch ihrem Herzen schwer fiele, denn sie könnten doch nicht zusammenbleiben und Freude miteinander haben, da er ja nicht in der Unterwelt leben könne und sie nicht auf Erden. »Aber«, sagte sie, »ich will dir nicht verhehlen, daß ich ein Kind erwarte, und ich will dir das Kind senden; sollte es ein Junge werden, wenn es sechs Jahre alt ist, wenn es aber ein Mädchen wird, dann, wenn es zwölf Jahre alt ist; vieles hängt davon ab, ob du das Kind gut aufnimmst.« Nachdem sie das gesagt hatte, reichte sie ihm das Knäuel, sagte aber, daß er es nicht brauche, um den Weg zu finden, er solle sich nur nach ihren Anweisungen richten. Dann sagten sie sich kummervoll Lebewohl; denn es fiel ihnen schwer zu scheiden. Er ging nun den Weg, den sie ihm gezeigt hatte; er war weder schwierig noch gefährlich, aber er wußte selbst nicht recht, wie und wo er zwischen den beiden Welten wanderte. Gegen Ende der ersten Sommerwoche kam er in Reykjavik an, wo der Pfarrer ihn mit Freude empfing und fand, daß er seinen Auftrag gut erledigt hätte, als Jon ihm den Gruß seines Bruders brachte und ihm das Buch gab.

Kurz darauf segelte der Kaufmann in den Hafen ein, und der Pfarrer stattete ihm sogleich einen Besuch ab; kühl aber waren die Grüße, die sie miteinander wechselten. Der Pfarrer erzählte dem Kaufmann, daß ein Mißjahr im Lande wäre, und daß ein großer Mangel an Lebensmitteln herrsche, weshalb er ihn bäte, ihm die Schiffsladung zu verkaufen; und darüber wurden sie handelseinig. Vor Ablauf dreier Tage war die ganze Ladung an Land gebracht. Als das geschehen war, fuhren der Pfarrer und Jon zu dem Schiff hinaus, und der Kaufmann fragte dann Jon sofort, wie es ihm mit seinem Auftrag ergangen sei. Jon erwiderte, daß er ausgeführt sei. Darauf reichte der Pfarrer dem Kaufmann an Jons Stelle das Buch; sehr unangenehm aber war dieser überrascht, als er sah, daß es das richtige Buch war. Der Pfarrer bat ihn nun, das Geld auszuzahlen, das er Jon versprochen habe, und das tat der Kaufmann auch. Dann boten sie ihm Lebewohl und stiegen in ihr Boot hinunter; kaum aber waren sie ans Land gekommen, als die See sehr unruhig wurde; ihre Blicke fielen auf das Wasser, wo das Schiff gelegen hatte, da aber war es verschwunden, und später wurde es nie mehr gesehen.