Nun war großer Reichtum im Pfarrhofe. Das nächste halbe Jahr verging, und Jon blieb bei dem Pfarrer. Immer war er den Leuten verschlossen vorgekommen, jedoch nie so, wie nachdem er aus der Unterwelt zurückgekehrt war. Da sprach einmal der Pfarrer mit ihm darüber, was ihm fehle, und sagte, daß er ahne, weshalb er so wortkarg umherginge; weil ihm nämlich die Tochter seines Bruders da unten in der Unterwelt so gut gefallen hätte. Jon aber erwiderte nichts darauf. Pfarrer Kristian hatte drei Töchter, wie sie aber hießen, wird in dieser Sage nicht erzählt. Der Pfarrer sagte, daß er Jon diejenige von seinen Töchtern geben wolle, die er sich wünsche, wenn sein Gemüt dadurch erheitert werden könne. Jon wählte schließlich die jüngste Tochter zur Frau, und der Pfarrer verheiratete sie miteinander. Er schenkte den Eheleuten einen der besten Höfe in der Nachbarschaft zum Bewohnen, und dorthin zogen sie und schlugen ihr Heim auf. Sie lebten in Eintracht miteinander und hatten Reichtum genug. Trotzdem aber war Jon still und traurig.
Nun vergingen viele Jahre, und die Eheleute bekamen viele Kinder zusammen. Da klopfte es einmal an der Tür zu Jons Hof, während alle Leute in der Badstube waren. Der Bauer sandte einen seiner Söhne, der damals sechs Jahre alt war, an die Tür. Als der Knabe wieder hereinkam, erzählte er, daß draußen ein wunderschönes, kleines Mädchen stände, das ihn freundlich begrüßt und ihn gebeten hätte, drin zu sagen, daß es mit seinem Vater sprechen wolle. Bei diesen Worten huschte es wie ein Sonnenstrahl über Jons Gesicht, er erhob sich sofort und ging hinaus. Das kleine Mädchen küßte ihn und begrüßte ihn mit dem Namen Vater, er aber empfing es mit großer Herzlichkeit und Freude.
Es erzählte, daß es von seiner Mutter, der Pfarrerstochter aus der Unterwelt, geschickt sei, von der es ihm einen liebevollen Gruß bringe. Jon führte es sogleich zu seiner Frau, mit der er von der Herkunft des Kindes sprach, und von der großen Verpflichtung, die er ihm gegenüber hätte, und bat sie, wie eine Mutter gegen es zu sein, wie für ihre anderen Kinder. Da nahm es die Frau sehr liebevoll auf. Sigrid hieß das kleine Mädchen; es war zwölf Jahre alt, als sich dies ereignete. Es zeichnete sich vor den meisten durch seine große Schönheit und allerlei andere Tugenden aus. Als Sigrid drei Jahre bei ihrem Vater und in dieser Zeit Gegenstand vieler Auszeichnung und Liebe gewesen war, bat sie ihn einmal um die Erlaubnis, ihre Mutter besuchen zu dürfen, was er ihr auch freundlich gewährte, indem er sagte, daß sie bei ihrer Mutter gern ein ganzes Jahr bleiben dürfe, wenn sie wolle.
In dem Jahre darauf kehrte Sigrid zu ihrem Vater zurück, der sie ebenso liebevoll wie früher empfing.
Sie überbrachte ihm den letzten Gruß ihrer Mutter, die, wie sie erzählte, gestorben wäre, schon ehe sie die Unterwelt verlassen hätte. Zugleich brachte sie auch die Botschaft, daß Jon sie nur um einen Monat überleben würde. Es schien, als ob Jon diese Botschaft eher freute, als daß sie ihn betrübte, und nicht die kleinste Veränderung war ihm dabei anzumerken.
Jon traf nun feste Bestimmungen über seine Habe, und in seinem letzten Willen setzte er seine Tochter Sigrid als Erbin des Hofes ein, auf dem er wohnte, und man merkte an allem, daß er sie am meisten von seinen Kindern liebte; sie war aber auch eine Zierde unter allen Frauen. Seiner Frau und ihren Kindern gab er das ganze bewegliche Eigentum, und das war ein großer Reichtum. Dann starb Jon, und viele beweinten seinen Verlust.
Ein paar Jahre später verheiratete sich Sigrid mit einem tüchtigen Manne, und sie ließen sich auf ihrem Hof, der der beste Hof in der ganzen Gegend war, nieder. Immer wurde Sigrid als eine ausgezeichnete Frau angesehen, und das Ehepaar lebte lange in großer Liebe miteinander. Sie bekamen eine Menge Kinder, und von ihnen stammt ein großes Geschlecht auf dem Südlande ab.
Die Brüder
In den Tälern wohnten zwei Brüder, Thord und Andreas, die Söhne Andreas’, die, wie es den Leuten schien, beide ein hitziges Gemüt hatten. Im Winter 1820 begaben sie sich nach Hjallasand, um dort Fische zu fangen. Sie waren damals in die Zeit des Mannesalters gelangt, waren aber immer noch unverheiratet. Beide waren in Liebe zu demselben Mädchen entbrannt, und dieser Umstand zerstörte das brüderliche Verhältnis zwischen ihnen.
Früh im Winter litt das Boot, in dem sich Andreas befand, Schiffbruch, und er ging mit ihm unter. Nun bekam sein Bruder freiere Hand für seine Werbung, worüber er sehr froh war, und er besuchte das Mädchen offener, als er es bisher getan hatte.