Kalb verfiel einmal in eine gefährliche und schwere Krankheit. Da trat der Teufel zu ihm ans Lager und sagte, daß er beabsichtige, anwesend zu sein, wenn er sterbe. Kalb erwiderte, daß er diesmal wohl nicht sterben würde; trotzdem aber bat er den Teufel, einen Pfarrer zu holen, der nicht geldgierig sei; es hätte weiter keine Eile, sagte er, denn sein Krankenlager würde langwierig werden. Der Teufel wurde dabei ganz still und meinte, es sei nicht so ganz einfach, solch einen Mann zu finden. Kalb erwiderte, daß der Teufel ihn, Kalb, nicht bekäme, wenn er nicht einen solchen Pfarrer bringen könne, der Vertrag zwischen ihnen wäre dann ungültig.

Der Teufel zog also davon und blieb lange fort; er suchte sorgfältig, fand aber keinen, der nicht geldgierig war. Nach vieler Mühe und langem Suchen brachte er jedoch einen Pfarrer zu Kalb, von dem er erzählte, daß er ihn weit weg in fernen Ländern gefunden habe; zwar wäre er nicht ganz frei von Geldgier; es gäbe aber nur einen Pfarrer, da unten in Deutschland, der in dem Ruf stände, nicht geldgierig zu sein, aber er hätte nicht an ihn herangekonnt, eines leuchtenden Feuers wegen, das die ganze Zeit um ihn gelodert hätte.

Kalb sagte, daß er mit dem Pfarrer, den der Teufel gebracht hätte, nichts zu tun haben wolle, da er nicht ganz frei von Geldgier sei, und der Teufel habe daher kein Recht auf Bezahlung.

Und so mußte der Teufel mit langer Nase abziehen.

4. Kalbs Tod

Als Kalb ein sehr hohes Alter erreicht hatte, wurde er schwer krank, und er wußte im voraus, daß die Krankheit sein Tod werden würde. Er gebot deshalb allen Leuten des Hauses, den Hof zu verlassen und die Kammer zu verschließen, in der er liege, den Schlüssel jedoch im Loche stecken zu lassen. Er bat die Leute, nach einer bestimmten Zeit zurückzukommen, sie sollten sich aber nicht darum kümmern, daß sie vielleicht verschiedene Gegenstände auf dem Hof aus den Fugen gebracht oder entzweigeschlagen vorfänden; wenn aber alles in seiner Schlafkammer stehen geblieben wäre, wie es gestanden habe, dann sollten sie ihn mit allen Zeremonien beerdigen; wäre dagegen etwas darin zerstört oder entzweigeschlagen, dann sollten sie ihn wie einen Kadaver an irgendeiner Stelle verscharren. Kalb hatte einen Pflegesohn, der Arne hieß und ihm sehr lieb war; dieser wollte nicht mit den übrigen Leuten des Hofes fortgehen und versteckte sich deshalb hinter der Umzäunung des Hofes, als die anderen fortgingen. Nach Verlauf einer kurzen Zeit sah Arne den Teufel angehumpelt kommen. Erst ging der Teufel um die ganze Umzäunung herum und dann in den Hof hinein, wo er eine Zeitlang umherging und tobte. Schließlich ging er ins Haus und tummelte sich lange darin und machte viel Gepolter. Nach geraumer Zeit schlich sich Arne in das Haus und öffnete die Tür zu der Kammer, in der sein Pflegevater Kalb lag. Da war Kalb tot, alle Sachen aber in seiner Kammer standen genau so da, wie sie früher gestanden hatten, und Arne sah nichts vom Teufel.

Da wurde Kalb Arneson mit allen Zeremonien auf dem Kirchhof beerdigt, wie er es selbst verlangt hatte.

Gudbjart Floke und der Bischof von Holar

Der Pfarrer Gudbjart Floke in Laufaas war der klügste Mann seiner Zeit; da er aber sehr gutmütig war, tat er niemandem etwas mit seiner Kunst zuleide. Dennoch nahm der Bischof auf Holar Anstoß an dem Gerücht als Zauberer, das der Pfarrer auf sich gezogen hatte, und er faßte daher den Entschluß, ihn seines Amtes zu entheben. In dieser Absicht zog er mit einigen Priestern und jungen Leuten im Gefolge aus; als sie aber ein kleines Stück Weges gegangen waren, verloren sie die Richtung und wußten nicht wohin, und entdeckten erst, wo sie waren, als sie sich zu Hause, auf Holar, hinter dem Hofzaun befanden.

Nichtsdestoweniger zog der Bischof das zweitemal aus, und er war mit seinen Männern schon nördlich der Hjaltetalsheide, als sie bei hellichtem Tag von einem Schneetreiben mit starkem Sturm und Frost überrascht wurden. Plötzlich befiel sie alle ein Drang, ihre Notdurft zu verrichten; als sie sich aber wieder erheben wollten, waren sie nicht dazu imstande; sie waren nahe daran zu erfrieren und sahen schließlich keinen andern Ausweg zur Rettung, als das Versprechen zu geben,wieder nach Hause zurückzukehren. Die Leute frohlockten über die Reisen des Bischofs, Sira Gudbjart aber tat das nie; er glaube nicht, sagte er, daß er es sei, den der Bischof aufsuchen wolle; denn dazu hätte er nicht ein so großes Gefolge mitzunehmen brauchen.