Einige Zeit später war der Bischof mit noch einem Mann auf der Reise im Oefjord, und bei dieser Gelegenheit machte er einen Abstecher zum Hause des Sira Gudbjart; diesmal verlief alles gut, und es traf sich, daß niemand draußen war. Der Bischof trat gleich in das Haus und sah den Pfarrer am Tisch sitzen, den Kopf auf die Hand gestützt, mit einem Buch vor sich auf dem Tisch. Der Bischof ergriff das Buch, wie er es aber auch wandte und drehte, er fand doch nur unbeschriebene Blätter. Der Bischof fragte den Pfarrer, wozu er das Buch benutzen wolle, und der andere erwiderte, es diene zum Einschreiben von Predigten.

»So! Predigten!« antwortete der Bischof zornig, »du, der den Teufel anbetet!«

Aber kaum hatte er das letzte Wort ausgesprochen, als er ein Grab sich öffnen sah, aus dem eine bläuliche Flamme schlug. Er selber stand am äußersten Rand, während eine graue Hand seinen Mantelschoß faßte und ihn in die Flamme hinabziehen wollte. Der Bischof stieß einen Schrei aus und sagte: »Helft mir, um Gottes willen, Herr Pfarrer!« Sira Gudbjart reichte ihm die Hand und sagte: »Laß ihn los, Satan!« und alles war wieder, wie es gewesen war. Dann sagte der Pfarrer: »Es ist nicht weiter merkwürdig, daß der Böse denen so nahe ist, die seinen Namen im Munde führen, anstatt Gottes Segen über das Haus herabzuflehen; ich bin gewöhnt, das zu tun, und dennoch beschuldigst du mich, von dem rechten Glauben gelassen zu haben.«

Der Bischof wurde nun sanfter in seiner Rede. Sie sprachen lange miteinander und trennten sich in Freundschaft, und von dieser Zeit an sagte der Bischof, daß er nur wünschen könne, daß alle so gottesfürchtig wären wie sein lieber Gudbjart.

Aber später merkte man nie etwas davon, daß der Pfarrer Gebrauch von seiner Kunst machte.

Die Frau von Malmö

Es wird erzählt, daß der Fluch auf dem Hof Malmö im Skagefjord lastete, daß niemand länger als zwanzig Jahre dort aushalten könne.

Zur Zeit des Pfarrers Halvdan Einarsson wohnte auf diesem Hof ein Bauer, mit Namen Jon. Er hatte sich als junger Mann auf Malmö niedergelassen und nie einen anderen Hof bewirtschaftet, und nun waren die zwanzig Jahre um, während deren er sich dort ohne Gefahr aufhalten konnte; da er aber ein mutiger Mann und nicht sehr abergläubisch war, und da er außerdem den Hof von seinem Vater geerbt und immer gute Tage gesehen hatte, wollte er ihn nicht verlassen, und das einundzwanzigste Jahr verging, bis kurz vor Weihnachten, ohne daß etwas Merkwürdiges geschah.

Am Tage vor Heiligabend aber verschwand die Frau von Malmö, ohne daß jemand entdecken konnte, wo sie geblieben war, obgleich man weit umher suchte. Der Bauer Jon nahm sich das sehr zu Herzen und wollte sich Gewißheit darüber verschaffen, wie das Verschwinden seiner Frau zu erklären sei. Er zog daher zu Pfarrer Halvdan nach Fell, und als er dort angekommen war, wünschte er den Pfarrer zu sprechen, und dann erzählte er ihm seine Not. Der Pfarrer sagte, daß er ihm schon verraten könne, was aus seiner Frau geworden wäre, und wo sie geblieben sei, es würde ihm aber nichts nützen, das zu erfahren, denn von nun ab würde er keine Freude mehr an seiner Frau haben. Der Bauer fragte, ob er es so einrichten könne, daß er seine Frau zu sehen bekäme. »Denn sehr würde mein Gemüt erleichtert werden, wenn ich sie sehen und erfahren könnte, wo sie ist,« sagte er. Der Pfarrer erwiderte, daß er diese Bitte nicht gern erfülle, er müßte es aber wohl doch tun, da er so sehr darum bäte, und er bestimmte, daß er an dem und dem Tage wiederkommen sollte, wenn alle zu Bett gegangen wären. Da kehrte der Bauer wieder nach Hause zurück und fand, daß die Dinge jetzt eine bessere Wendung für ihn genommen hätten.

Als er an dem bestimmten Tage nach Fell kam, war der Pfarrer schon gerüstet und reisefertig. Der Bauer sah ein graues, aufgezäumtes Pferd nördlich vom Kirchhof stehen; der Pfarrer ging zu ihm hin, bestieg es und gebot dem Bauern, sich hinter ihn zu setzen. »Hüte dich aber, ein einziges Wort zu sprechen,« sagte der Pfarrer, »was du auch zu sehen bekommst, und was auch geschieht; denn verstößt du dagegen, so gilt es dein Leben!« Der Pfarrer ritt nun davon, den Bauern hinter sich, und dieser wunderte sich schier über den rasenden Lauf, in dem das Pferd dahinsauste. Sie nahmen den kürzesten Weg außerhalb Daletaa und Sigtunäs und steuerten geradeswegs Olafsfjordsmule zu; dem Bauern wurde dabei etwas wunderlich zumute, und einmal, als es einen Ruck in dem Pferde gab und es sich tief duckte, erschrak er und stieß einen Schrei aus. Da rief der Pfarrer laut: »Wir haben einen Felsen gestreift, jetzt halt aber das Maul,« und das ist seit jenem Tage eine Redewendung geworden, wenn Pferde stolpern und den Halt verlieren. Es wird nichts weiter von ihrem Ritt erwähnt, bis sie nördlich Olafsfjordsmule ans Land kamen, an die mächtigen und steilen Felsen, die dort sind. Der Pfarrer und der Bauer stiegen vom Pferd, worauf der Pfarrer an den Berg ging und einen kleinen Stab hervorholte, mit dem er auf den Berg schlug.