Als er eine Weile am Altar gestanden hatte, kam derselbe Mann zu ihm, den er früher im Traum gesehen hatte. Nun, sagte er, wäre er gekommen, um ihn zu holen, und hieß ihn die Meßkleider sofort ausziehen und das Ding fortstellen, das er in der Hand hatte. Der Bursch erwiderte hierauf nichts, sondern reichte ihm nur Brot und Wein. Der andere aber sagte, daß er nicht gekommen sei, um das Abendmahl bei ihm zu nehmen, und forderte ihn eindringlich auf, jetzt zu kommen; der Bursch aber ließ sich nicht irreführen, und der andere begab sich unverrichteter Sache wieder fort. Danach war es dem Burschen, als kämen viele seiner Freunde, einer nach dem andern, zu ihm, und bäten ihn im bösen und im guten, den Ort zu verlassen, an dem er stand. Er aber reichte ihnen nur Brot und Wein, keiner von ihnen aber hatte Lust dazu. Da war es ihm, als träte Pfarrer Saemund auf ihn zu und fragte grimmig, was er dort zu tun hätte, indem er ihm gebot, die Kleider sofort auszuziehen, die Dinge wegzustellen, die er in der Hand hatte, und mit hinauszukommen. Auch ihm antwortete der Bursch nichts, sondern reichte ihm nur Brot und Wein. Da machte Pfarrer Saemund ein höhnisches Gesicht, indem er sagte, daß er nicht gekommen sei, um Wohltaten aus seiner Hand zu empfangen, und darauf verschwand auch er. Dem Burschen schien es nun, als kämen allerlei Gespenster und Ungeheuer, ja sogar Teufel herein; es war, als zittere und schwanke die ganze Kirche, und er glaubte, daß sie jeden Augenblick in die Erde versinken oder einstürzen könne. Da erschrak er so sehr, daß er um ein Haar die heiligen Geräte hätte aus den Händen fallen lassen, um sein Heil in der Flucht zu suchen; da hörte er aber, daß die Glocken geläutet wurden. Nun verschwanden augenblicklich alle Mirakel, die er vor seinen Augen zu sehen geglaubt hatte; Pfarrer Saemund aber kam in die Kirche hinein, ging zum Altar und kostete von Brot und Wein. Er sagte darauf zu dem Burschen, daß jede Gefahr vorüber sei; denn jetzt würde ihm keiner mehr nachstellen. Der Bursch war herzlich froh über seine Befreiung und dankte dem Pfarrer, so gut er vermochte. Von dieser Zeit ab war er Saemund sehr zugetan, und man erzählt, daß er seine Fassungsgabe bis zu seinem Todestag behielt und ein ausgezeichneter Mann wurde.

11. Der Wunschaugenblick

Saemund der Weise erzählt, daß es an jedem Tage einen Wunschaugenblick gäbe, der jedoch nicht länger dauere als eine Sekunde, und daß es deshalb für einen Menschen kaum möglich sei, ihn abzupassen. Andere dagegen erzählen, daß nur am Sonnabend der Wunschaugenblick vorkäme.

Einmal saß Saemund in der Badstube, während seine Mägde darin beschäftigt waren. Da sagte er plötzlich: »Paßt auf, Dirnen, jetzt ist der Wunschaugenblick gekommen; wünscht euch nun, was ihr am liebsten haben möchtet.«

Da trällerte eine der Mägde und sagte:

»Von allem, was im Weltenrund

Ich wünschen mag vom Schönen?

Am liebsten, daß mich Saemund

Beschenkt mit sieben Söhnen!«

»Daß du stirbst, wenn du den letzten gebärst!« rief Saemund aus; denn er war der Magd des Wunsches wegen gram. Diese Magd hieß Gudrun, und sie wurde Pfarrer Saemunds zweite Frau. Sie bekamen sieben Söhne miteinander, wie sie sich gewünscht hatte, die Frau aber starb im Wochenbett nach dem letzten.